Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 4 (1873)
- Issue
- 4. Jahrgang Nᵒ 28.
- Date
- 1873-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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— 222 — gierung wird '/, seines GehaltS mit 1800 Piaster bezahlen, und die Schule tritt damit unter den unmittelbaren Schuj der Behörde. Der Unterricht im Hebräischen ist jedoch mangelhaft, weil für 150 Schüler nur ein Lehrer dieser Sprache vorhanden ist. Das Eentral-Somite bewilligt der Gemeind« 200 Fr. Subvention zur Anstellung eines zweiten Lehrer», da jene im Rückgang begriffen und arm ist. — In Philippopel soll auf Anregung de» Dircctor» der Schule. in Adriauopel, Herrn Fel. Bloch, eine Schule gegründet worden. Die Stadt, bezw. die Könige 2000 Seelen zählende jüdische Genieinde ist zu einer großen Rolle berufen, weil jene eine Hauptstarion der neuen Eisenbahn bildet. Die Gemeind« ist zu Opfern für die Schule bereit, das Central-Comite wird einen Beitrag von näher zu bestimmender Höhe bewilligen. Der in Salonichi für ISO Schüler, darunter 110 zahlende, zu gründenden Schule wird eine Subvention von 1000 Franc» bewilligt; da» dortige Localcomite hat rin große», schöne», gutgelegenes Hau» für die Schule gemiethet. — Au» Belgrad liegt rin Bescheid darüber vor, daß die Lage der J»raeliten seil dem Regierungsantritt de» jungen Fürsten sich verschlimmert habe; sie sind au» drei Städten, in denen sie seit etwa 12 Jahre» gewohnt haben, auSgcwicsen worden. Tie Vertriebene» halten sich nun l» Belgrad nnv vergrößern dort die Zahl der buchstäblich Hungerlcidenden. E» wird um Intervention der fremden Mächte gebeten. Da» Eentr.-Eom. wird mit den Somite» i» London und Wien darüber berathen. Ihrerseits zeigt die Anglo.-Jew.-Affoc. an, daß Sir. Fr. Goldsmit sich wegen der serbischen Judenangelegenheit an Lord Granoille gewendet Hab«. — Der Oberrabd. Perey in DamaScu» zeigt an, daß die Behelligungen der dortigen Juden durch dt« englischen Missionäre endlich aufgehörk haben, nachdem jene mit diesen jegliche Beziehung abgebrochen habeil. Er dankt für die iu dieser Angelegenheit gethanen Schritte. (Schl, f.) Grotzbrttauute«. London. Der Oberrabbinrr Dr. Adler hat durch ein Mitglied aus dem Gefolge de» Schah ein Schreiben der persischen Juden erhalten, in welchen» warmer Dank für die während der HungerSnolh geleistete Hülfe autgesprvchen wird. Ferner heißt e» in dem Briefe, daß der jetzig« Schah ein sehr gütiger und toleranter Herrscher sei, die Verfolgungen dürfe man nicht ihm oder seine Regierung, sondern nur dem fanatischen Bolle zuschreiben. (I. World.) — London. Im Anschluß an di« in vor. Nr. gebrachte Nachricht bemerken wir, daß die von der Board überreicht« Adreffe von Dr Loewe persisch abgesaßt ist, sie ist kurz und enthalt nur die allgemeinen Versicherungen der Hochachtung und dtt besten Wünsch« für 2e. Ma;estät neben der Empfehlung der persische» Juden zu geneigtem Wohlwollen. Die andere Adreffe ist sehr ausführlich gehalten, dem Inhalt nach entspricht sie dem von uns milgerheilten Entwürfe der Pariser Adreffe. Genaue Kenntniß wird der Schah freilich weder von der langen, noch von der kurzen nehmen, er hat indeffen auch in London versichert, daß ihm da» Wohl seiner israelitischen Unterthanen stet» am Herzen liege u. s. iv. — (Hat er — nm einen recht alten Witz aufzusrifchen — vielleicht gesagt, daß er »nur ihr Beste» wolle?" —) Vermischte mib neueste Nachrichten. Berlin, 5. Juli. Dem Somit« zur Errichtung jüdischer Waisenhäuser in Palästina (siche Nr. 25) sind ferner beigel»eten: Herr LandcSrabbiner Tiktin in Breslau und Herr Rabbiner Dr. Jastrow iu Philadelphia. Frankfurt a. Oder, im Juni. I» der Generalversammlung, die der „Märkijch-Lausitzer Verband deutscher Bildungs- Vereine" unlängst hier abgehalten, ist Herr Lehrer L. Wcyl — in Anerkennung seiner BerKicust« um die Sache der Verbreitung von Volksbildung — in den Vorstand (und innerhalb des letzter» zum Verbandest cretair) wiedrrg'wählt worden. Upsala. In die hiesige Uiiiversität ist nun di« dritte Studentin, Johanna Leoinsohn, Tochter de» Rabbiner» von Stockholm, eingeschrieben. Sie will sich auf den philosophischen Doctorgrad vorbereiten. An» Nordamerika. Da» „Newyorker Journal" stellt au» dem Sensu» von 1870 folgende Zahlen zusammen: Die Juden stehen im Sensu» von 1850 mit 18,000 Personen und 400,000 Dollar» Gemeinoeeigenthum, in dem von 1870mit 5 Millionen Gemeindeeigenthum und 78,000 Personen verzeichnet. Feuilleton. Unsichtbare Ueffeln. (Fortsetzung.) Wir verließeu Bärchen, al» er im voll«» Galopp nach Grandstreel rannte, um dem Doktor Moritz di« gänzlich veränderte Sachlage anzuzeigen. Er erreicht« die Wohnung de» Doktor«, drückte auf die Klinke, sie gab imch, und er trat etwa» verwundert ein. Da» Zimmer war leer. Obgleich noch die Möbel an ihrem Platze standen, sah e» dach unheimlich darin au». Der Kcffer de» Doktor« war au« der Ecke verschwunden, auf dem Boden lagen Papier« zerstreut umher, und di« deutsche» Lithographien befanden sich nicht mehr an der Stelle der Wand, dir sie gewöhnlich «ianahnten. Bärchen wurde etiva» ängstlich, er schritt zu dem Schreibtische, er war nicht verschloffen. Al» er ihn öffnete, fiel ihm ein beschriebener Zettel, da» einzig« Papier, wa» noch darin lag, auf. Er ergriff diesen und sah, daß er an ihn gerichtet war. Der Athem verging dem armen Menschen, er setzte sich auf «inen Stuhl, da chm die Kni«e wankten und la«: „Freund Bärchen! Ich sag« Ihnen Lrbwohl und bitte Sie meine« raschen Benehmens von vorgestern Abend wegen um Verzeihung. Ich reise. Wohin? sage ich nicht, vielleicht treffen wir nn« später einmal. Grüßen Sie die, die mein Herz erfüllt. Möge Sie glücklich sein, so glücktich, als elend ist Ihr Moritz. X. 8. Ich setze Sie znnl Universalerben meine» ganzen MobilarS ein." Bärchen trocknete sich de» Schweiß von der Stirn »>«d murmelte: „Dummer Mensch, jetzt hätte er All«» überstandeu gehabt, da brennt er durch. Dummer, dumnier Mensch! Er kennt alle Leute so gut. er weiß, daß ich nicht döse bleiben iverde, schreibt einen Brief an mich und läuft doch in -lacht und Nebel davon. Doch ich habe einmal kein Glück «it dem Schadchengeschäst, e» ist bester, ich fange etwa« Andere» an. Ruit, da der arme Doktor in die weit« Welt gegangen ist, gehe ich auch, meine Krankenwärterstell« hat so aufgehört, da der Frosch sich ait« dem Mgr gemacht zu haben scheint. Hätte ich der arnien Bertha erst den neuen Schlag beigebracht, meii« Golk, die kommt doch an« dem Unglück gar nicht heran». Bärchen« Jdeengang wendet« sich hier der Familie Deermoore zu, und er stand rasch auf, um zu sehen, wie e» in Deermoore« Hause stand. Der Erbe von Moritz'» Hinterlassenschaft erhob sich, betrachtete alle Möbel genau und murmelte bann: Ist gerade genug, um einen Korb mir Kuddelmuddel dafür anzuschaffen. Dann schloß er Fenster uno Thür und begab sich nach Houstenstreet. » » * Al» Bertha zur Besinnung kam, befand sie sich in ihren Zimmer aus dem Lager. Die Fenster waren dicht verhängt, und ein magische» Dunkel herrschte in der Stube, da« sie die Gegenstänve nicht »nterschciven ließ. Ein Gefühl unendlichen Wohlsein» durchbebte ihren ganzen Körper, sie erinnerte sich eine» schweren beängstigenden Traume», deffen Sinzelheiteu ihrem Gedächtnisse entschwunden waren, nur hatte sie de.« wohlthuend« Bewußtseiu, da» un» alle beim Erwachen au» bösen Träumen überfällt, daß Alle« nicht wahr sei. Gott sei