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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1873-01-01 · 4. Jahrgang Nᵒ 28. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
4 (1873)
Issue
4. Jahrgang Nᵒ 28.
Date
1873-01-01
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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— 221 des Fürsten selbst, welcher seine Würde einmal ausdrücklich als Amt byeichnete. Taruapol, 2. Juli. Zu Ehren des Directors der hiesigen israelitischen Hauptschule, Herrn Michael Perl, welcher am 13. d. M. seinen siebzigsten Geburtstag begeht, findet hier an dem gedachten Tage eine Schulseierlichkeit statt. Herr Perl ist der würdige und verdienstvolle Eobn jenes Männer, welcher im Jahre 1813 di« erste deutsche Schule für Juden in Galizien hier gegründet und sein ganzes Leben hindurch sür dir Verbreitung der deutschen Cultur unter den galizischen Juden unermüdlich gewirkt hat. Den stampf mit der jüdischen Orthodoxie, den sein Vater unerschrocken ausgenommen, setzte Direktor Perl, der seit ungefähr vierzig Jahren die israelitische Hauptschule als Direktor unentgeltlich leitete, niit Ausdauer fort, obwohl seit Beginn der Goluchowskt'schen Aera die hiesigen Organe der Regierung stets auf Seite der Orthodoxen stehen und die deulschgebilbeten civilisirten Israeliten ihre» legitimen EiufluffeS auf die Gemeinde- und Schulverwaltung rhunlichst zu entkleiden streben. Daher ist es begreiflich, daß Regierung unv Genieindevorstand die deutsche Hauptschule der Juden mit nicht besonders günstigen Auge» anseheu, und daß die Schule nur der Opferwilligkeil ihres Direktors ihr wachsendes Gedeihen und ihre Bergiößerung verdankt. Namentlich ist die vor ungefähr zehn Jahren mit ihr in Verbindung gebrachte Mädchenschule, die auch auf die materiellen Verhältnisse der armen jüdischen Bevölkerung wohsthälig einwirkl, weil die Mädchen in den gnt^ bezahlten feine» weiblichen Handarbeiten unterrichtet werden, ganz da» Werk de» Direktors Perl und seiner nuninehr verstorbenen Gattin. Wir wünschen aufrichtig, daß der um die deutsche Bildung nnd Aufklärung der hiesigen Judengemeinde so hochverdiente Mann, dessen deutsche und streng verfassungstreue Gesinnung sich auch während der vorherrschenden polniche» Strömung der letzten Jahre gleichgeblieben ist, und die nun iuimer mehr zu Ehren kommt, noch lange in der bisherigen Weife und mst dem bisherigen Erfolge fortwirke. (N. F. P) A»< de« Magyarcureich. In einem offenen Briefe an den Odergespau des PreSdurger ComitatS erzählt die Redaktion de» „Westungar. Grenzbol." der EomitatSbehörde folgende Geschichte, die sich in ihrem AnitSbereiche zugetragen: Im Dorfe Bnr-Szrnt-Peter bricht am 27. Juni, Abends 10 Uhr, ein Feuer auS. Rur ein Haus brennt. ES ist das HauS des „Juden wirtheS" Jacob Reich. Der „Jude" stand bereit» wiederholt in Gefahr, fein Hau» zu vertieren Schon zweimal entdeckte er verbrecherische Borbereitungsmastregeln, um da« Hau» in Brand zu stecken. Reich bat den „Richter", die OrtSwache zu verstärken. Achselzucken war die Antwort. Da kam jener Abend. Das Dach loderte plötzlich in hellen Flammen auf, eben zu einer Zeit, als der Wirth, seine Frau und die Kinder schliefen. Furchtbar erschreckt eilen die Faunlicnglieder zunl brennenden Hause hinaus; kaum sind sie im Freien, so entdecken sie, daß ein stind vergeffen wurde. Der Vater will zurück, das stind zu rette», doch er kann nicht. Die Bauern haben schon das Gebäude umstellt, und Niemand darf retten, helfen, auch der Vater nicht. Mil Hohngeläch:er wird er zurückgewiejen, und un> keine Augst dem Unglück.ichen zu ersparen, wirst man noch Bränoc in das Ziminer. Zum Glücke war cs nicht gedielt, die Erde fing nicht Feuer. Was der alte Vater nicht vermochte, versucht ein junger Glaubensgenosse. Er durchbricht die Bauernkette, aber bald haben ihn kräftige Hände ergriffen und drohen, ihn ins Feuer zu werfen, weil er helfen will! Doch Andere waren noch etwas einsichtig und trugen ihn von der Unglückssiäite unter Spottgeschrei weg. Da» gnädige Geschick waltete über dem Kinde; es wurde trotz der Ruchlosigkeit der Bevölkerung gerettet, denn die Flammen drangen nicht in das Innere des Hauses. Und der Ortsrichter? Die Sicherheitsbehörde? Der Herr schaute, gaffte — lächelte!" So der Bericht. Wen» er nur zu einer Hälfte Wahrheit enthält, so ist er geeignet, die ungarische Regierung zur strengsten Untersuchung aufzusordern. BrandeiS. Der R. F. P. theilt ein „Abonnent" folg. Borf. mit: Am 2. Juni wurde der allgemein höchst geachtete nnd in seinem Berufe rastloS Ihätige Herr D., seit mehr denn 50 Jahren prakticirender Arzt unserer Stadt, gelegentlich der Ausübung seines Berufes von einem Schlaganfall gerührt, welcher traurige Vorfall in allen streistn unserer Stadt die tiefste Theilnahme machrief. Von zw« . Personen in das nächstgelegcne Haus des Israeliten Herr» st. gebracht, wurde dem Kranken sofort die aufmerksamste Pflege und ärztliche Hilfe zu 2heil, und von dem ordinirenden Arzte die Verfügung getroffer, da» der bewußtlose Patient vorläufig daselbst verbleibe, da s:in Zustand deffen Uebersührmig rach feiner eigenen Wohnuag unniöglich machte. Kaum drang die Hiobspost von dieseui Unfälle zu «einer bestürzten Gattin, als sich nebst mehreren anderen Besuchen der hiesige Capan Ebenstrest einsanv und, athemlos »n die Wohnung stürzend, mit unerklärlicher Hast und ungestümen Worten nach dem Patienten fragte. Verständigt, wo sich derselbe befinde, fcrdcrte der um dar Seelenheil des Kraulen so sehr besorgte Ciplan die Frau auf, ihren Gemahl nicht im Hause eines — Jaden zu lassen und deffen Ueberfuhrung in ihr HauS zu veranlagen. Der würdige, eifrige Priester stellte die Gefahr seines obgenannten Bedenkens weit über jene, welche mst dem Transporte eines so schwerer Patienten verbunden sei. Mil sonst ungewohnter Bereitwilligkeit bot er den Wagen des Dechant« an und wiederholt« fortwährend dieses Verlange» in so hartnäckiger Weise, daß cc> de, energischen Intervention einer anwesenden Dame bedurste, um die ohnehin verzwetflungsvolle Frau D. vor weiteren exaliirten Reden des Hei en Caplaos zu schützen. Diese- Vergehen des Herrn SeelsorgcS erhält vielleicht einige Beleuchtung durch die Thalsache, daß vr. D. ein — getaufter Jude ist. Frankreich. Paris. (Monats-Bericht der Alliance -JSr. Un. für Juni.) Zu dem Protokoll der vorigen Sitzung trägt Herr Derenbourg, anläßlich der beschlossenen Verwenvung beim Sul an für die Juven in Jemen, nach, daß man in die betreffende Eingabe die geschichtliche Notiz einflechlen möge, wie schon 1569 der Einzug der Türken in Jemen von den dortigen Israeliten freudig begrüßt und von guten Folgen für sie begleitet gewesen sei. Er wird die genauen Belege nachliefei n. — Neue Mitglieder sind angemeldet: 83 (darunter aus Deutschland 30) — Ein Somit, in Frankfurt a. M. bat sich unter Vorsitz des Herrn Direktor Baerwald neu constituirt und hofft Propaganda machen zu können. — Herr Oberrabb. Kr. Woiff in Copenhagen erwiedert auf eine Anregung von Sein» des Centr.-Coniites, daß Dänemark nur 3000 Juden zähle. 1866 seien gleich wohl bereits 239 Mitglieder der Alliancc daselbst gewesen; Norweg.'n zähle nur etwa 50 Juden, darunter 10 Mitglieder der Minner. Er werde dennoch nächstens eine Versammlung berufen, um noch mehr Theilnehmer zu werken. — Aus Tanger wird gemeldet, daß der Kaiser von Marokko, auf Verwendung der Coniuln von England und Frankreich, einen neuen Firman erlaffen habe, welcher jede Verfolgung >>er Inden des Landes verbiete. Der französische Gesandte in Marocco, Tiffot, bestätigt diese Nachricht; er hat dem Herrscher persönlich wegln einiger jüngst oorgefallenen Ausschreitungen Vorstellungen gemacht, und der Sultan hat versichert, daß die Schuldigen bestraft werden sollen, und daß es sein fester Wille sei, die freie Religiosnübung der Israeliten zu schützen und seine Beiörden in diese.., Sinne zu instruiren. — Er folgen Berichte und Beschlüsse in Betreff der Schulen in Adrianopel, Bagdad, Schumla, Rustschuck, Jaffa, (Stakt, nicht zu verwechselt mit der Ackerbauschule bei Jafä), Lariffa, Philippopel, Salonichi, Smyrna, Tanger und Tetuan. In den beiden erstgenannten Schulen haben große, 'ehr solenne öffentliche Prüfungen stattgekabt; wir bringen im nächsten Bl. Einzelheit«» darüber. Für die Schule in Schumla soll ei» Lehrer der türkischen Sprache angestrllt werdm; die Re-

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