Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 4 (1873)
- Issue
- 4. Jahrgang Nᵒ 28.
- Date
- 1873-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
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— 220 — München, r». Juli (0r.=5orr). Vor 4 Wochen starb bier Herman Bernau, kgl bayer. Generalconsul, Ritter deS kgl. baner Verdienstordens vom heiligen Michael, de» kgl. spanischen Ordens Isabel der Katholischen und Commandeur des lunistsche» Jfukar-Ordens, im 5,8. Let>etisjahr — eine 'Persönlichkeit, welche jciner Zelt in politischen Kreisen Euro pa's und besonders Griechenlands viel Aufsehen erregte und bei den Anhängern der bayerischen Dynastie in Griechenland noch in unvergänglichem Andenkcm steht. Derselbe war Israelit und wurde unter vielseitiger Theilnahme auch Seitens der Staatsbehörden auf unserem Gottesacker beerdigt. Die raschlebcnde und an gewaltigen Ereignissen so reiche Neuzeit hat freilich das Andenken des ehemaligen Griechentönigs aus dem Hause Willelsbach, wie vielmehr daS eineseiner treuen Dienet und Anhänger fast verwischt, und so wird der Name Hermann Bernau, der überhaupt nur in den Kreisen derPhilhellenenund deS bayerisch griechische» Hofes, wie freilich auch nur zu gut in denen der Feinde König Otto's bekannt war, den Lesern d. Bl. fremd sein. Die A. A Z. vom 22. v. Monats (außerordentliche Beilage) widmet ihm einen ausführlichen Nekrolog, aus dem jedoch, der Tendenz d. Bl. geuiäß, nur das rein Persönliche erwähnt werden mag. Ein Eingehrn auf die Regnrungsgeschichle König Otto's und die Parleikänlpfe Griechenlands, in welche Bernau vielfach verflochten war, würde hier nicht am Platze sein Bernau war 1815 in München geboren, folgte 1834 scineul Baker, der ein Geschäft in Athen gegründet hatte, dorthin nuv spielte dann von 1854 ad bi» zuin Ende der bayerischen Dynastie in Hellas, 1862, eine politische Rolle; kurz vor der Caiastrophe war die Leitung der Angelegcnheilen einen Augenblick in seine Hand gelegt, dafür wollten ihn die extre nren Gegner König Otto's sogar zum Tode verurtheilen. Er war dann bayer. Generalconsul in Triest, bis dieser Posten 1871 auf das Reich überging, worauf er sich in München ilrederließ und daselbst starb. „Seine poetischen Gegner (schließt der erwähnte Nekrolog) können:hm die schuldige Achtung nicht versagen, wie seine Freunde ihm eine bleibende ehrenvolle Erinnerung treu bewahren werden." Oe-errel<b. Wien, lieber die orthodoxen Cultussteuer-Verweigerer schreibt die „R. F. P.": Jüngst ist von Zwistigkeiten gemeldet worden, welche wegen Erhebung der Eultnssteuer zwischen der hiesigen israelitischen Eultusgemeinde und einigen Gemeinde- Mitgliedern ausgebrochen sind, und daß gegen letztere, da sie die Zahlung stets und entschieden verweigerten, die gesetzlichen Zwangsmaßregeln angewenvet wurden. Gegen die zu Gunsten der israelitischen Gemeinde gefällte Magistrats-Entscheidung recurrirten die Eteuerverweigerer an die Statthalkerei, und als hier das erste Ertenntiuß bestätigt wurde, brachten dieselben Len Gegenstand zur Austragung au das Ministerium für Culius und Unterricht, um eine principiclle Entscheidung herbeizuführen. Das Ministerium hat nun von der Statthalterei ausgesprochene Bestätigung der Verfügung des Wiener Magistrats als legal erklärt, „weil die Zahlungspstichl der Betreffende» nach De« §§. 3, 5 und 7 des zu Recht bestehenden Statutes der israelitischen Eultusgemeinde in Wien außer Zweifel steht". So lange dieselben Israeliten bleiben und in Wien wohnen, gehöre» sie gesetzmäßig zur israelitischen Eultusgemeinde; nur mit dem Austritt aus dem Juden lh um hört die Gemeinde-Angehörigkeit auf. (Tont rowuie chez nous! Vgl. unter „Berlin"!) « Lemberg, 6. Juli. (Qr -Eorr.) Der Verein „Schomer Israel" längt an, nach und nach seinem hohen Beruf zu entsprechen. Drei Jahre und darüber verstand ei das frühere Präsidium, welches nicht an des Vereines Wiege gestanden, denselben in eine unselige Scmnulenz einzulullcn, der gar bald die Lethargie gefolgt wäre. Jede Aciion, und wäre sie noch so sehr den» Vereinszwecke entsprechend, wurde durch manchetlei Rücksichten vereitelt. Anders gestaltet es sich gegenwärtig. Wenn auch nicht alle „egoistischen Hindernisse" geleugnet werden könne«, hat man doch!« ju allen wichtigen und ernsten Fragen Zeit. Außer den vielen inneren Landesangelegenheiten. bat der Verein an Abwesenheit feines Präsidenten beschloffen, für die rumänische» Glaubensgenosse,, beim Fürsten Karl von Rumänien vorstellig zu werden. Dieselbe Angelegenheit nur in anderer Form, wurde vor wenigen Monaten von einer Generalversammlung, bei der jene „schlafenden Politiker" und Weisen anwesend wareil, mit ihrer Hilfe von der Tagesordnung abgesetzt. ES verdient daher dieser Besch uß, namentlich die Ausführung desselben durch die Herren Ländesadookaten I)rvr. HönigSinan, Landesbcrger und der zufällig in Wien anwesende Dr. Kohn, umsomehr Hervorgeboben zu werden, da hiedurch die Bahn gebrochen wurde, auf welcher die Gem.-insamkeit unserer Glaubensgenossen der entferntesten Theile der Well mit u»S zu jeder Zeit und in jedem Falle documentirt werden wird. In diesem Sinne ivird man im Vereine „Schomer Israel" nicht nrehr zurückschrecken, wenn man mit einem Anträge heroortrelen wird, für unsere hartbedrängten Brüder in Persien eine gleich- Manifestation in Scene zu setzen. Lemberg. Die in vorstehender Eorrespondenz erwähnte Adresse des Vereine» „Schomer Israel" an den Fürsten Karl von Rumänien ist im „Lentb. Jsr." abgedruckt und folgender Bericht über den Enrpfang der Deputation hinzugefügt. „Die Adresse wurde heute (29 Juni) dem rumänischen Minister de» Aeußeren Sr. Excellenz Herr» Boeresco üb.rgebru, welcher die Deputation sehr freundlich empfing, und dieselbe (in französischer) Sprache versicherte, daß die jetzige, der liberale» und gemäßigten Partei angehörige Regierung von den besten Intentionen beseelt sei, in jeder Richtung beruhigend einzuwirken, und die Stellung der dortigen Juden zu verbessern. Seine l^cellenz legte jedoch Gewicht darauf, daß die auswärtigen Glaubensgenossen auch ihrerseits beruhigend wirken, und nicht die bedauerlichen, in Ruuiänien oorgekominenen Judenhetze» nit einer Zeitungshetze gegen die rumänische Ration erwie der» möchten, welche der Regierung ihre Ausgabe im höchsten Grade erschweren würtn. Hierauf wurde die Depulalioit von 2r. k. Hoheit dem Fürsten selbst in mehr als h ilbitündiger Audienz eiupsauge», und legte Se. k. Hoheit eine wahrhaft liberale, von jeder religiösen Intoleranz entfernte Auffassung an den Tag. Der Fürst erkannte vollkomnttn an, baß die ruuiänischen Juden ein nützliches Element im Lande seien, konnte aber doch nicht umhin zu bemerken, daß eS wünjchenswerih wäre, wen» bu zahlreichen orthodoxen, großentheils aus Rußland cingewanderten Juden sich ihren Mitbürgern mehr annäher» wollten. Betreffend die bekannten Spirituofen-Gejetze, erklärte der Fürst, chne einer Beschränkung des Branntweiuverbrauches überhaupt, durch hohe Besteuerung und Verminderung der Dorf - Schenken in den Dörfer« auf je Eine in jeder Ortschaft geneigt zu sein,(?), welche Eine Schenke immer nur einem VertrauenSmanne t«r Gemeinde übergeben werden solle; übrigens enthalte selbst das von den Kammern angenomniene Spirituosen - Gesetz nur die Ausschließuag von Ausländern vom Ausschanke, und zwar bloß auf dein flachen Lande, nicht in de» Städten; das Wort „Jude" komnie dort gar nicht mehr vor, obschon allerdings Mitglieder dieser Glaubensgenossenschast davon häufiger betroffen würden als Andere. Im Uebrigen legte Se. k. Hoheit in dieser Unterredung auch viele Theünahme und lebhaftes Verständniß bezüglich nalionai-ökonomischer Frage» an den Tag, und beklagte endlich mehrfache Vorkommnisse bei den runiänischen Geichworcnengerlchten, welche durch Begnadigung sanirt werden mußten. Auch hier jedoch wurde der Deputation der Rath erlheilt, jede Aufreizung hintanzuhalten, da eine solche schon einmal — bei der Beschlußfassung über die rumänische Eonstitulion — schädlich gewirkt habe. Bemerkenswerth erschien endlich der nicht vornehm herablassende, sondern schlichte und nahezu vertrauliche Ton, in welchem die Unterredung geführt wurde, und die Ausdrucksweise