Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 4 (1873)
- Issue
- 4. Jahrgang Nᵒ 28.
- Date
- 1873-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
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— 248 — Verbündeten stimmten. Da« religiöse Vorurlhen ^ar eben starker als der Einfluß der Führer. Ganz dieselbe Erscheiimng wiederholt sich jetzt. Von Seiten der Polen «ird der Ruf »ach einem tovipremiß mit den Inden laut, bet den Ruthenen Mieder erhebt bin ytfktä seine österliche Stimme für eineu Ausgleich mit den Polen, das jüdische Leatroi-Watzlemnite „hangt und b«Pt in schiebender Pein." Ueberdll Unentschiedenheit und btinge Üikftltschfofse»- deit bei Ruthenen und Judeit und volle Ausnutzung der Situation durch die Polen, welch«, wohl wissen, daß ihr Urdergewicht nur aus der Uneinigkeit der beiden anderen Elemente beruht. Angesichts dieser Lage der Dinge ist den Wahlen in t'lalizien kein günstiges Prognostikon zu stellen s aber man. kann mit vollen» Rechte sagen, dag au dem Tag«, wo der polnische Verstand den Äleinmuth der Juden uud das Boruriheil der Rurheneu überwunden habe» ivird, wo Selbstbemußlfein auf der einen und Aufklärung «ruf der anderen Seite den leitenden poliiischen Motiven unterstützend zur Seite stehen werden, daß an diesem Tage die Verfassung in Galizien feste Wurzeln fassen und die Wahlen im verfassungstreuest Sinne ausfallen werden." Wir knüpfen hieran die nachfolgenden, dentselben Bl. entnommenen Nachrichten über den Berlauf der Wahlbewegung. Lemberg. Durch das Hervorheden der Verfassungstreue in dem (in vor. Rr.) mitgetheilten Wahlaufrufe, weichen das jüdischeCentral-Wahlkomite in Lemberg an alle iSraelrtifchen tllrmeindevorstände versendet hat, sind alle versuche, auf dem Eompromißwege di« Juden Galizien» in da» Schlepptau de« polnischen Wahlcomite'S zu nehmen, gescheitert. Die Juden können nun mit Ulrich Hutten rufen: „Wir haben «S gewagt". Eie haben allerdings den Zom des Pan DobrzanSki auf sich gelenkt, und auch da» hiesige '„Vaterland" und der „VokSfreund" haben eS nicht an zarten Andeutungen fehlen lassen, daß das selbstständig« Vorgehen der Juden Galizien« da« Signal zu einer Judenhetze geben könnte. — Das jüdisch« Eentral-WaPromite in Leniberg hat außer lim Wahlaufruf noch rin von großer Umsicht der betr. Leiter zeugendes Aktionsprogramm entworfen. — Die von der „Gazeta Narodowa" gebrachte Nachricht, daß die meisten und hervorragendsten Mitglieder aus dem israelitischen Central-Wahlcomite bereit« «»»getreten sind, muß als vollständig erfanden bezeichnet weiden. Rur Dr. Fried, dessen Bemühungen um das Zustandekommen eine« EompromiffeS mit dem polnischen ostgalizisch« , Central-Wahlcomüe scheiterten, sah sich in Folge de« Mißlingens seiner Bestrebungen veranlaßt, dem Obmann 0r. Julius Äolischer seinen Austritt aus dem israelitischen Comite c.nzuzeigen. DaS Eeutral-Comite wird sich wohl über diesen nichts weniger als unersetzbaren Verlust zu trösten wissen. Die undankbaren Glaubensgenossen des Herrn 0r. Fried haben bisher dessen „Verdienste" nicht zu schätzen gewußt; vielleicht wird nun jetzt Herr Johann DobrzanSki diesen neuen VaterlandSretter niit einem Mandat belohnen." Wir lassen nach diesen Auszügen auS dem gelesensten politische» Blatte in Oesterreich nunmehr unfern Correspondeaten über diesen Gegenstand reden. U > A, zogen, der aber leider noch nicht radikal genua ist, um alle jene schädlichen Elemente zu beseitigen, di« «n so überall» Mbitzen Moment §es»hrd« könnten. E» darf nicht unerwilhnt bleibe»,, daß wir lcSrr nicht viele Miiiner in unserer Mlt, zähiM, Ä betzdn pölMche Trenr i* Hauptgrundton in ihren Thaten bildet, noch weniger Männer, die ehrlich genug wären» ihr Interesse, gerade eickNal auS -hem Auge' zu setzen, wenn eS flch barifift handelt, fifr die Gesamtheit ihrtr Stammesgenosscn zu wirken. Wenn wir da« Centralwahlcomite einer nähern Analyse unterjichen. sind die Einen wie die Andern, mit nur geringer Ausnahme — uneigennützig und nur auf die gute Sache binarbeitenb. Die Einen verfassen ein schönes Programm, welche» sie gewiß nicht abhalte» wirb, auf eine Transaktion in gegnerischem Sinn einzngehen; eine andere Partei—oder «igenliicheinig« homuneult— gebärde» sich polnisch, damit die polnischen Organe ihren Patriotismus weit und breit verkünden, um seiner Zeit irgend ein Ehren- oder sonstige« Amt als treue Söhne des Vaterlandes zu erhalten. _ Diese komisch-politischen Jviigleurs treten somit auS dem ihnen zu antinational scheinenden 8omite au», mit dem 'Bewußtsein, däfßr eine btft Phrase gedroschen zu haben. In einer derartigen Eitttation ist da» einzig radikalste Mittel, da« Wahre vom Falschen zu unterscheiden — die Stimmung de« Volke» mit gesundem, nicht diplomirtem Menschenverstände! Nachbemerkung der Redaktion. Wir hatten vor ulehreren Wochen einen Bericht von dem Hrn. Verfasse^ dieser Correspondenz erhalten, worin über Lauheit, Unzuverlässigkeit und Egoismus mehrerer, nicht benannter, aber in Icxu gewiß bekannter, Mitglieder de« Verein« „Sch. J«r." in Beziehung auf die politische Parteistellung und die bevorstehenden Wahlen geklagt worden war. Wir legten den Artikel bei Seite, um nicht un» ganz unbekannte Personen zu verletzen, und um nicht in österreichisch-politischen und nationaltu, unserm Blatte fremden, Fragen ohne Roth Partei zu ergreifen. Berichte in politischen Blättern zeigten freilich bald darauf, daß die harten Urthriie dr» Hrn. Eorrespondenten vollberechtigt waren. Um «S weder mit den Polen noch mit der Regierung zu verderben, um nicht antinational zu erscheine», — während für die galizischeu Juden gar kein Anlaß vorhanden ist, polnisch-national zu sein — habe» sich einige Inden in Galizien recht jämmerlich benommen. Dag ist der Sach« nach sopuenklar, die Personen sind un» unbekannt. Wir nehmen daher keinen Anstand, den heutigen Artikel zu veröffentlichen. Eine Anklage gegen eine namhaft gemachte Person lassen wir jedoch weg, schon darum, weil ihr Unrecht geschieht. Dem Hrn. Eorrespondenten wie seinen Freunden bemerken wir, daß eS auch in Deutschland, weit weit vom Schauplätze, sehr viele, höchst ehrenhafte, liberal«, ja radikale Männer gibt, welche ehemal« für die „edlen" Polen warme Sympathien hatten, aber längst eine» andern bclehrt worden sind. Es ist seiner Zeit am Rhein uud an der Spree ebensowohl auf Polen toastirt worden wie an der Weichsel. Gar uiancher lächelt jetzt, wenn er sich daran erinnert, aber er schämt sich deswegen nicht. L Lemberg, Anfangs Juli. (Or.-Corr.) Im Schooß« de« EentralwahlcomiteS hat sich ein LäuterungSprozeß voll«