Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 4 (1873)
- Issue
- 4. Jahrgang Nᵒ 28.
- Date
- 1873-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 89% known words query
- IRI
…/5369809-5935020-5935713--1748-5371311- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
M 28. -18<3 s«sr1itisHr ^.Zahrgan^ Wochen-Zchrtfl für die religiösen und soeiale«, Interessen des Jndent-mns. Erschein» jeden Mittwoch. Prri» «ittteljihrNch ‘-2’/, Gro,.k»-n. * nt w »rrtspaltige PttitjeU« »der deren Raun, 2 «ar Beramwörtlicher Redakteur und Herrutgelx r Rabbiner vr. 2i. Trenenfel» in Stettin. -- Magdeburg, 10. Juli 18' ». Z» deptye» »imy alle Buchhandlungen »ad PolianfteNea. Iuserate»«A»nah> ne u>»« vxpedilion der Israelit. Doch, sscbrist in Magdeburg. Inhalt, reit««»« «rttkelr Di« Dahlm in «alizien. — »eetehie ««» »o,i^fp»«den,e«r Deutschland: «eilin. «agteburg. ESIn. Emden. München. — Oesterreich: Wien. Lea.berg. Lemberg. Darnopol.!lu« de« Magyarenrrich. Vranvei«. Frankreich: Pari«. — vroßbritannien: Laudon. London. — Ber»ischte nnd netteste Machrichtenr Berlin. Upsala. Lat Nordamerika. Unsichtbare Fesseln. — Inserat«. Die Wahlen tu Galizien. Unter dieser Ueberschrist bringt die „Neue freie Presse" einen instruirenden Artikel über die Wahlvorgänge innerhalb dieser nach nationalem und religiösem Bekenntniß geschiedenen Parteigruppen, au» welchem wir den die Rolle der galizischen Juden in diesem Wahlkampfe in»Auge fassenden Theil unfern Lesern miltheilen: JU ist bekannt, daß die Juden und Ruthenen Galizien» treue Anhänger der Verfassung sind, weil sie in ihr Schutz gegen polnische Vergewaltigung finden. Dem einfachen verstände war e» daher schon lange nicht klar, warum sie ihren gemeinschaftlichen Zweck nicht auch genieinschaftlich verfolgen. Die Juden find in den Städte», die Ruthenen auf dem Lande bet den Wahlen von au»schlaggebender Bedeutung. Eine Bereinigung Beider ist gewisser Sieg; warum kam diese Bereinigung nie zu Stande? Die Beantwortung dieser Frag« liegt in den eigenthümlichen Vevölkerung»-Berhältnissen diese» Lande» und i» der Stellung, welche die verschiedenen Theile der Bevölkerung gegen einander einnehmen. Sin wunderlicher Zufall wollte <» nämlich, daß die drei Haupt-Element« der Bevölkerung durch alle erdenklichen Schranken von einander geschieden sind, welche Natur und Menschengeist gezogen haben. Sie sind nicht nur.verschiedener Sprache und verschiedenen Glauben»; auch in Folge der gesellschaftliche,» Stellung und Berus»thätigkett erbt sich die Trennung unter den drei BevölKrungStheilen fort. Der Pole ist größerer Grnndtesitzer oder Bcamier, der Jude cultivirt wie allerwärt» da» Gewerbe und den Handel, der Ruthen« gehört zum weitaus größten Theile der bäuerlichen Landbevölkerung an. Zwischen den christlichen Thrilcn der Bevölkerung gähnt eine weite sociale Kluft, die Juden stehen in gesellschaftlicher Beziehung beiden Theile» ziemlich nahe; aber der Klaube, die Abstammung und das Borurtheil haben unübrrsteigliche Mauen» zwischen ihnen und ihren christlichen Mitbürgern aUkgerichtet. Wiewohl also die Juden da» einzige' bürgerliche Element im Lande sind, macht ihre Jsolirthei» e» ihnen nnmögkich, die gesellichasl liche Mission de» Bürgerthum» zu erfüllen, eine vermitleinde Stellung zwischen de» extremen BolkStheilen einzuneb- | men, die auf- und absteigenden Elemente derselben in sch ariszunel,- men, die noch immer feindlich sich gegenüberstehendrn Grund besitzer und ehemaligen Leibeigenen einander zu nähern und so die social zerklüfteten Theile zu einem harmor»scheu Ganzen zu verbinden. Der Abgang jede» anderen bürgerlichen Elemente» aber hält die grundbesitzenoen und die bäuerlichen Ruthenen weit auseinander und muß um so tiefer empfunden werden, a » anch die Juden nach ihrer Beschäftigung und ihren Neigungen nur einem wirklichen vürgerlhirm sich anschließen können. .Ohne jede» bindend« Mitglied siebt daher jeder der drei BevölkerungStheil« mit seinen Wünschen, Hoffnungen und lßesühlen allein und in sich abgeschlossen da. Diese» Nebeneinander der verschiedenen Bolttelemente ohne jeden inneren Contact, ohne jede geistige Wecbselwir'.'ung erzeugt di« abnormen politischen Verhältnisse diese» Lande» und übt insbesondere auf politisch« Wahlen eine unheilvoll« Wirkung au«. Jedem Einsichtigen ist r« klar, daß '»« politische Interesse die Juden auf die Ruthenen hinweist; allein der höhere Bildungsgrad, die hervorragendere sociale Stellung der Polen und die damit verbundenen Machtmi tel äußern eine nicht geringere Anziehungskraft. Andererfeiti können auch die Ruthenen nur durch die Verbindung mit der: Juden ihre nationalen und politischen Interesse« wahren, neil nur dies' sie in die Lage versetzt, dem um sich greifenden Polenthum einigen Wide» stand entgegenzusetzen; aber da» religiöse Boruriheil, welch,» aus niedrigen CivilisationS-Stuien besonders mächtig ist. bildet da» große Hinderniß de» Ans bluffe». Wir sahen in Folg« dessen bei den verschiedenen Wahlen abwechselnd di« Jut,cn oder Ruthenen die unnatürlich,! Verbindung mit den Polen eingcheu. Die Einen oder die Anderen folgte« de» Lock- und Drobrufe», welche au» den Polenlager herüberlönlcn. Eie folgte», weil ihr eigene» Borurtheil sie nicht »vinig t,azu anspornte. Ja, i» einer bede »lenden 6taM OstgalizienS st sogar der Fall vorgekommen, daß zwischen den ruthenijchcn und jüdischen Führern nach laugen Unter Handlungen ,i»e Bereinigung zu Stande kam; am Tage der Entscheidung jedoch sahen fick die ruibei isile» Führer von der Rgss« ihrer Parteigenossen verlasse», weich« in Helle»! Haizse« z» >en Pole.» Übergingen und mit di« en gegen ihre