Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 4 (1873)
- Issue
- 4. Jahrgang Nᵒ 27.
- Date
- 1873-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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— 214 — Betreff aufgefundener Papyrutrollen, welch« ein Kloster in Neapel ausbewahren soll, entbehrt auch der leisesten Begründung, wie mir Profeffor venedetti- Rabbiner der Gemeind« zu Neapel, schreibt. UebrigenS würde ein solcher Fund, wenn er wirtlich geschehen wäre, die Aufmerksamkeit de» Profeffor Mommse«, der erst jüngst wieder in Neapel forschte, bereit» auf sich gelenkt haben. Ilußland. Petersburg. [Sine curiose 6ib«»fotmel.] Für Rekruten mosaischer Consession besteht in Rußland noch heutzutage ein« Eidesformel, die wir in ihrem ganzen erheiternven Wortlaute nach dem „Dziennik PolSki“ hier wiedergeben. „Ich ty szweren baj dem lebedigen Gott Adojnoj Elojhaj Isruajl, az ych wil yn wel dynen dem Russiszen KAJSER KENIG fon Polen yn Zajner KAISER¬ LICHEN HOHAJT dem GROSFYRSTEN CE8ARZE- WICZ ALEXANDER ALEXANDROWICZ TRONFOL- GER yn DEM KAJZEÄLICH RU8SISZEN HERR- SZAFT yn wel folgen alc wues zaj welen mir hajsen lyjn yn der gancer cajt wnes ych wel zajn ajn zelner, yn wel zajn yntertenyg dy Elcte fyn dem chajyl yn nach getraj, azoj wy ich wolt myzen dinen yn jidyszen rhajil cy Iteszermen ynzer hajlig land yn dy hajlige Tojre. Yn majn tyen rajden dyze Szwye, byn ych zy nyt ineszane yn nyt mewatel yn harcen, nor ych tracht azoj wy es trachten dy wues mych fyren cy der szwye, ych hob nyt geret yn wel nyt reden az ych szwer myt der daje, ych zol nyt halten dyze szwye, aklal ych wel nyt zychen yn wel nyt unnemin fyn kajnem ajn ajce oder ajn sposöb az ych zol epes ojwer zaan fyn der szwye. Ober wen ych wel alaju zyndygen oder ych wel mych lozen fyn wemen unrejden yn wel epes ojwer zaan fyn der szwye wues ych tyj szweren haant cy dinen traj in chajil, azoj zol ajn ajbyger flych treten majn nefesz, yn majn gance myszpnche mit mir beriren of ajbig, Omain.“ Für die Unkundigen sei bemerkt, daß diese seltsame Sprache jüdisch-, deutsch- und polnischen Dialekt vorstellt, und in'» Deutsch« übertragen etwa wie folgt lauten würde: „Ich thu' schwören bei dem lebendigen Gott Israels, „daß ich will und werde dienen dem Russischen Kaiser, Körnig von Polen und Sr. Kaiserlichen Hoheit dem Großfür- „sten Cesarewicz Alexander Alexandrowicz Thronfolger und „der Kaiserlichen Ruff. Herrschaft, und daß ich Alles fol- „gen werde, was sie mich werden heißen thun, während „der ganzen Zelt da ich ein Söldner sein werde, ich werde „unterthänig sein den Vorgesetzten beim Heere und auch ge- „treu, als ob ich diente in einem jüdischen Heere, zu beschir- „men unser heilig Land und die heilige Thora. „In meinem Allssprechen dieses Schwurs ändere „und hebe ich nichts im Herzen auf, sondern ich denk so „wie die denken, die mich zum Schwur führen; ich habe „nicht gesagt und werde nicht sagen, daß ich schwöre mit „dem Gedanken, ich solle nicht halten diesen Schwur — „kurz ich will nicht suchen und werde nicht annehmen von „irgend Jemand einen Rath, daß ich irgend etwa» von „dem Schwure übertreten soll. „Aber wenn ich sollte sündigen und ich sollte mich „kaffen von Jemand überreden, und sollte etwas übertreten „von diesem Schwure, den ich heute schwöre, treu im Heere „zu dienen, so soff ein ewiger Fluch treffen meine Seele, „und meine ganze Familie mit mir berühren auf ewig. „Amen! Vermischte und neueste Nachrichten. Filehue, 29. Juni. Hr. Rabb. Jsaacsohn, welcher vor zwei Jahren die hiesige Stelle übernommen hatte, hat dieselbe niedergelegt. Dieser Schritt wird in unsrer Gemeinde tief bedauert. ftratM, 22. Juni. In dem Saybuscher Ruhestörung»« und Plünderung»prozeß, über den wir in Rr. 15/16, Jahrg. 1871 aursührlich berichtet, — Einwohner de. Statt Saybulch hatten di« Wohnung de» jüdischen Factor» der dortigen, einem Israeliten gehörigen, Tuchfabrik mit dem Ruf«: Hinan» mit den Juden! gestürmt, Möbel zertrümmert und geplündert; 86 Personen waren der Theilnahme angrkiagt — wurde gestern al» Strafurtheil gesprochen. Der Staatsanwalt hatte Strafen von vier Monaten schweren Kerker» bi» zu drei Tagen Arrest beantragt. Der Gerichtshof verurtheitte 80 Angeklagte zu Strafen von drei Monaten schweren Kerker» bis zu vierzehn Tagen Arrest nebst Ersatz der Gerichtskosten. Der Beschädigte (A. Lion) wurde mit seinen Entschädigungsansprüchen auf den CivilrechtSweg verwiesen. Lemberg, 28. Juni. Zum Bürgermeister der Stadt valigrod wurde der verfaffungstreue JSraelit Joseph Weitmann von Juden und Ruthenen gewählt. Paris. Hr. Prof. Ad. Franst hat seine Demission als Mitglied deS Central-ConsistorinmS zurückgezogen. i Bordeaux, 28. Juni. Gestern Rächt ist unsere große Synagoge bis auf den Grund niedergebrannt. Loudau. Sowohl der Board of Deputier wie die Anglo- Jewisch-Affociation haben dem Schah durch eine Deputation Adressen überreicht. Führer und Sprecher der ersteren war Sir MoseS Montefiore, der letzteren Mr. Julian Goldsmid. Bukarest, im Juni. Ein an sich unbedeutender Factum verdient als charakteristisch erwähnt zu werden. Die officiellen oder officiösen Organe der runtänischen Regierung unterlaffe» bekanntlich, so oft, oder so fetten, sie ein von einem Juden begangener oder ihm zur Last gelegtes Vergehen melden können, nie, von allen Dächern die Religion deS Angeklagten zu verkünden. Jüngst hat nun rin Israelit au» Plojecchti, der ehrbare und beweinte LucaS Moser, testamentarisch dem christlichen HoSpital der Stadt ein erhebliches Legat vermacht. Eine der neuesten Nummern deS officiellen Moniteur macht dies durch Dccret bekannt, aber — die Religion de» Geber» wird diesmal mit keiner Silbe genannt. . . (Echo du Dannbe.) Cauea. (Candia.) Eine Correspondenz der „Arch. J-r." thellt mit, daß auf Eandia etwa 800 Juden, und zwar in Canea und Heraclea wohnen. Kürzlich ist eine Commission zur Reorganisirung beider Gemeinden zusammengetreten und hat beschlossen, eine Schule zu gründen. Man hat sich ait die Regierung deS Sultan» gewendet, um für diese Schule eine jährliche Subvention zu erlangen, wie solche den muhamedanischen nnd griechischen Gemeinden m Theil wird. Der Gouverneur Saiset Pascha hat seine Verwendung zugesagt. Unruhen, wie sonst und anderswo zum Osterfeste, sind nicht vorgefallen, im Gegentheile hat der griechische Bischof zu Gunsten der Toleranz gepredigt. Feuilleton. Uufkchtbare Kessel«. (Fortsetzung.) Dreisrtzate» JktyUrt. Ich tix ero«4t imfc schau' »Ich **, Ich ftetz' allein t» vunLeln, «» kr**««, •lct4fU"fl *"* ft"*» Setz ich M« Ctrnu ftfatda. -eia«. Mit den im vorigen Capitel erzählten Begebenheiten haben wir in die Zeit vor der gestörten Hochzeitsfrier znrückgegriffen, wir müssen un» jetzt wieder nach unfern Freunden umsehen. Am längsten haben wir den armen Doktor vergeffen; wir gehen auch in seiner Leidensgeschichte um ein haar Tage zurück.