Mannheim
Compact Memory

Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1873-01-01 · 4. Jahrgang Nᵒ 27. · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
4 (1873)
Issue
4. Jahrgang Nᵒ 27.
Date
1873-01-01
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/5369809-5935020-5935712--1743-5371307
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

— 213 — Xiiltftnftc schleunigst geben zu wollen. Da» Streben unsere» Comite» ist ein solche«, da» jeder ehrenhafte Patriot, weeher politischen Ansicht er tuuner angehören mag, al« ein gerechtfertigt.» betrachten muß, und wir können darum auch mit Zuversicht erwarten, daß Ei« im Angesichte der devo» stehenden Wahlen dasselbe mit Energie und Besonnenheit uuierstütze» werden, damit durch solidarisches Borgehen auf legalem Wege die Wiiusche einer so beventenden Fraktion der Bevölkerung Galizien» realisirt werden." P Au» Mähre», 22. Juni. (vr. weck Eid. Brecher. Nekrolog.) Rur wer de« Lerewigten gekannt hat mit seinen« unvergleichlich edlen Charakter, den ein Kranz von gesellschaftlichen Tugenden und Vorzügen zierte, wie sie selten in Einzelnen sich vereint zusanimeufinden; wer Zeuge gewesen seiner unerschütterlichen Beruf-treue und AufopserungSsuhigkeit, die au» einem Herzrn voll Wärme und Empfindung, au» einem laut.««, von wahrer Relig ösität durchdrungenen Gemüihe entsprang und mit seltener Bescheidenheit sich paarte, wem e» vergönnt war, sein« persönliche Liebenswürdigkeit an sich zu «mpfinven, an seinem belehrenden und herzerquickenden Umgang« sich zu ergötzen, nur der vermag den schncren Verlust zu fassen, de« sie Stadt und besonder« die Gemeinde Proßnitz vor Kurzem erlitten hat. .1 Gideon Brecher wurde am 14. Januar 1797 in Preßnitz geboren und nach der damals herrschenden Sitte in Frömmigkeit und Talmud erzogen. Urspiünglich von seinen Eltern und Verwandten zur geschäftlichen Lausbahn prädeftlnirt, entwand er sich, von einem iuneru Drange getrieben, dem moralischen Zwange, der über seinen künftigen Berus entscheide» sollte, und zugleich dcr fast erdrückenden Umarmung de» einseitig und ausschU. blich betriebenen Talmudstudlnms, um sich profanen Studie» zu widmen. lieber mancherlei Entbehrungen, die, wenn erzählt, unserer studirenden Jugend vielleicht eia ungläubige» Kopfschütteln abuöthigrn würden, vollendete er in Pest seine Gymnasialstudieu, absolvirte hieraus an der dortigen Universität den vorgeschriebenen Cursu», der ihn zur Ablegung de» chirurgischen Examen» berechtigte, welche» er mit Auszeichnung bestand im Jahre 1824. Die medtcintsche Doktorwürde erlangte er erst im Jahr« 1849 rite nach Ablegung einer öffentlichen Prüfung in Erlangen. Schon im Jahre 1825 finden wir ihn in seiner Vaterstadt al« praktische» Arzt thätig und von da ab fast 50 Jahre hindurch, di» einige Tage vor sei,«em Tode, ununterbrochen bemüht, jeden Schmerz zu heben, jede» Lid zu bannen, und da» Elend zu lindern, wo und wie er nur konnte. Tausenden hat er dauernd« Genesung gebracht, in den Hütte»! der Armen wie im Hause de» Reichen war er bis an sein Lebensende mit gleicher Uneigennützigkeit und gleicher Liebe, gleicher Aufopferung und gleicher Hingebung am Krankenlager lhälig, nur daß e» ihn immer drängte, den Armen nicht nur von feinem Weh, sondern auch von seiner Roth wo möglich zu befreien. Tag und Rächt, wo auch imnier man setner bedurfte, fand man ihn zur Hilfe bereit. Eine Lungenentzündung hat seinem segensreichen Wirken ein schnelle« Ente bereitet. Wohl hat hier kein jähe« Geschick, mit rauher Hand plötzlich in di« Rechte der Natur eingreifend, ein Menschenleden in seiner vlüihe geknickt, doch wen, von allen Freunden und Verehrern da» Dahingejchiedenen schiene e« nicht, al» ,väre er immer noch viel zu früh für sie entschwunden, wer hätte nicht gewünscht, daß ihm ein längere« Dasein, ein längere» Wirke» wäre beschieden gewesen? Bon den wiffeuschafllichen Verdiensten Brechers eingehender zu sprechen, uuterlaffeu wir; schon längst hat die Kritik chr Urtheil über dieselben dahin festgestelll, baß der Verfasser des Commentar's zun« Cujari mit den geringen wissenjchastltchen Hilfsmittel«, di« ihm bei besten Absaffung zu tztebote standen, Erstaunliche« geleistet hat, und daß alle seine Arbeiten da» Resultat redlichen Fleißes und nicht gewöhnlicher Sachke»ntnih sind. Wa» Brecher in seiner Vaterstadt zur Verbreitung wahrer Bildung und ächtjüdischen Geiste» gethan, wie er jedes edle Streben mit Math und That, mit Herz und Hanl», mit Wort und Schrift zu fördern sich bemüht hat, wie er junge, anstrebende Talent« mit allen Mitteln unterstützte, ivie ihm di« Hebnng der triftigen und religiösen Interessen seiner Gemeinde am Herzen lag, wie er in treuer Fürsorge ihrer waltete, wird noch lange in Aller Erinnerung unvergissen bleiben. Daß die Gemeinde von Proßnitz in Bezug auf G-isteSbildung seit Jahren aus der Höhe der Zeit steht, daß st: nach allen Seiten hin tüchtige Männer jede« Stande» und lSeruseS entsendet, ist zum großen Theile «in Verdienst des Bereroigten. Mit tiefer, aus richtiger Trauer sah die Geuieinde von. Proßnitz ihre schönste Zierde hinsinken in den Staub; e» b-durste nicht erst der herzlichen, tiefempfundenen Worte de« Rabbiner- Herrn Brüll Im» Kojelein, um die Verdienste or» lheuren Dahiugeschiedeuea Allen vor die Seele zu rusen; es bedurfte nicht erst der ^greifenden Red« de» Rabbiner» von Proßnitz, Herrn vr. Hoff, um die zur Trauer Versammelt:« do: ganze Schwer« de» erlittenen Verluste« fühlen zu lass.Alle waren durchdrungen oo» der Ueberzeugung, daß ein edler Mann Abschied genommen habe für immer, und al« der sein«» Heimgegangenen Vaters würdige Sohn, Herr vr. med. Adolph Brecher, in ewigen, vom Schmerz« eingegebenen, herzerschütternden Worten dem theuren Vater den letzte» Scheidegruß am geöffneten Grab« nachrief, da blieb kein Auge trocken. — Da» Andenken an de» Dahingeschiedenen wird eioig sortleben in der dankbaren Erinnerung der Proßuitzer G:meiild«, die — zu ihrer »ihre sei'» gesagt — nicht erst jetzt, sonder« schon vor Jahren den Ramm ihre» Wohlthäter» mir einer nach ihm benmnten Stiftung verknüpft hat. Möge diese« schöne Beispiel, verdienstvolle Männer schon bet Lebzeiten in solch' würdiger Weise zu ehren und zu belohnen, allgemein« Anerkennung ll»d Nachahmung finden I , Italic«. farau, End« Juni. (Or.-Corr ) Nach eitlem Aufenthalte von fast zwei Monaten in hiesiger Stadt bi» ich nunmehr bereit, i, den nächsten Tagen s. G. «. »mH Turin und Mailand «ich zu begeben. Der Reichlhum der hiesigen Bibliothek ist längst anerkannt, aber immerhin nah nicht genügend erkanitt. Der Begründer derselb,«, ISern-rdo de Rosst, hatte vorzüglich auf die Erwerbung von Bteelhandschriften friner. Fleiß verwe det und eine Sammlung hergestellt, die für diese» Speeialgebiet wohl de» ersten Rang unter allen Bibliotheken einuimmt. Er selbst hat aber, wiewohl man seinen »ielfachen Verdienste« die größt« Anerkennung zollen muß, i» seinen über die Bibliothek veröffentlichten Schriften sehr oft gegen da» Richtige gefehlt. Ich nehme hierbei di« Gelegenheit wahr, di« Erklärung abzugeben, daß ich in den allermeiste« Fällen gefunden Hab«, daß seine Angaben in Betteff der vari&e lectionee aus ganz rrthümlichen Voraussetzung!» beruhe». Ihm galten sehr eft offenbare Schreibsehler al» Variante« im Texte. Dagegen sind von ihm di« werthvollsten Marginalien mit ihren so wichtigen Beiträge« aui> älteren, uns verloren gegangenen Handschriften unbeachtet geblieben. Diese nur in Miniaturschr st g'gebenen Roten zu sanimrln, konnte ich, allerdings nur Mita großem Aufwand« von Mühe und Arbeit und auf Koste r einer Au genentzündunx, von der ich aber nunmehr. Gottlob! wieder befreit bin, durchaus nicht unterlassen. Auch bei>eutrnde Beiträge für di: TexteSlritik des Targum Onkelrs, nns den Schulen von liehardea und Sura stamuiend, kann ich unter anderem schä zbaren Material als Früchte me uer hiesigen Studien bezeichnen. Die Freundlichkeit, mit der man in der hiesiger! Bibliothek sich beeis rt hat, durch die besten ArrangenientS meinen Arbeiten förderlich zu sein, wird mich stets zu großem Dank« besonder» gegrn den auch in Deutschland« gelehrten Krester rühmlichst bet muten Abdö Perrau, verpflichten. vr. A. Berliner. Nachschrift. Die Notiz i» Nr. 22 aus Keicwig in

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.