Mannheim
Compact Memory

Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1873-01-01 · 4. Jahrgang Nᵒ 27. · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
4 (1873)
Issue
4. Jahrgang Nᵒ 27.
Date
1873-01-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/5369809-5935020-5935712--1742-5371306
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

— 212 — Herren Dr. HönigSmann und Dr LaudeSberger, von de« Fürsten Karl von Ruuiänien empfangen. Die Deputation übergab dem Minister de« Auswärtigen, Herrn Boeresco, ein von vr. HönigSmann verfaßte« Memorandum zu Gunsten ter rumänischen Juden, und erbielt von diesem Minister die beruhigendsten Zusicherungen bezüglich de« ferneren Borgehen« der gegenwärtigen rumänischen Negierung in der betreffenden Frage. Hierauf wurde die Deputation von dem Fürsten Karl in mehr al« halbstündiger Audienz empfingen, während welcher sie die Stellung ihrer Glaubensgenossen in Rumänien erörterte und deren Schicksal dem Fürste» an- Herz legte. Auch hier fand die Dtpulalio» dafreundlichste und huldvollste Entgegenkommen und begegnete einer durchaus liberalen Auffassung, selbst in Sachen de« berüchtigten Spirituosen- Gesctze», allerdings aber auch dem Wunsche, die rumänische» orthodoxen Juden selbst möchten daS Entgegenkommen durch Aufgeben so ntancher abstoßenden Eigenthümlichkeitrn in Tracht, Sine u. s. io. erleichtern. Eine ähnliche Aufnahnie hatte auch die am 27. d. M. bei Er. Hoheit erschienen« Deputation der Wiener Israelitischen Allianz, bestehend an« den Herren Ritter v. Wertheimer und De. Kuranda gefunden. (lieber die letztere meldete der Telegraph:) Der Fürst von Rumänien erlheilte heute einer von dem Reichstagsabgeordneten Kuranda geführten Deputation der israelitischen Allianz Audienz, welche eine Abrufe in Betreff der Lage der JSraelite» in Rumänien überreichte. Der Fürst ging in angelegentlicher Weis« auf eine längere Besprechung dieser Frage ein und bezeichnet« dieselbe al« eine der wichtigsten, die ihm zu lösen obliege. Der Fürst versprach, die Deputation auf seiner Rückreise noch eia Mal empfangen zu wollen. B Jmietf, 18. Juni (Orig.-Torr.) Autonomie, die Tochter der Freiheit, hat ihre erweckenden und belebenden Strahlen auch in unsere Gemeind« geworfen, hat auch hier manche« Herz rweitert und manch stummen Mund reden gemacht. Unser Beret« hat in seinem Organe da« Wort mit aller Hast aufgegriffen und sie nachdrücklichft gefordert. Wir hatten Zank tn der Gemeinde, um jene Männer an« Ruder zu bringen, di« un« eben jene» Postulat aller modernen Gemeinde-Statuten zu geben hätten. Wie arg sind wir bi» heute noch enttäuscht! Rach fünfjährigem Kreisende» dahingegangene« Borstand«» und nach bald dreivierteljährigem Brauen de« neuen, unter so vielem Kampf und Krampf geborenen Borstande« — ist bi« heute jene» Statut, «in Embryo, welche« außer den verschiedenen Staubarten im Bureau der h Stadthalterei, de« löbl. Magistrat« und endlich der Gemeinde kein geistige« Nahrungsmittel erhielt, um die Anstrengung de« Zurweltkommen» mit Erfolg bestehen zu können. Wohl wahr, unser neuer Vorstand weiß probirt« Mittel zur Berringerung der Gemeindelasten, denn statt der direkten Eimpelsteuer in der Höhe von so und sovielen Tausenden wird eine neue „Hilfsquelle" geschaffen, welch« die Quelle einer oder beffer zweier neuen lebendigen Steuern geworden ist: die Geflügel- und die Hochzeitssteuer. Schade, daß wir noch nicht eine konfessionelle Hnndesteueer für jeden koscher genährten und aufgepäppelten Hund haben, ein Beitrag, welcher zum Schaden der jüdischen Gemeinde in die Truhe der Gesammtgemeinde flieht! Blickt man auf den Grund jener Verschleppung, so wird gewiß nicht jene seichte Behauptung einiger dem Vorstandsthrone Rahestehenden, daß die hiesige Regierung Hindernisse in den Weg lege, irgend wie verfangen. Wie wir aus verlässigster Quelle wissen, ist die hiesige Regierung übermüd« der unnützen Juden-Kahel Angelegenheiten unv wünscht nicht» sthnlicher, als daß die Gemeinden sich konstituiren, wünscht eine geregelte Verwaltung der Gemeindegüter, der Matriken und dergleichen. Sie will in gar nichts bevormunden und verlangt durchaus kein Statut von 120 §§ oder darüber, das nichts Besseres zu paragraphiren hat, als wieviel einer oder der andere Beamte nehmen soll, wie hoch die Pension rc., Punkte, welche eine gewisse Spekulation -cs Kanzleipersonal» nur zu grell beleuchten. Wir wissen ferner au« eben derselben lauteren Quell«, daß die hiesige Regierung da« Statut nicht annehmen wird und nicht annehnie» kann, bi» nicht im allgemeinen der Borstand di« Wahl einer Statuten-Eommiffio« ausschreiben wird, mit deren Hilfe ein Statut, aber keine „DiensteSpragmatik" geschaffen werden soll. In Erwägung obigen Umstande», in fernerer Erwägung, daß bereit«, wie sich ei» Herr Borsteher diplomatisch auSdrückt, „Ruhe im Hause," di« Ruhe durch Bornahme von Neuwahlen in den Synagogen schon hergestellt wurde, hat di« Gemeinde ei» Recht, darauf zu beharren, daß man ihr einmal eine statuarisch« Basis giebt. Lentßerg, 27. Juni. Die „N F. P." veröffentlicht den vom Central-Wahlcomite der Juden Galizien» angenommenen und an sämmtliche israelitischen Wähler Galizien« zu richtenden Aufruf. Derselbe, gut abgcfaßt, lautet wie folgt: „Die Unterzeichneten, durch Wahl aus der Mitte einer Rotablen-Bersammlung ihrer Glauben»- und Parteigenosse» hervorgegangen, haben sich als Central-Wahlcomite der Jude» in Galizien constituirt, um bei den bevorstehenden, zum erstenmal« stattfindenden unmittelbaren Wahlen in den österreichischen Reichsrath der politische» Ueberzeugnng chrer Mandanten Ausdruck zu geben. Weit davon entfernt, coufefsionell« Interesse» oder wie immer geartet« Sonderbestrebunge» vor Augen zu haben, fühlen wir un» al« treue, gleichberechtigt« Söhn« de« Baterlande«, dessen Wohl wir mit fördern wolle», und al« loyale und treue Bürger de« Gesammtreiche», unter dessen glorreicher Dynastie wir glücklich und zufrieden leben. Wir wollen eia großes, stark»«, einig,« und freie« Oesterreich, da» im Stand« wäre, «ach Außen feine Macht und sein Ansehen kräftig zu vertreten und »ach Innen all« seine Länder und Böller ruhig und gleichmäßig zu immer größerer materieller und geistiger Blüthe auf der Basis der besteh«ude« Verfassung sich «ntfaltei« zu lasse». Wir betrachten di« Grundrechte dieser Verfassung, da« Product de» Geiste« der Freiheit und de« erleuchteten GerechligteitSsini^S, al« heilig und unantaftbar «nd begrüßen di« unmittelbare« ReichSrathSwahlen mit Freuden, »eil wir dieselben für da« geeignetste Mittel halten, di« Gesinnung der Wähler zum unverfälschten Ausdruck zu bringen und die ersehnt« Einigkeit im Staate vollständig wiederherzustellen. Wir wünschen ferner, daß den Interessen und politischen Anschauungen der mehr al« 600,000 Juden in Galizien durch Wahl einer entsprechenden Anzahl von würdigen «nd fähigen Repräsentanten in den ReichSrath Rechnung getragen werde, deren Aufgabe «S fei» soll, am heilsamen Werke der Verjüngung Oesterreich« und seiner Länder auf dem Wege ununterbrochener freiheitlicher und gesetzlicher Entwickelung theil« zunehmen. Wir wünschen diese« besonders auch au» dem Grund«, damit so der Gleichberechtigung praktisch vor den Augen de« Volke» Ausdruck gegeben werde, um dadurch die im socialen Leben noch so vielfältig vorhandenen Schranken und Borurtheile, die de» Geist der Trennung und Absonderung nähren, zum Frommen der Gesammtbevölkerung unsere» Vaterland«» beseitigen zu helfen. Dies« Ansichten und Ziele haben un« bei unserer Constituiruug zum Comite vorgeschwebt und werden 'auf all« uasere Beschlüsse bestimmend «»»wirken. Wir wolle» daher durchaus nicht abgesondert Handel», wir haben vielmehr da» Lind und sein« Interessen al» Theil im Kaisrrstaate vor Augen, und sind gerne bereit, mit Allen, welch« der Fahne der Reichseinheit, der Freiheit, der Gleichberechtigung, de« Liberalismus und de« verfassungsmäßigen Fortschritte» folgen, Hand in Hand für die speciellen Bedürfnisse de» Lande» und di« Interessen des Reiches uneigennützig einzutreten und in diesem Geiste bei den bevorstehenden Wahlen vereint zu wirken. Sie werden demnach höflichst ersucht, im Sinne de» beiliegenden Schreibens unser Comite durch Namhaftmachung von Männern Ihres Vertrauens zu verstärken, sich überhaupt mit demselben zu gemeinsamer Aktion in dem oben angegebenen Rahmen zu vereinigen und alle nüthige» Date» und

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.