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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1873-01-01 · 4. Jahrgang Nᵒ 26. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
4 (1873)
Issue
4. Jahrgang Nᵒ 26.
Date
1873-01-01
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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— 205 — Oesterreich. Aus Galizien. Da« Wahlcomit« der Juden beräth über einen Wahlaufruf, welcher demnächst an die Wähler erlaffen «erden und dieselben zur Bildung von Bezirkr-Wahlcomiiö« auffordern soll. Bon Unterhandlungen de« jüdischen Comitä« mit dem Central-Wahlcomitä ist einfach deshalb nicht die Red«, «eil da« letzter« nicht aufzufinden ist. Wie kläglich übrigen« die Haltung einiger Wortführer de« jüdischen Leutral-Wahlcomiiä« in Lemberg ist, beweist folgend« Zuschrift, welche der „R. F. P " au« Lemberg zugehl: „Der „Dziennik Pozuanski" bringt in der Nummer „vom 18. Juni unter der Rubrik „Lemberg" die Erklärung „eine« Herrn Dr. Schaff, Miglirde« de« jüdischen W.ihi- „comitös, derzufolge Di*. Schaff zur Berichtigung der über „ihn uulliufeuden Gerüchte sich dagegen verwahrt, der Ur- „heder und Antragsteller znr Bildung eine« separaten „Juden ConiitL« gewesen zu sei«; er Hab« vielmehr den „Borschlag zur Bildung jene« ComitöS entschieden bekänipst „und den unter den Juden auSgebrochcnen Separatismus „(?!) ernsilich mißbilligt. Diesem Dementi de« Dr. Schaff „fügt der Correspondeut de» Dziennik Poznan«!! den „Wunsh hinzu, die anderen Mitglieder de« Juden-ComiläS, „Ulein, Vierer, Fränkel, möchten dem leuchtenden (?) Beispiele de« Dr. Schaff und seiner Collegen Dr. Cohn, „Kolischer und Lazarus folgen und sich die separatistischen „Sparren endlich au« dem Kopfe schlagen. Die Dortoren „Cohn und Lazaru» bezeichnet derselbe Correspond,nt al« „die designirten Mitglieder de« GrocholSki'schen Wahlcomitä«, „durch deren Aufnahme die Solidarität der Actio» mit „den Jude» hergestellt würde." Lemberg, Iv. Juni. In der hier gestern unter dem Borfitz« dr« Odmanne« Dr. Juliu« Äolischer ftattgesundenen Sitzung de« Central Wahlcomitä« der Juden Galizien« legte Prediger Löwen st ein namens de« Sub-Comitö« de« Entwuif eine« an die israeliischen Wähler Galizien« zu richte»' de, Aufrufe« vor. Der Ausruf euthält auch da« Action«- Program« de« israrliiiichen Ceutral-Wahlconlilö«, sowie Andeutungen bezüglich der Bildung von israelitischen Bezirk«- ComilÄ. Da jedoch eine Einigung in Betreff der wichtigsten Hauptpunkte diese« Ausrufe« »ichl erzielt werden konnte, so «ußt« die veschlußfaffung hierüber vertagt «erd««. Araukretch. Paris. Wie bekannt, hatte Thier« unmittelbar vor seinem Sturze einen Berfafluagsentwurs eiugebracht, welcher einen Senat einführen sollte, zu deffea Mitgliedern nicht blo« Cardtnäle, wie unter dem Äaiserthum, sondern auch Vertreter der jüdischen Religioargesellschaft gehöre» sollte». Da« Alle« ist nun vertagt. Ader „Arch Jtr." können auch nicht umhin, zu bemerken, daß die neue Regierung, klerikal gesinnt, ja von gewissen Gelüste« nach starker Reaktion und Restauration durchaus nicht frei, von vielen Israeliten mit Mißtrauen betrachtet werde. Mehrere Israeliten seien au« Stellen in der Verwaltung ausgeschieden, aber noch sei keiner seitdem eingetreten. — Di« Juden geben also noch immer, und in Frankreich so Sut wie in Rußland, einen empfindlichen und verläßlichen iarometer für politische und coiiftsfionelle« Wetter und Wind- Wechselung ab. — Im Militärressort bringen übrigen« di« fraazöfisch-jüdlsche» Blätter noch fortwährend Nachrichten über Ernennung, Beförderung und Dccorirung jüdischer Osficiere und Militärbeamteu; doch uiögen di« betreff. Dekrete noch unter Thier« auSgefertigt gewesen sein — „Univ. J«r." knüpft an die Deuiisfion iSraalischer hochgestellter Beamten die treffend« Bcuierkung: „Es liegt hierin aber auch ein« Widerlegung oft gehörter Berlänmdungen. Unsre Gegner haben unaufhörlich unfern GlaubenS- . genoffen Stellen- und Titeljägerei und ein „Sich-Vordrängen" vorgeworfen. Wohlan, hier haben wir hochgestellte J-rneliten, welch« glänzende Stellen eingenommen, all« kostbaren materiellen und moralischen Vorzüge, die mit den Etaat«würden verbnnden siüd, besonders eine« mächtige» socialen Einfluß genossen haben; und dennoch entsagen fir allen diesen, geiälirden vielleicht sogar ihre Zukunft und di« ihrer Familien, weil sie ihren Grundsätzen, Sympathien und persönlichen Zuneigung«!: treu bleiben wollen."' — „Arch J«r." widmen nach kurzer Frist 'chon wieder dem Selbstmord der in höchs'brbaurrllcher Weis« unter den J-raeliten in Pari» „mit immer größerer Heftigkeit zu wü- »hen scheint," einen Artikel. Die Ursachen sind leider in offenkundig, daß man sie nicht zu nennen braucht, e« sind die nämlichen, welc-e m Wien so zahlreiche Opfer gefordert haben. Wir verschonen unsre Leser mit Spccialitäten und mit kletrachtungen, welche s >lbst dem Berblendetsten sich ausdrängen müsse». — Ein Corresp. de«s. Bl., welcher di« Be hältniff« in der Türkei durh langjährigen Aufenthalt genau kennt, macht den Vorschlag, mmänische» Juden die Auswanderung in die Gegenden zwischen der Donau und dem Balkan;u ermöglichen. Da« Land sei fruchtbar und nur eine Tagereise von Rumänien entfernt. In der Türkei sei die Religionsfreiheit gesichert; feit der Vertreibung der Juden au« Spanien habe ihnen die Pforte Gastfreundschaft gewährt. Der Sultan würde den Juden dasselbe gewähren, wa« er den au» Rußland vertriebenen Torturen bewilligt hat: Land und Ackcrbaugeräthe, wofür der Pre .« in 10 Jahren zu bezahlen. — Da« scheint allerdings ein beachtenSwerther Vorschlag zu sein. Großbritannien. London. In der jüngsten Sitzung de« Board of Deputie» ist eine F age angeregt, welche wahrscheinlich noch viel Unruhe in maache Kreise und Gemüther tragen wird. ES betrifft die Zalaffung der Berkeley-Street-Genieiude, d. h.. der vor SO Jcchrrn entstandenen Reform-Gemeinden, welchc noch unter den früheren Oberrabbiner ausgeschlossen, und deren Vertreter seitdem nicht in den Board zugelassen worden sind. Die Debatten sind sehr ruhig geführt, und wurde vorerst beschlofeu, ein Epecialcomitä von S Personen „zur Prüfung der jetzigen Constitution de« Board mit Rüchsicht auf deren Verbesserungen" zu wählen. Wenn man diese Wahl als für die ftätere Entscheidung maßgebend betrachten könnte, so dürfte nian vermuthen, daß di« Gegner der Ausschließung sich in der Majorität befinden. Ruochestr, IS. Mai. Hier wurde der Grundstein zu einer neuen Synagoge für den portugiesischen Ritu« gelegt. Der Oberrabd.ner der Sephardim in London, R Lrtom, vollzog die Feier, Sir Mos. Montefiore und Sir Albert Saffooa waren zugegen. Da wohl seit sehr vielen Jahren im Norden Europa'» kein,! neue sephardische Synagoge erbeut bezw. kein neuer Sitz für den seph. Ritu« gewonnen ist, so ist die Thatsache imuierhiir intcreffant. Icruischte und neueste Nachriihten. verlt», 24. Juni. Der in weiten Kreiien riihmlichst bekannte Geh. San.-Ralh Berled, Chefarzt am jüd.Kranlenhause, Herausgeber e.ner medizinischen Zeitschrift u. m a, ist gestorben. Münchrr. Da« Resultat der jüngsten Vo.kSzählung ergiebt im Körigreiche eine jüdische Bevölkerung von SO,662 Seelen. Demnach hat sie seit etwa 18 Jahren um mehr al» 5500 Seelen abgenommen, was ohne Zweifel durch die so starke Auswanderung nach Anierika bewirkt ist. Vtr». Erzherzog Rainer beabsichtigte auf der Ausstellung da« GupSmodcll des neuen isracl. Blinden-JnstituteS, und li.ß sich dasselbe durch den Curatoriums-Präses Dr. L. Frankl erklären. Der Erzherzog drückte seine befördere Be sriedigung über den vom Sprecher ini Lcl:er gerufenen „Ersten europäischen Blindcnlehrer-Congreß" <3.—fc. August d. I.) au«, indem Oesterreich die Ehre der Initiative in dieser wichtigen Angelegenheit gewahrt ist, da« eben daran geht, zwei neue B inden-Jnstitute zu gründen. Der Congreß, von den ersten Capacilälen beschickt, wird in diesem Falle «in glücklicher Bsirath der Regierung sein.

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