Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 4 (1873)
- Issue
- 4. Jahrgang Nᵒ 26.
- Date
- 1873-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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— 203 — durch Me neuen preußischen Kirchengesetze für die Synagogen- Gemeinden geschaffenen Lage. Dir können Ihnen die Versicherung geben, daß wir nn» (in Gemäßheit be* g 1, Punk 6 *) der Statuten de» Semetndebunde») Mit dieser hochwichtigen Angelegenheit eingehend beschästigt haben und gegenwärtig noch beschäftigen, und hoffen mit den Ergebnissen binnen Kurzem an die Oesfentltchkeit treten zu können. Wir konnten Me Sache nicht einmai al« eine rein interne preußische ansehen, die nn» nicht» angehe. Denn ersten» haben wir auch die dieöbezüglichen Interessen der preußischen Gemeinden wahrzunehmen, und zweiten» steht e» bei de« heutigen Machteinfluß der preußischen Staatsgesetzgebung außer Frage, daß da» Beispiel Preußen» auch auf diesem Gebiete in den anderen deutschen Staaten früher oder später Nachfolge finden werde. Auch der Lösung der noch übrigen Aufgabe (tz I, Punkt»**) haben wir nn» bereit» zugewandl. E» handelt sich hier für und nicht etwa nur um rein theoretische Fragen und Gesichtspunkte, um geeignete Statuten und anderwellige Vorschläge, sondern nm Beschaffung bedeutender Geldmittel, um den durch Abzug ihrer begüterten Mitglieder immer leistungSunsähiger werdenden Mittel- und Kleingemeindcn in der Erfüllung ihrer dringenden Eultur- und Humanitären Zwecke erfolgreich beistehen zu können. Die Raterialsammlungen, Erwägungen und Berathungen in dieser Angelegenheit sind noch in vollstem Gange, weshalb wir z. Z. eine weitere Aeußerung nn» versagen müssen. Sie sehen also, daß wir für jede Aufgabe de» Gemeindedunde» den Anfang zur Lösung, den Grund gelegt haben. Dir wissen nur zu gut, wie da» bisher von nn» Geleistete weit hinter unfern Idealen zurückstehe, wie wenig noch geschehen im Vergleich zu dem, wa» zu geschehen hat. Dir haben indeß auch da» Bewußtsein, da» gethan zu haben, wa« in d/n Grenzen der Möglichkeit lag, nach den gegebenen Verhältnissen au-sührbar war. Dir haben auch die Genugthuung, daß immer neue BettrittSaumeldungen einlaufeu und zustimmende Kundgebungen, uamentiich anläßlich unsere» letzten fikulor« vom 8. April, die Armenpslege betr., nn» zugehen.-* Berichte und Correspoudeuzea. Deutschlaud. Stettin, 83. Juni. In Beziehung aus unser Referat über da« Waiseniustüut zu Schippendeil(im Bericht über WohlthätigüllSanstalten in Nr. 23) müssen wir einen erheblichen Jrrthum berichtigen, der dadurch entstanden ist, daß wir nur einen Au-zug au« dem Rechenschaftsbericht vor un* hatten. Au« diesem selbst ersehen wir nun 1) daß in der Summe der Ausgaben (1560 Thlr.) 473 Thlr. an ausgeliehenen Eapitalien und Eff»cten-Eonto stecken, 2) daß die Autgaben für 1'/, ,)ahr, Juli 1871 bi» Ende 1873, berechnet sind. Demnach lullen sich die GesammtauSgaben für die Erziehung der Waisen nicht nur nicht höher, sondern erheblich niedriger al« in den andern a. a. O. besprochenen Städten. Ferner thellt un» Herr Herrn. Lehmann dahier, den die Vorsteher de« fragt. Institut« um seiner hochherzigen Wohlthätigkeit willen, zum *) .Fürsorge für gesicherten Fortbestand de« etnheiuichen Recht«, verband« der Cinzelgemeinden " »») .Anbahnung eine« einheitlichen oder doch gleichmäßigen System« »er Penfionirung »on Semeindebeamten." Migltede ihre» Loklegtum» erwählt haben, mit, daß z. Z. IS Kinder in dr Astall verpflegt werden, daß ein Hau« für 12000 Thlr. gekauft ist, und daß tu diesem Jahre bereit« namhafte Spenden eingegangen sind: von II. Majj. der Kaiserin Angusta und Königin Elisabeth je Ü0 Thlr., von Hrn. A. H. Heymann in Berlin 2000 Thlr., Ertrag einer Lotterie SOO Thlr., vom vaterländischen Frauenverein 100 Thlr., durch De. Salvendi in Dürkheim ein Legat de» Herrn Heymann ii. Sulzbach SOO Fl. — In Folge der in der Correspondeuz .Thoru" Nr. 23) erwähnten Abschaffung der Mischeberach und Einührung ein,» Gelübdebuchesind wir von mehrere:, Seilen aufgesordert worden, die näheren Modalitäten der drselbst getroffenen Einrichtung mitzutheilen. Da diese auch unfern ganzen Beifell hat, so geben wir die betreffenden Zeilen au» dem Jahre« ,«richte wieder: Die Sitte der Mijchct>erachS ist anfgehoden und da« Gelübdebuch eingeführt worden, welches den zur Toah Aufgerufenen im Laufe der nächsten Woche zur Eintragung und Verlheilung etwaiger freiwilliger Spenden für Me in der Gemeinde bestehenden Wohllhäiigkeitsvereine und A istalten zugesandt wird. Die Namen turjenigen, welche im Laufe de« Jahre« zu den Wohlthätigkeitsanstalten Beiträge gespendet haben, sowie die Höhe der letzteren, sollen in dem Jahresbericht, welchen der Vorstand anzufertigen und gedruckt un die Gemeindeglieder zu oertheilen hat, »»llstäiibig aufgesührt werden. Für unsere Person möchten wir da« Sprechen :ine« Mischeberach, auf bestimmte Casualfälle beschränkt, und nach beendeter Vorlesung allerdings noch beibehalten feh>m (und da« geschieht vielleicht auch iu Thoru), nur da« Nennen der gespendeten Summen bleibe weg und an dessen Stelle trete die Einzeichnnng. Auch w>irden wir empfedlen, daß der Gemeindediener neben dem r>uche zugleich eine Büchse tiberreiche, damit keine Pression gelbt nerde, und derjenige, wtlcher eine Kleinigkeit nicht eiuschreiben nag, seine Gabe in die Büchse werfe, damst er, sei jene noch so klein, dem Gelübde einer Zedatah-Spende genügt. Die allerding« unentbehrliche Veröffentlichung kann in verschiedener Art de, werkstelligt werden, und würde e» wohl rathsam sein, sie zwetmai im Jahre, etwa nach Pesach unt So noch, zu veranstalten. Glagau, 20. Juni. (Or.-Corr.) Unsere Gemeinde hat in den letzte, Jahren eine ganze Reihe bedenkender Männer verloren, dir »heil« noch hier wohnten, thellt. duich Bande der Familie und durch treue Anhänglichkeit en bi« Heimath zu un« gehörten, al» ob sie sämmtlich hier »rillen Innerhalb kurzer Frist entriß un« der Tod Zedner, Lehman», Munk, nn) ihnen ist vor einigen Wochen vr. Joseph Klein, der würdige Rabbiner diese» Orte», t, da«, Jenseii« gefolgt. Diesem Manne war e» wie wenigen gegelum» durch die Lieben«» ürdigkeit und die Schlichtheit seiner Sitten sich überall Freunde zu erwerben; sein anspruchlosr» und bescheidene» Wesen entwaffnete jeden Widerspruch, und selbst die Gegner seimr Ansichten waren bereit, seine Persönlichkeit, seinen biedern und reinen Eharakler anzuertennen. Kein Wunder sonach: daß seine mehr al» dreißigjährige lheologische Wirksamkeit in Etolp und in Glogau eine ( egentietche gewesen ist. Bei seiner Beerdigung folgte wohl säst die ganze jüdische Geneinde und viele distiiigutrte Persönlichkeiten ander christlich«» Bevölkerung dem Sarge; auch »er Trauergottc»dienst, der am zweiten Tage Echabouth seinem Andenken geweiht wurde, erweckte lebhafte Theilnahme. Besonder« rühmenSwerth war seine Thäligkeit für die Armin uni» Leibenden, ai» der;» Vormund und Sachwalter so zp sagen er sich betrachtete. SemüthStiefe und herzinnige Religiösiiit ist auch der ansprechende Schmuck einiger Mchterischen »nd liierarischen Versuche, wi lche er in verschiedenen Kalendern und jüdischen Zeitschriften veröffentlicht hat. Ai» ständiger Mitarbeiter de« „Magazin für die Literatur de» Auslandes-, In« Ocgan» feine» Freunde» Lehmann, hat er viel dazu besisttragen, nicht, jüdische Kreise Wer da« Judenthu« zu untere chten «nd auf-