Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 4 (1873)
- Issue
- 4. Jahrgang Nᵒ 26.
- Date
- 1873-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
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— 202 — *r Punkt 1,*) Gutochten |u tat brfannttn, atzs dfH J^tjfyt!steligtonsunterricht bezüglichen Thesen de» Herrp Advocaten Lehmann in D^eghen erbften und erholen, alch^Aroschüre oeröffentlicht mchantzsr maßgeterchen gsfrüetüris^en ssPse ver- >andt. Der Ech>lg war in!J3tJrp6<if ,ujf HcffeNejHckrmKadt,> vie Ihnen besannt, ein unqfttsltztzrjtr pizh üpräi^ chtagender. Der Gemcinvebund ßat stniit Mt Genngpuung, zum glücklichen AuSirag dieser hochwichtigen Lngeegenheit, die Jahrzehnt« hindurch zu den frommen Wünschen ta jüdischen Gemeinden zählte, entscheidend mitgewirkt m haben. Zur Lusführung des § 1, Punkt % der Statuten**) gaben wir mittelst Rundschreiben vom IS. Februar d. I. die % Z. zweckmäßigste Anregung, deren fruchtbare Consequenzen licht erst weitläufig beleuchtet zu werden brauchen. Die Verwaltung der Gemeinden, von denen die meisten noch keine 'Rechenschaftsberichte veröffentlichen, gewinnt davurch nicht nur an Klarheit und Ueberfichtlichkeit, an Erkenntniß der vorhan-!)cnen Bedürfnisse und zweckmäßiger Verwendung der disponiblen Mittel u. s. w., sondern, waS wir mit dem betr. Eireular zumeist im Luge hatte«, die Semeiude» rücke« durch gegenseitige Zusendung chrer Berichte einander näher, treten gleichsam, belehrend und emvfangend, in ein intime» Verhältpiß zu einander, wodurch eine weitere gemeinsame Grundlage zu einem gegenseitigen Zusammenwirken gechaffen wird, während wir durch Veröffentlichung eines »Auszugs des Mittheilens- und RachahmenSwerthen" dem Linux de» citirten Paragraphen, den gegebenen Verhältnissen entsprechend, Rechnung tragen würden. Selbst «in Circular wie da« in Rede stehend«, läßt sich — Bit verzeihen di« trivial« Bepterkung — leichter lesen als anfertigen, da wir auch hierbei nicht von doctrinären oder schwer zu realisirenden Gesichtspunkten auSgehen konnten, sondern die praktischen Bedürfnisse und di« gegeben Verhältnisse der Gemeinden fest im Luge behalteud, da» unS vorliegende Material demgemäß zu benutzen hatten. Äu» dem un», anläßlich unsere» „Organisations-Entwurfs* zugegangeneu Material ergab sich uns die Ueberzeugung, daß für die Armenpflege vor Allem erst ein« gesunde, feste Basis zu schaffen sei. Um auch für Li« höchst bedeutungsvolle Kategorie der badereisenden Wanderbeitler die nöthigen Informationen zu gewinnen, wandten wir un» (gl^chzeitig nüt unserem Circular an die Fabnkbesitzer wegen Unterbringung arbeitsfähiger UnterstützungSbegehrender) mittelst Rundschreibens vom 2. Januar d. I. an di« CulluL- Vorstände in den Curorten. Das Crgebniß der eingehendsten Erkundigungen und praktischen Erfahrungen liegt in unserem Circular vom 3. April d. I. vor, welche» Vorschläge enthält, die sich, was die Lentralisirang der Localarmeupflege anbetrißt, thatsächlich bereit» in manchen Gemeinden als von den segensreichsten Folgen erwies:« haben. Für die Gemeindearmen wird zweckmäßig aus den vorhandenen Mitteln entsprechend gesorgt, die Schnorrer werden, selbst ohne Zuhilfenahme der polizellichen Gewalt — welche selbstverständlich *) „Datzrmhmu»» aller gemeinsame» Lagelegmheiten i» Bezug auf di« ssieaüich« Rechtestellung der jüdischen Religion »md ihrer Betenner in den deutsch«» Staaten." **) Gegenseitiger »ultausch na» Erfihrnngen in »er Geureindever. maltzmg. fitt af« lUMfta ratio hingestellt Nsurds"- statt ast^kzdse». verscheucht.. Denn durch Beseitigung derHausbettelei, welche uni^ esterum <^»«sg.jstchz^> bleiben muß, dßsch geiMe PrükM der W-rgele^ep ßstbcke, der angegebenst Geiirptzhcke, htztzch ^lbtPfltzpgetz gltztzhi^iger, ausdrückltzß gpf dizfe Bszug.htzßentzer Hegitl»ta<s»eG durch möglichste Beschränkung der Baarunterstützung und Hinweis auf Arbeit ist das Schnorrergeschäft nicht mehr lohnend, uitd die fremden Bettler bleiben allmälich fort; einer sagt'» schon dem andern, daß „kein Geschäft mehr zu machen ist." Diese Erfahrung haben wir hier in Leipzig gemacht, werden un» auch au» anderen Gemeinden, in denen gleich« oder ähnliche Einrichtungen mit gleich umsichtiger Control« und Handhabung bestehen, bestätigt. Aus unserer ganzen Nachbarschaft macht sich bereit» eine bedeutend« Abnahme der Frequenz seiten» der Wanderbettler bemerkbar. Werden die vorgeschlagenen Einrichtungen in den deutsche» Gemeinden erst allgemein, sehen die Echnorrer, daß mau ihren falschen Vorspiegelungen, ihren KrankheitSsimulirungen u. f. w. nicht mehr glaubt oder traut, nicht mehr gewillt ist, ihre» Hang zu« Müßiggang uud zur Bettelei blindliug» eutgegenzukommrn, so nürb ihr Besuch nach und nach auf eia Minimum reducirt. Freilich haben die gemachten Vorschläge zur Voraussetzung, daß in jeder Gemeinde wenigsten» eine Persönlichkeit sich finde« werde, die fähig und gewillt ist, durch Uebernahme diese» entschieden sehr wichtigen Berwaltungszweige», der Abfertigung der fremden Uulerstützu»g«begehreude», de« Wohle der Gemeinde, dem allgemeinen Wohl« täglich etwa eine halbe Stunde zu opfern. Ist dies nicht der Fall, so dürft« auch ein zuverlässiger Subalternbeamter der Gemeind« damit zu betrauen sein. Hier in Leipzig haben es zwei hochachtbare Gemeindemitglieder, die sich vom Geschäft zurückgezogen, übernommen; die Abfertigung findet täglich von 10—11 Uhr Vormittag» in einem der Bureaux der Gemeiudecapzlei statt; regelmäßig ist (alternirend) die «in« oder ander« Dame aus den besten Gesellschaftsklasse» als Dslegirte de» Frauenoeretns anwesend; dorthin werden qlle Fremden, di« den Versuch zur Hausbettelri machen, verwiesen. Die Einrichtung wird nun nach etwa fiebenmonatlichem Bestehen allseitig für so zweckmäßig uud wohlthätig anerkannt, daß einige Gemeinde Mitglieder, die früher (wie die« nur zu häufig der Fall) dem Regen mit unliebsamer Kritik begegnet find, es alt unausführbar, schädlich, der Gemeinde größere Lasten zusührend verschriee» haben, sich freiwillig zum Beitritt zu uaserem Unterstützungsoerein meldeten, ja einige sogar au« eigene« Antriebe zu größere» Beiträgen sich erboten. Gleiche» wird uns au« Dresden u. s. w. mitgetheilt. An eine anderweitig« Organisation der Armenpflege können wir z. B. nicht denken; erst wenn wir nach von Zeit zu Zeit wiederholten Anfragen bei de» Gemeinden un» überzeugt habe», daß die von uu» vorgeschlagenen Grundlagen bereit» vorhanden, werden wir in der Lage sein, auf denselben weiter zu bauen. Wir können überhaupt nur Vorschläge mache», «in gemeiusame» Verfahren auempfrhlen; aus di« selbstständige thätig« Mitwirkung jeder einzelnen Gemeinde in ieta» einzelnen Falle könne» wir doch unmöglich Verzicht leiste». Goldene Früchte in silbernen Schalen zu präsent»«», liegt außerhalb unserer Machtsphär«. Sie gedachten auch der