Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 4 (1873)
- Issue
- 4. Jahrgang Nᵒ 24.
- Date
- 1873-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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/ 187 Wn Eroberern. Denn rt ist gebildet worben durch den Dekalog und nicht durch die Erklärung der Menschenrechte." Der Artikel schließt mir folgendem beißenden Ausfall — andere ähnliche gegen die modernen demokratischen Prinzipien, gegen Freidenker, Economisten, Protestanten u. s. w., wir denen der Aufsatz durchweht ist, haben'wir weggelasten— . „Arrian oder Plutarch * *) erzählen, daß einst einige Soldaten von der'Arme» Alexander« spielten, alt ein Vogel über ihnen hin» und herstog. Die griechischen Soldaien fingm an, seine Bewegungen zu deuten, um,, nach der Wissenschaft der Augur», die Zukunft auihnen zu erfahren, überzeugt, daß der Bogel sie Voraussage. Da nahm ein jüdischer Soldat ganz stille seinm Bogen und schoß den Vogel herunter, der sicherlich daS nicht vorautsah. Die civilisirten philosophischen Soldaten mußten daraus schließen, daß der Jude plump, unaufgeklärt sei. Dir Akademie der Wiffrnschasten glaubt nicht an den vogrlflug, aber sie glaubt vielleicht an daS allgemeine Stimmrecht." Berichte und Correspondenzen. Deutschland. Magdeßurg. Die „Gegenwart" von Paul Lindau bringt in Nr. 18 einen Artikel „Da- Osterfest und die Verbrennung de- Juden" von Karl Blind, in welchem einekirchlichen BolkSgebraocheS Erwähnung geschieht, wonach am Eharfrieitag die Lichter und Lampen in der Kirche auSgelischt und Tag« darauf vor den Thoren derselben ei» so genannte« „neneS Feuers' (ignis paschalis) angezündet wird, zu.. rlchem die Gläubigen da- Holz selbst herbeibringea. Diesen seltsamen Vorgang nannte die Kirche von jeher daS verbrennen de« Juden. Daß dieser sonderbare Ritus bei dem ungebildeten und abergläubischen Theil der Bevilkerung der Intoleranz gegen die Juden nur Vorschub leistete, ist klar; man erblickte darin eine symbolische Vertilgung de« ZudenthumS durch dir Osterflamme. Zn einigen Orten läuft daS Volk dabei umher und schreit; „Verbrennt den alten Juden!" Der Vers, weist nun nach, daß dieser Brauch auS der heidnisch-germanischen Mythologie stamme, wonach mit dem alten, der Ostara geweihten Frühling-feste ein „Winterverbrennrn" verbunden war. Der Winter ward dabei al» ungefügiger Niese gedacht, den man in Gestalt eine« Strohmannes im FrühkingSfruer verbrannte. Zn der germanischen Mythologie heißt aber da« Geschlecht der Riesen Jütun. AuS dem zn Ostern zu verbrennenden ,Lbtun" (Wtntrrrie» sen), wurde also da« verbrennen d«S ,^Juden", wobei di« Kirche dir Flammm de« vorurthrllS und de« Judenhass«« fleißig schürte, und statt den Zrrthmn aufzuklären, ihn sorgfältig mit dem Mantel der christlichen Lieb« verhüllte, um ihn von Zeit zu Zeit zur Veranstaltung von Zudenhetzen und wirklichen Zudenverbrennungen za benutzen. Durch den Feuer¬ - t *) Keiner von beiden, sondern Hekatän» von Adders bei i Jo», c. Ap. 1, 22. Der Jude wird dort Mosollamo« (Me» j fchullam) genannt und spricht zu dem zürnende» Augur»: ,^>itte der Bogel die Zukunft gewußt, so hätte er sich gehütet hierher zukommen, wo der Jude Mofollam ihn herunterschießt." schein der Auto-da-fä'S sollte den Ungläubigen die wahre „Erleuchtung" aufgehen! /etzzfß, 18. Mai. Der Obelbürgermcistcr unsrer Stadt, He. vr. Koch feierte soeben sein fünfundzwanzigjähriger Amtsjubilium. Unter den Gratulanten erschien auch eine Deputation der iSr. ReligionSgrmeinde, geführt von dein Vorsteher Hrn. M. Kohner. Derselbe sagt in seiner Ansprache u. a.. die Deputation erscheine hier, „nicht etwa weil wir un« durch die Berordneten der Stadt nicht bereits vollkommen vertreten wüßten. Vielmehr fühlen wir uns glücklich alilrtlich Gleichberechtigte unserer Bürgerschaft keiner besonderen Repräsentation mehr zu bedürfen. Daß dem aber so ist, dait ist ja eben eines Ihrer Hauptorrdienste; hierfür Ihnen hette unseren Dank auSzusprechen fühlen wir uns um so mel>r gedrungen, alS unsere Reminiscenzen noch über den Begin : diese- DierteljahrhundertS zurückgehen, dessen bebeutungSvcllen Abschluß wir mit Ihnen srrudigst begehen. Denn ISriel hat ein lange- »nd dankbares Gedächniß. Wir haben treu in Erinnerung bewahrt, daß Sie vor Antritt Ihrer städtischen Wirksamkeit durch ein besonders glückliches Geschick auf einen Platz berufen waren, der Eie über alles Locale himveghob, auf jene große vaterländische Arena, wo zum ersten Male durch die Vertreter de« gesammten deutschen Volte-, in deren Mitte auch Sie sich in der Paulskirche befanden, das erhabene Prinzip der Gleichberechtigung aller Bekenntniff« ausgesprochen und dadurch ein Schleier über die Vergangenheit gebreitet wurde, welche namentlich für die Bekenner des IudenthnmS so prüfungSrrich gewesen." Hiera» anknüpfend feierte der Jubilar daS Andenken deS herrlicken Riester, und wir theilen schon auS diesem Grund« seine Antwort mit, welche etwa folgendermaßen lautete: „Sie prechen von dem Kampfe für di« Freiheit der Gewissen, erinrern mich an eine lange hinter unliegende Vergangenheit, die mir doppelt unvergeßlich bleiben wird durch die unvergeßlichen Eindrücke, welche ich vor eine», Ihrer berühmtesten GlaubenSgenosten, dem edlen seligen Riester empfangen. Er war mir wie Allen, die daS Glück hatten, 'Ich seine« näheren Verkehres zu erfreuen, ein Lehrer' in allen großen Zdein, welche damals die Zeit bewegten, er, der hochbegabte, der wie selten Jemand everstand, mit dem Feuereifer edler Sittlichkeit, hinreißender Begeisterung für die höchsten Gedankm der Menschheit, der Gesellschaft einzutreten I Darum ist mir, ist un« allen, die theilnahmrn an den Arbeiten jener Z,üt sein Andenken so theuer und lieb. Sie aber, meine Hrrrei, haben mir nicht zu danken! Denn wenn auch ich, so viel tn mir lag, etwa« b igetragen habe zur Verwirklichung jener Ideen, so fühle ich doch nur zu sehr, wie wenig meinerfdtfi geschah, geschehen konnte. Ueberdiet ist ja nur ein alle«, langdauerndr« Unrecht gegen die Bekenner Ihre« Glauben« gut gemacht worden! Ich dank« Ihnen vielmehr für diese mir so wohlthuende Erinnerung an Riester, die Sie heule durch Ihr Zurückgreifeu in seine Zeit so lebendig in mir geweckt, danke Ihnen für die freundlich theilnehmendr Gistnnung, dir Sie Namen» Ihrer Gemeinde mir auSzubrücken so güttg waren!" <L. Z.) Mainz Hr. vr. Juliu» Fürst (auS Bayreuth) ist zum Predige: und RellgionSlehrer erwählt und hat am Sabbath Bamidbar seine Antrittspredigt gehalten. Dieselbe ist im Druck erschienen. „Unser verhältniß zu Gott ein unauf-