Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 4 (1873)
- Issue
- 4. Jahrgang Nᵒ 22.
- Date
- 1873-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
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Friedensdenkmal» statt. Der auf dastädtische Fest bezüglichen Predigt in der Synagoge wohnten, wie häufig, auch nichtisraelitische Bürger, aber auch eine Deputation der städtischen Behörden bei. Wa» jedoch noch weit mehr 'zu einem Bergleiche zwischen ehemal» und jetzt veranlassen konnte, wyr, bag ein Vorsteher der Synagogengemeinde, Hr. Dt. Reich, als B.<rsteher der Stadtverordneten, die Enthüllung-feier'niit eitler herrlichen Ansprache an den Bürgermeister eröffncte, während am Fuße de» Denkmal» unter den hierzu eingeladtnen Geistlichen auch unser ««emeindeprediger im Ornate sich befaiid. (Die von Hrn. vr. F. Cohn bei dieser Veranlassung gehaltene Predigt: „Die Sprach« eine» Denkmals" liegt un» gedruckt vor. Ihr Ter: ist Ps. 120, 7, wobei die letzte Hälfte des Verse» auf die Erinnerung an den vorausgrgangenen Ärieg bezogen wird. Red.) Aettwiß «. ». Knßr, 27. Mai. Ich erlaube mir Ihnen eine Mittheilung zugehen zu laffen, um deren ^Beförderung an Hrn. vr. Be liner nach Italien ich Sie ergebenst bitte. *) — Durch einen Düsseldorfer Maler, der sich längere Zeit in Italien aufgehalten hat, ist mir mit Bestimmtheit, versichert worden, daß ein Gelehrter in Neapel, Principe Spinelli, ihm mitgetheilt hake, daß in dem dortigen Al oster Eupo de Monte in den Jahren 1852—55 verkohlte Papyrusrollen von den Mönchen aufgewickelt worden seien. Jene Rillen sollen aus dem Palaste de» Plinius herrühren, und vieles über Juden und Zudenthum enthalten, weShalb dieselben geheim und unter Siegel gehalten würden. Der betriffrnde Maler empfiehlt» daß Herr Vr. Berliner sich nicht di rekt an das Aloster wende, sondern sich mit jenem Spinelli in Berbindung setze, da dioser ein Mann der Wissenschaft, sebft interesfirt, mit dem Vorstand« des Alosters Kühlung besitzt. ES sollte mir eine Genugrhuung sein, wenn ich durch diese meine Zuschrift vielleicht zur Gewinnung neuen Materials für die Geschichte unseres Volkes beigettagen hätte. Cokn. Oesterreich. Arata», 25. Mai. Gestern Nachmittag versammelte sich hier eine Anzahl jüdischer Wähler, die über das Verhalten der Krakauer Israeliten anläßlich der bevorstehenden d> recte» Reichsrathswahlen Berathung hielten. In der Diskussion hoben einige Redner die Wichtigkeit des nun ins Letz.'n tretenden Wahlreformgesetzrs eingehend hervor, betonten ferner die Nothwendigkett der größtmöglichen Betheiligung seitens der israelitische» Wählerschaft an dem Wahlakte, und nachten endlich darauf aufmerksam, daß — gegenüber den unverkennbaren gegen die Wahl eines jüdischen Reichsraths- Slbgeordneten gerichteten Agitationeu einer gewissen hyprrnat> analen verfassungsfeindlichen Partei — den Juden große Vorsicht und einmüthiges Handeln dringend geboten sei. In Slezug auf das von dem Reichsrathskandidaten abzuverlan« gcnde politische Glaubensbekenntniß kam di« Bersammlung iarin überein, daß der Candidat vornehmlich verfassungstreu s:io müsie» und daß er in seinem Charakter die Bürgschaft gewähre, für die Aufrrchthaltung der Verfassung — in welcher die Israeliten Galiziens den einzigen Schutz und' Hort ihrer erworbenen Rechte und Freiheiten erblicken — stets iMufer einzustehen. Um aber in dieser wichtigen Angrlegen- *) Wir thnn die» durch Veröffentlichung de» Schreibe»»,!>a dessen Inhalt schon jetzt auch Andere interrssiren wird. (Red.) Heft das angestrebl« Ziel durch vereinte Araft um so stchrrer zu erreichen, beschloß die gestrige Wählerversammlung: demnächst den politischen jüdischen Verein „Schomer Israel" in Lemberg über dessen Beschlüsse bezüglich der direkten ReichsrathSivahlen schriftlich zu befragen. (R. F. P.) ^inz, 28.' Mai. (Or.-Corr.) Soeben erhalte ich da» holländische ^,Nieuw israelietisch Wrekblad" Rr. 44, in dessen Beilage tne, Berhandlungeu des großen Synagogenräthe» der Niederländisch - Israel. Hauplsynagoge in Amsterdam in seiner Sitzung vom 5. Mai!. I. abgedruckt sind. * In dieser Sitzung wurde u. A. der Beschluß gefaßt, an den Europa besuchenden Schah von Persien eine Adresse zu überreichen, ln welcher die traurige bürgerliche und politische Lage der Juden ( in Persien geschildert und um Abhülre gebeten werden soll. Sollten nicht die Bertteter der großen Iudrngemeinden in Europa, die von London, Paris, Berlin, Wien u. A. dem Borbildr, das ihnen die Amsterdamer Gemeinde glebt, folgen und wäre eS nicht rathsam, diese günstige Gelegenheit zu benutzen? Der Schah von Persieu, der Europa nicht allein besuch», um da« Land oberflächlich kennen zu lernen, sondern der auch bestrebt ist, Reformen in sein Reich einzuführen, würde gewiß eine solche friedliche Demonstration freundlich aufnehmen, und es dürften sich daran vielleicht die günstigsten Folgen für unsere persischen Glaubensgenossen knüpfen. (Wir haben bereits mitgetheilt, daß von der Anglo-Je«. Assoc. und von der All. Isr. Unio. Schritte in derselben Richtung angedahnt sind. Welcher von diesen beiden Vereinen zuerst die Idee angeregt hat, ist un» nicht mehr erinnerlich, vielleicht hat auch ein Eingesandt im Iew. Ehron. den ersten Anstoß gegeben. Siehe unter Paris. Red.) Frmckreich. (Bericht der All. ISr. Univ. für Mai.) ' Neu angemeldete Mitglieder 101, darunter au» Deutschland 49. (Im Ganzen im ersten Trimester 92(5, darunter 331 au« Deutschland.) Hr. Alatri aus Rom empfiehlt die Verwendung beim Schah zu Gunsten der persischen Juden und wird auch in Italien . eine solche Adresse unterzeichnen lassen. Im gleichen Sinne schreibt Hr. Nijkerk aus Amsterdam. — Sehr umfangreich ist diesmal der Bericht über die Schulen der Alliance im Orient, darunter auch einer von dem (im Wiener Ausstellungsbriefe im vor. Bl. erwähnten) Rabbiner Elmalek, zu Mogador über die dortige Schule. Aus mehreren Orten wird über größere oder geringere Verheerungen, welche die Pocken unter der Schuljugend angerichtet haben, geklagt; dagegen hgben, die Lehrer und Agenten der Alliance auch an manchen Orten die Impfung eingeführt, so besonders in Tetuan durch vr. Schmiedl aus Tanger und vr. Palma. Die Alliance hat kleine Crrdfte;u diesen Zwecke» angewiesen — gewiß zum Segen und l'bachajoth am raw. — Die Schule zu Tanger zählt 320 Anaben und 180 Mädchen, die in Saffi 180 Schüler. Daß einzelne Schulen weniger blühen und bei der Bevölkerung noch keine Sympathie finden, darf nicht Wunder nehmen. E» gilt au-harren. — Di« Herren Costa und AScoli aus Livorno haben dem Minister des Auswärtigen in Rom eine Denkschrift in Sachen _ der rumänischen, Juden überreicht und am 1. April eine Audienz bei ihm gehabt. Visconti Benosta hat versprochen, bei der rumänischen Regierung sich bestens verwenden zu wollen.