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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1873-01-01 · 4. Jahrgang Nᵒ 20. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
4 (1873)
Issue
4. Jahrgang Nᵒ 20.
Date
1873-01-01
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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I 158 und lassen nicht nur, wie auch anderswo, wegen ihres Strafausniaßes, sondern wegen ihrer Gültigkeit und Anwendbarkeit überhaupt dem richterlichm Ermessen weitesten Spielraum. Ist doch, wie bei der Gelegenheit erzählt wird, ein Bursche, welcher rin Vögelchen mit Käfig am Sonntag feilgeboten hatte, mit einem Monat Gefängniß bestraft worden! Daß dergleichen Proceduren jüdischen Handelsleuten, welche den Sonnabend feiern, sehr bedrohlich sind, versteht sich von selbst. Daher ist eine Agitation gegen dieselben im Gange. Es ist jedoch wohlgethan, daß „Jew. Ehr/' die Juden, welche sich an einer solchen betheiligen, warnt, daß sie nicht zu weit gehen, nicht gegen Sonntagsgesetze, strenge „Sabbathfeier" überhaupt, agitiren, da solches ihnen schlecht anstehen würde, und der Israelit im Allgemeinen und vor Allem ein bestehendes Gesetz ehren müsse. Man solle dahin wirken, daß, wie in einigen Staaten der Union, diejenigen Juden, welche Sonnabends ihre Läden schließen, sie Sonntags offen halten dürfen. Ch. Mai. (Or.-Corr.) Vor Kurzem haben hiesige und auch einige Londoner Tagesblätter einem Gegenstände ihre Aufmerksamkeit zugewendet, der auch für die geehrten Leser Ihres geschätztm Blattes von Interesse sein dürste. Rev. Dir. Barnett aus London stellte nämlich die Behauptung auf, daß der in Wcstminster-Abtey sich befindliche Könungsstein der englischen Monarchen kein anderer als der j. g. Jacob’s »tone sei, der, einer Ueberlieierung zufolge, nach xr Zerstörung des ersten Tempels von jüdischen Flüchtlingen als Reliquie des Heiligthums auf ihren Fahrten mitgenomuien, im Norden von Irland abgesetzt, und nach mannigfachen Wan!>«rungen von Ort zu Ott und von Besitz zu Besttz endich -m besagten englischen Krönungsgebäude in Ehren unterzebracht sein soll. Sollte nun in der That diese Behauptung, welche, neienbei bemerkt, blos auf geschichtlichen Kombinationen beruht, Irund und Bodm haben, so würde sich Herausstellen, daß xr Norden von Irland, und namentlich der Theil, welcher am das Belfaster Lough (spr. Loch See) herumliegt, von nner Bevölkerung bewohnt wird, deren Urahnen von.jüdischer Abkunft waren. An diese Mittheilung knüpfen die besagten Blätter Bemerkungen, welche dahin lauten, daß Irland das nnzige Land gewesen sei, worin die Juden während des Mittelalters keine Verfolgungen erlitten haben, und daß sogar einst die Rede davon gewesen sein soll, dieses Land zu einer jüdischen Colonie zu machen, welcher Plan aus Mangel an Energie wieder aufgegeben worden sei. Ich citire hier diese Bemerkungen, weil es meines Erachtens noch an der Zeit väre, an die Verwirklichung dieser Propositiou mit größerer Energie als früher zu schreiten. Wie wäre es, wenn ein theil unserer hattbedrängten Glaubensgenoffen in Rumänien and namentlich vorerst die arbeitende Elaste derselben mit Hilfe der Alliance und der Jewish - Association nach dieser Insel befördert und mit Arbeit versorgt würde? Die Arbeit vird hier fast ebenso gut bezahlt, wie in Amerika, Lebensinittel und Wohnung können hier zu Lande viel billiger angeschafft werden, als in den größeren Städten der neuen Welt, und was das Bequemste bei der Sache ist, die Reisejpesen sind hierher nicht so bedeutend als nach Amerika; Daß es auch im Interesse der Regierung läge, einen Zuivachs von loyalen Bürgern zu unterstützen, versteht sich von ' selber. Sicherlich würde auch die gesammte englische Juden- ' schaft, wenn die Sache erst in Gang kommt, eine rege Theilnahme dafür bekunden. Es sollte mich freuen, wenn diese meine Anregung in den maßgebenden Anklang fände. (Vgl. unter Rew-Iork.) Italien. Kkorenz, 6. Mai. Während meines Aufenthaltes in Rom vom 14. Februar bis zum 4. d. Mts. habe ich die Vaticana zum Theil, die Easanata, die Angelica und drei andere kleinere Sammlungen vollständig kennen gelernt. Die Resultate dieser Untersuchungen werden dazu beitragen, um Bekanntes zu ergänzen und bisher Unbikanntes mitzutheilen, Vermuthungen szu bestätigen und Jrrthümer zu berichtigen. Für Letzteres führe ich aus einer bedeutenden Menge von Fällen nur ein Beispiel an. Der bereits mehrfach als unzuverlässig erkannte Assemani bemerkt zu Eod. 29 der Vaticana nach einem Schlußsätze, wie er ihn dort gelesen haben will, daß diese Handschrift einem Umith ben Asriel, welcher Schatzmeister des Königs war, angehört habe. Ich möchte fast vermuthen, daß bereits daraufhin in irgendeinem Geschichtswerke Dieses und Jenes über einen jüdische» Schatzmeister vermuthet werde. Was ist's aber? Nichts mehr und nichts weniger als die am Schluffe der b. B. der Chronik befindliche mafforetifche Angabe, daß die erste Hälite der im ganzen Buche enthaltenen Anzahl von Versen bei dem 24. Verse des 27. CapilelS zu Ende gehe. Es sind also die Worte (ibid) p niow p>an nnjc* bpi nccn "jcm die Assemani falsch copirt und, weil sie die letzte Zeile ger Handschrift bildete, ohne weitere Prüfung für den Namen des Besitzers gelesen hatte. Wie hier den Schluß, so hat er nicht selten auch den im Anfänge einer Schrift genannten Besitzer als den Namen des eigentlichen Autors mißverstanden und somit in seinem Eatalog Schriftwerke erfunden, die nie eristirt haben. Daß hierdurch manche Verwirrung erzeugt worden ist, die nicht Wenige irre geleitet hat, darüber können viele Belege vorgefühtt werden. Am 4. d. M. hier angelangt, habe ich gestern beginnen können, die Laurentiana zu benutzen, nach deren Absolvirung ich noch Bologna und Jmola besuchen will, um dann s. G. w. Ende dieses Monats in Parma einzutreffen und nähere Einsicht in die großattige Bibliothek daselbst zu gewinnen. Von dott aus gedenke ich Ihnen wieder einige Zeilen zu senden. vr. Berliner. Vermischte und neueste Nachrichten. Aresta«, 12. April, vr. Wilh. Landsberg, Zögling der hies. Seminars, ist zum Rabbiner und Prediger in Pasewalk ettvählt worden, nachdem er am vorigen Sabbath dott eine Probepredigt gehalten hatte. Man hat von Berufung weiterer Candidaten abgesehen, die Wahl ist einstimmig und unter ehrenden Bedingungen erfolgt. — Hr. Profeffor Grätz hat den ersten Band seiner Geschichte der Juden in Druck * gegeben. Derselbe beginnt mit Josua, mit dem Anfänge der Geschichte des Volkes Israel, und wird mit Salomo abschließen.

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