Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 4 (1873)
- Issue
- 4. Jahrgang Nᵒ 20.
- Date
- 1873-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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159 t Kamönrg Hier wurde «in Droschkenkutscher, der einen isr. Kaufmann auS Berlin anstatt nach einem jüdischen Gasthause nach einem christlichen brachte, woselbst dieser in der Meinung, koscher zu speisen, daS Vorgesetzte Abrudbrod verzehrte, auf Anzeige deS Getäuschten zu 6 Thlr. Strafgeld verurtheilt. (Ref.) Aus London meldet man den zu Alexandria erfolgten Tod des Bibliothekars am Brit. Museum Emanuel Deutsch. (Wir theilen auS dem Nekrologe, den die „Times" ihm widmet, in nächster Nr Näheres mit.) Anmäuin» Der im vor. Bl. erwähnte Protest rumänischer Studenten in Paris gegen den Artikel des „Iourn. d. Deb." hat, wie man vennnthen konnte, in einem anderen pariser Blatte Aufnahine gefunden. Was er besagt, ist leicht zu errathen: Die Juden werden in Rumänien nicht der Religion wegen verfolgt, sie sind ein Verderben für das Land; die Rumänen sind sanft und lieb wie die Länmiletn, die Juden find die bösen Wölke, die sie würgen. — Die „Rum. P." enthält eine lange Entgegnung; wir können unsere Leser selbst mit Auszügen daraus nicht ermüden. Zum Glück und zur Ehre der Menschheit fehlt eS jedoch nicht an Sttnmien, welche nicht anfhören, die listige Gewaltthätigkeit zu venirtheilen. Die« gilt von einem neuen in Bukarest in französ. Sprache erscheinenden Blatte, „L’Abeille de la Roumanie“. Auch die „Esplrance de Rome“ bringt „ein Gespräch zweier Abendländer über die Judenverfolgung in Rumänien," das in der „Ruwiu. P." wiedergegeben ist. Wir werden daS BemerkenSwertheste daraus mittheilen. Jke»-V<rK. Eine Anzahl reicher Juden auS Rumänien ist hier angekvmmen, um die nölhigen Borbereüung zur Gründung einer jüd. Eolonie in Nebraska zu treffen. (v. B.Z.) Feuilleton. (Fortschung.) „Verworfen? Pusgeftoßeu?^ rief er, nach dem er Bereha's Brief gelesen, und' rannte verzweifelnd auf und ab, di« Hände an.di« Schläfen gedrückt,,und immer"diese betdnrveehängnißvollen Worte wiederholend. „Sie eine Brrwovene, Ausgestdßen«! Was soll dhs!h^ßett? dieser Engel in MenschäugtstaL? mnttneemehri dann müßt«alles lüge»! alles! dix.Sonttl» dje Schöpfung^.dir Himmel, 'ja selbst-Gott; der dann sich sübst und mich in. dem schönsten seiner Geschöpfe betogen. Rein! neittt sie hat mich nur verrqthen, flc. hgt sich übrrlegtj daß ich keine pastinde Parthie für ste'setj' uuh da schreckt sie' mich durch tiefe* zwei fürchterlichen Worte ab. Berthas lüg^ um, Gotfes.Dillen lüge! Laß es-nicht Lstchr» heit sein,' was Du mir schreibst, sei alles, alle-, nur kein« Verwerfen», keine AuSgestoßene «rs-der GefAlschast der Edlen,,, der Guten I verrath« mich, sage'mir, daß Deine Liebe nur Tändelei,, nur Koketterie der-Amerikanerin dem Grünen gegenüber war, aber laß mich nicht Llaüben, daß ich wich in Deiner Reinheit, in Deiner Unschuld getäuscht." Plötzlich wandte sich Moritz'zu Lärchen und ihrhart am Arm« fastend, rief er mit rollenden Augen und heiserer Stimme„Lärchen! Wissen Ssti— was ürdiesem--SWefe steht? Wisse» Sie es?" „Nein H,:rr Doktor!" versetzte Bärchen ängstlich, „ab«' ich kann es rnr denken, st« hat den ganzen Bormittag damit zugebracht, der Brief zu schreiben, ohne es weiter als zu drei Zeilen zu brirgen, und ich hätte diese nicht abgegeben, wenn ich's ihr nicht hätte schwören mästen. Wenn Sie das Mädchen gestern zejehen hätten, wie ich ste sah! O. es war schrecklich, fürchterlich, sie glich keiner Lebenden. Ich war den ganzen Vormittag bei ihr auf dem Zimmer, Jutta hatte mich weinend herarfgerufen und uns dann verlosten." „Erzählen Sie, um Gottes Willen weiter, weiter!" rief Moritz fiebertaft, „wt.s wissen Sie von der ganzen Sache?" „Sehr viel und auch wieder nichts. Doch hören Sie zu!" und Bärchen fuhr fo>-t: „Me -ch also eintrat, ging sie auf mich zu, nahm mich bei der Haut und fragte mir klangloser Stimme: Eie sind ein wahrer und echter Freund von ihm!" „Von n,em, Fräulein Bertha?" fragte ich, denn ich war von dem Aussehen deS Mädchens noch ganz erschreck». „Ich kann den Ramm nicht nennen, sagte ste und ihre Lippen zitterten. Sie iverden wistni, wen ich meine." „Freilich, Fräulein Bertha, sagte ich, Sie meinen Doktor Moritz." „Ein Purpurroth überzog daS todtenbleichr Gesicht des FräuleinS und sie nickte stumm mit dem Kopfe. „Sie wollen mir einen Brief an ihn besorgen? fragte ste, wollen sich so lange in seiner Office aufhalten, bis er kommt und ihm ihn geben." „Ja," sagte ich. „Gut denn, setzen Sie sich, ich werde ihn schreiben, eS wird nicht lang« dauern." „Wie sie aber den ersten Vogen Papier vor sich H-Ute, mußte ste ihn wieder »veglegni, denn er wurde von Thronen naß uuö untauglich zum Schreiben. Als sie mit sechs eder acht daS Zleiche' gethan, fing ste endlich an und schlich, brachte abw nichts zu' Stande, bis sie mir zuletzt, nachdem sie viele Briefe zerrissen, diesen gab, der eben um nichts weniger von ihren Thräneu durchiueuyt ivar, als die «mderen." Morih sank wieder auf einen Stuhl und ein Thränen« ström erleichterte ihm das gepreßte Herz. Darm trockne»« er fich dir Augen und Bärchen, der stör ihm stand, anblcckend, sagte er dingend: „Weiter, weiter!" „Geben Sie ihm daS, sagte sie weinend, und Gott möge ihn tröste»:! ich kann es nicht. „Fräulein, sagte ich, wenn es Ihnen und dem Doktor Schmerzen macht, so möchte ich den Brief lieber nicht abgrben." „Da wurde sie zornig und sagte:. Sie müsten mir schwöllst, stütz' Billet an die Älteste gelangen zu lasten, oder vffr es zurückgeben. Uyd ich schwur.'— — — ,/Leüt« ermich mißverstehen, fuhr sie fori und hi stt die schönra Hände vor das Gesicht,- so sagen Sie ihm: Ich sei vollkommen unschuldig an meinem und seinem Unglück,:, obgleich di: Worte darin so wahr wie die Thora seien. Sie wandte rrir den Rücken und sagte stockend: Richten Sie genau folgende Worte aus, di«,.ich nicht schreiben kann: „Der Eltem Sünde sei der Kinder Fluch/' „ „Gott sei Dank!" rief hier Moritz herzlich und erhob xich,'„seist ist mir ein Berg von meinem Herzen." Uw vieles - rüstiger sagte er zu Bärchen dann: „Erzählen Sie iveiter." Bärchen, der die Tragweite seiner letzten, ihm aufgetra-