Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 4 (1873)
- Issue
- 4. Jahrgang Nᵒ 20.
- Date
- 1873-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
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156 Mitgliedes, des Rabbiners einer Provinzialgemeinde. Würde man nicht dem Votum des Berliner Comites noch ganz anderes Gewicht beimessen?! Mögen die Betreffenden jedes ma^ zusa nmentreten, berathen und ihr Votum mittkeilen; natürlich könren sie auch selbstständig Anträge stellen u. s. w. Wer zweifelt, daß man auf Berlin hören wird? — Daß ein andere- Weg, als der schriftliche, nicht möglich, nicht erfindlich ist, ziebt jeder zu; das einzig Mögliche muß aber auch als das Beste gelten. Magdeburg. Das Comite des Berliner LocaloereinS hat, wie nns in vor. Nr. berichtet wird, eine Generalversam nlung seiner Mitglieder berufen, in welcher u. A. „Bericht über den Verlaus der Delegirtenversammlung" erstattet wurde. Die Leser dieses Bl. kennen die Geschichte dieser im December v. voin Berliner Local-Comite berusene» Versammlung von Delegirten und Bertraueusniäni ern, welche über einet» zu grüi deiidcn „Zsraelitenbund in Deutschland" berathen sollten. (Uti er beit 84 Theilnehmern befanden sich 55 Berliner und 29 aus andern Städten.) Die Majorität der Berliner hatte zwar die Gründung einer brsondern „israelitischen Allianz in Deutschland" durchgesetzt, die Delegirten der Localvereine hatten jedmh erklärt, so langc an der All. Isr. universelle festzuhc.lten, bis diese selbst sie anweisen würde, sich der neuen Alliinz anzuschließen. Eine denicntjprechrnd« Rcsolmio» wurde anginominen; das Inslebentreten des LonderbnndeS,wurde von der Zustimmung des Centralcomite's abhängig gemacht» erso.ge diese nicht, so solle Alles in statu quo ante verbleiben. Dieie . ustimniung ist — wie gar nicht anders zu erwarten war — von Paris nicht erfolgt, und anstatt das todtgcboi ene Jtinh des Berliner Ehrgeizes in aller Stille einzuscharren und der Vergessenheit zu übergeben und rS höchstens den Theilneh» mern der Delegirtenversammlung mit der Bitte um stilles Beileid anzuzeigcn, was geschieht in Berlin? E, wird der Generalversamnilung von einem Mitgliede des Localcomite's eine Resolution vorgelegt, welche sich sehr scharf gegen die Aut vort des Centralcomite's richtet und, wie der Berliner Corresp. in t or. Rr. berichtet, von der Versammlung die Aufrechthal« tunx der Beschlüsse der Delegirtenversammlung fordert. Ich glaube, es ist Pflicht Jedes, der an den Berathungen der Tel tgirtenversammlung Theil genommen, gegen ein solches Verfahren zu protestiren, damit nicht, wie im December der Name der Alliance isr. unio. gegen diese selbst mißbraucht wurde, jetzt wieder mit dem Namen „Delegirtenversammlung" ein falsches Spiel getrieben werde. Der bei weitem größte Theil der Delegirten der Localvereine hat manchen Beschlüsien nur unter der Bedingung, daß das Eentrulcomite sie genehmige, resp. in der Voraussicht, daß es dieselben nicht genehmigen könne, zugestinimt. Nachdem diese Genehmigung nicht erfclgt, steht es allerdings der Berliner Versammlung ftei, jen« Beschlüsse auf's Neue ohne jene Bedingung zu saffen, aber man sage nur nicht, es seien die Beschlüsie der Delegirtenversammlung, die man aufrecht Hallen wolle. Wenn übrigens der Berliner Corr. in vor. Nr. gegen Ende seines Berichtes die Wahrnehmung nicht unterdrücken kann, daß selbst viele »freunde der All. Zsr. Unio. die pure Ab ehnung der Berliner Delegirtenbeschlüsse seitens des Centralcon iie's bedauerten, so scheint demselben der Commissionsbericht der pariser Centralcomite's vom 19. März. c. nicht Vorgelegen zu haben. Da ist von einer „puren" Ablehnung nicht im En fern testen die Rede; das Centralcomite erklär» vielmehr in erster Reihe: „alle Comite's der Alliance zu bitten, ihm die nach ihrer Ansicht geeigneten Mittel und Wege anzugrben, um ihnen innerhalb unserer Gesellschaft, ohne deren Einheit zu geährden, die größtmögliche Freiheit der Action und der Wirksamkeit derselben zu verschaffen." Wer, d r ein wirklicher Freund der All. Isr. unio. ist, wird nicht init ganzem Herzen und aus vollster Ueberzeugung den Gründe» der Ablehnung, die jener Commisstonsbericht enthält, beiftiinmen, insonders der folgenden Erwägung: „ES müßte ja die Alliance ihre eigene Grundidee verleugnen, wollte sie statt der Universalität, die ihre Basis ist, nationale Sonderungen bei sich einführen oder zulassen. Die Commission weiß allerdings, daß, wenn auch die Berliner Versammlung so freundlich war, ihre Beschlüsse de« Centralcomite zur Bestätigung vorzulegen, gleichwohl die geehnen Glaubensgenossen, welche die Anstifter dieser Versammlung gewesen, unbehindert die neue Gesellschaft constituiren können Allein das Centralcomire kann unmöglich durch Zerstückelung der Alliance selbst zur Desorganisation de, selben beitragen. Unsere Gesellschaft muß eine universale bleiben, mit der Tendenz, sich nach allen Ländern hin zu verbreiten und alle Israeliten unter demselben Symbol zu vereinige», um dadurch mit gesammelter Kraft die Lage unserer Glaubensgenossen, wo es immer nöthig je!, zu verbessern. Gerade in dieser Einheit, die ihr hervorstechendster Charakterzug ist, liegt ihre Stärke, ihre moralische Macht, und es ist unsere Pflicht, ihr diese Einheit nachdrücklichst zu bewahren und uns von jedem Versuche frrnzuhalten, der, und wäre es auch nur scheinbar, darauf abzielt, dieselbe zu stören." Aus Schrimm, 9. Mai, erhalten wir eine sehr ausführliche Erörterung über die Zerioürfniffe in der dortigen Synagogengcmeinde, welche unsere Bemerkung in Nr. 18 (unter „Stettin") zu widerlegen und die Schuld von der einen der dortigen Parteien, derjenigen nämlich, welche sich von der Hauptgeineinde getrennt und an das Herrenhaus gewendet hat, abzuwälzen sucht. Ei» kurzes Zusammenfassen läßt der Bericht über die dortigen Vorgänge nicht zu und für ausführliche Erzählung der Streitigkeiten in einem Städtchen hat unser Blatt keinen Raum. Unser a. a. O. ausgesprochenes Urtheil wird durch den Bericht des Herrn Correspondenten nicht im mindestens entkräftigt, vielmehr bestätigt. Er bestätigt, daß der Streit und die Separation durch kein religiöses Motiv hervorgerufen sind, daß es sich weder um Cultus oder Ritus noch um Gewissensangelegenheitcn handelt. Freilich, wie es Leute von sehr weitem Gewiffen gibt, so gibt es solche, die ihr Gewiffen sehr zu adstringiren vermögen, so daß sie sich durch wer ' eiß welche Anforderung in ihrem Gewissen beengt und bedrängt erklären. Der Herr Corresp. irrt ferner, wenn er von der Annahme ausgeht, als ob wir der einen dortigen Partei, der seinigen, Unrecht gegeben hätten: zu einer solchen Entscheidung wären wir durchaus nicht compelent, es liegt dies auch gar nicht in unseren Worten. Wir haben ferner die fragliche Petition an das Herrenhaus selbst nicht gelesen, keimen auch weder Namen noch Person der Unterzeichner, uns lag nur der Bericht der Commission vor, welcher lediglich die von uns abgedrucklen Worte enthält. Einen Umstand haben wir aber allerdings leider! zu berichtigen; es geht aus den 'von dem Hrn. Corresp. angeführten und ohne Zweifel richtigen Thatsachen hervor, daß die von der Majorität beliebte Bestellet ung der Dissentirende» eine an Brutalität streifende