Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 4 (1873)
- Issue
- 4. Jahrgang Nᵒ 20.
- Date
- 1873-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/5369809-5935020-5935704--1678-5371249- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
166 Folgerungen über den Charakter der Völker, er sprach über die Griechen als das Bolk der ,Freiheit, die Römer als da» Volk des Rechts u. s. w-, die alten Israeliten aber, sagte er, habe in ihrem Gruße „Friede mit Dir!•' das Höchste erreicht, indem sie den Gottesbegriff in die Welt gebracht haben. — Wir erinnern unsre Leser auch an den seiner Zeit erwähnten Vortrag von Carl Abel (in der Virchow - Holzeudorff'schen Sammlung) „über den Begriff der Liebe in einigen alten und neueren Sprachen", der zu dem Resultate kommt, daß die hebräischen Bezeichnungen der Liebe „ein heiliges Capitel in der Geschichte der Menschheit bilden." So erkennen wir mit Freude, daß wirklich gelehrte und unparteiische Forschung dein Iudenlhum gerecht wird. Berichte im>> Correspondenzen. Veutschland. Stettin, 16. Mai. Ein Freund glaubt „umgehend sein Befremden darüber ausdrücken zu müssen, daß wir, in der ihm soeben zugegangenen Nr. 19, den in der Correspondenz aus Berlin enthaltenen Tadel über die Antwort des Pariser Central-Comite's der A. I. U. ohne Gegenbemerkung abgedruckt haben." Wir haben nun eine» Leitartikel in unserer Nr. 10 als Schlußwort über die so viel besprochene Angelegenheit bezeichnet und mochten unsre Leser nicht mit nochmaliger Darlegung unserer Meinung behelligen. Daß di« Pariser ganz correct gehandelt und eine andere Antwort gar nicht haben geben können, ist, wie wir sehen, ziemlich daS einstimmige Unheil der jüdischen Presse Ein großer Theil der s. Z. in Berlin Versammelten hat, wie sich' aus dem Gange der Debatte unschwer erkennen läßt, auch wohl gar keine andere als eine ablehnende Antwort von Paris er» wartet und die betreffende Resolution nur als ein .salravi animaro meam* betrachtet. Ob das Centralcomite seine AntwoN nicht mit einem halben Dutzend höflich-bedauernd-lobendanerkennender Phrasen, an denen ja die französische Spracht so reich ist, hätte verbrämen können, bleibe dahingestellt. Zur Sache noch einmal einige Bemerkungen. Man weist auf die Anglo-Zewish Association und die Wiener Allianz, die sich beide selbstständig constituirt haben, hin. Erster« ist gegründet worden, als Paris belagert und der Fortbestand der von der A. I. U. gestifteten Schulen gefährdet war; sie mußte selbstständig austreten. Letztere will zunächst innere österreichische Angelegenheiten betteiben. Nun haben wir auch in Deuffchland eigene innere Fragen zu erledigen, zu deren Lösung wir gewiß nicht auf Paris zu recurriren denken; aber für solche besteht ja der „Gemeindebund." Die Leitung des- > selben war dem Vorstände der Berliner Gemeinde zugedacht; hat dieser die Wahl abgelehnt, weil er bisher bei verschiedenen Gelegenheiten kein Entgegenkommen gefunden habe — so liegt die Schuld entweder an ihm oder an der Gesammtheit der übrigen deutschen Iudm. Wir enffcheiden darüber nicht; aber daß es rein zweckwidrig wäre, nun neben dem Gemeindebunde noch eine Allianz in Berlii. für deutschjüdische Angelegenheiten zu bilden, das liegt doch auf der Hand. Ebenso einleuchtend ist eS, daß die Fäden für die auswärtigen Angelegenheiten, d. h. für die Gründung und Beaufsichtigung von Schulen im Orient rc. :c, für die HülfSleiftuug i» einzelnen und allgemeinen Nothfälle» und Nothständen, an einem Orte zujammenlaufen müssen. Wir sehen jo, wie unsre Glaubeilügenossen in fernen Ländern, wenn Gefahr droht, wenn eine Verfolgung hereinbricht, wenn einem Einzelnen Grioalt anguhan wird, oder wenn sie Rettung aus lange daue.ndcni Elend ersehne», sich an die Alliance werden. Zeder einzelne Sitzungsbericht des Centralcomiie's legt davon Zeugniß al>. ES nützt ja nicht, helfen zu wollen, auch Mittel bereit zu haben, man muß doch vor allein erfahren, wo Hülfe etjorderlich ist. Das Pariser Coinite hat an allen erponirren Punkten se ne Agenten; diesen noch andere, von einem anderen Orte lessorlirende, mit einer anderen Centrale corresaondirende an die Seite setzen, hieße offenbar die Fäden durchkreuze», ve -wirren und zerreißen, nicht sie befestigen. Es gilt also für uns in erster Linie — Mitglieder zu werben, die Fonds, die Kräfte der A. I. II. zu stärken. Will man zu diesem Bchufe ein Landrshauptcomite in Berlin einsetzen, so hat gewiß Niemand etwas dagegen. Es bedarf dazu wahrlich keiner Berathungen und Diskussionen - das Berliner Localcomite wende sich einfach an die deutschen Glaubensgenossen. — Andrerseits würde zu Zeiten, jetzt zunächst für die rumänische Frage, eine Verwendung bei der deutschen Reichsregierung nützlich und erforderlich sein. Indessen wir kennen die Lage der Dinge bei uns; Massenpetitiouen imponiren ebensoweni,i, als sie nöthig sind. Seiner Zeit har Fürst Bismarck cuf eine Eingabe der hiesigen Gemeinde, der Reichstag auf btt der noch kleinern Gemeinde Lyck, ebensogut Rücksicht genommen, als ob hundert Gemeinden petttionirt hätten. Natürlith, selbstverständlich, sollten von Berlin a«s die Schritte in solchen Angelegenheiten geschehen, es würde sich allerdings besser ausnehmen, wenn bekannte namhafte Perscnrn in der Residenz dem Ministerium de« Auswärtigen me Bitte vortragen-warum geschieht die» nicht??! Wird man unS glauben machen, daß die Hcrren in Berlin dazu unserer, der Provinziale», Hülfe, Stimme, Beistimmurg bedürfen?! Wozu solche falsche Bescheidenheit? Wenn mar einmal in Berlin, von Berlin auS, etwas bewirkt haben wird, was un» Anderen zeigt, daß allgemeine Angelegenheiten dort besten» besorgt werden, so wird die Frage gelöst und ohne jeglich« Widerrede entschieden sein. - . Endlich noch ein Wort über die selbstständigere Stellung, welche den deutschen Mitgliedern gewähr: werden sollte. Ohne Zweifel wnr es nicht in der Ordnung, wenn bisher deutsche Mtglieder lediglich beigesteuert, auf den Gang der Berathungen, Brschlüffe und Geschäfte aber nicht den mindesten Einfluß geübt haben. ES erklärte sich dieser Mißstand eber dadurch, daß dir Alliance Anfang» nur in Frankreich Mitglieder besaß und erst später und allmälig eine größere, zur Beachtung berechtigte Zahl von Anhängern in Deuffchland erlangte. DaS Centralcomite hat nun einen Schritt gelhan» der wenigstens seinen auswärtigen Mitgliedern eine Betlwiligung an Berathungen und Beschlüssen möglich macht. Man hat, sagen wir e» offen, ein Columbus-Et entdeckt. Man sendet den Mitgliedern acht Tage vor jeder Sitzung ein möglichst specificirteS Programm über di« Tagesordnung und sie senden ihre Boten, ihre Bemerkungen ein. Wir haben auS der ersten 'probe für unsre Person gffehen, daß unsre Meinungsäußerungen volle Berückstchttgung gefunden haben. Und wir vertreten nur unsre Stimme, die eineeinzelnen Comite-