Mannheim
Compact Memory

Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1873-01-01 · 4. Jahrgang Nᵒ 20. · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
4 (1873)
Issue
4. Jahrgang Nᵒ 20.
Date
1873-01-01
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
88% known words query
IRI
…/5369809-5935020-5935704--1677-5371248
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

- 154 schlich des Ideenganges. Ist nun dieser Abschluß der Dulksch«n neuen Religion ein anderer, als dir Schlich-, Eich- »nd Hauptsatz, zu d«n van jeher das IubmHu» gelaugt ist? Noch bes'ir wird aber das, Ms mir zpigen wollen^ dm ch die Bemeatung ins Acht gMellh »lchr ei» Mernsent der Tulk'schen Buches in den „Bl. f. tit. Umerh." an dassell e knüpft. Er findet die Dulfscheo Zultmftstzhazitafien scht»Lr««risth, nach der naturwissenschaftlichen Eekmntnlß unmöglich, und sagt: „Die modernen Religionsstifter haben mii den alten den Enthusiasmus gemein; nur ist da« Ideal, für welches sie schwärmen, und dessen Rcalisirung sie prophezeien, ein anderes als da» der alten Religionsstifter. Ihr Ideal ist nämlich nicht der jenseitige Himmel, sondern der diesseitige, der Himmel auf Erden, durch Wachsthum in der Er.'enntniß und der Liebe, durch Bewältigung der Natur au icr uns und der Leidenschaften i» uns, durch Aufhebung der trennenden Unterschiede »nd feindlichen Gegensätze." Zum Ehrisrenthum stellt dies moderne „Ideal" in einem (Gegensätze, abtr cs ist, (Gedanke für Gedanke, ja Wort für Wort dasselle, welches oas Iudenihum gelehrt har und noch lehrt, in der Aussprüchen der Propheten und in jedem .'raicchisuins. in jeder Predigtsaminlnng. Solchen „modernen" Ans- und Ai sprüchcn gegenüber haben wir lediglich das Prioritätsrecht un erer Religion zu wahren, (und das gilt von vielen, vielen anreren ähnlichen Behauptungen!)— gefährlich sind sie unS wahrlich nicht. Von einem Verkünder neuer Religion wenden wir'uns zu einein Manne, der seine Religion, das Christenthum, nur läickern und frei auffassen, in, Uebrigen jedoch und im Allgemeinen auf dem Boden positiver Religion stehen will. B untschli bespricht in einem „Gegensätze der christlichen RUigion und des Staates" betitelten Auffatze einige Hauptsäffe aus Laurent'«: Etudes snr l’histoire de l'lmmanitä. Wesentlich stimmen beide überein, wir stellen die Sätze ledigliq wörtlich, nur kürzer zusammengezogen, hierher. „Schon in den ersten Anfängen der christlichen Gemeinde sind einige Clmraktcrzüge erkennbar, welche sich mit dem Geiste de- Staate« schwer oder garnicht versöhnen laffen. 1) Der lebhcftr Glaube der ersten Christen an den nahe bevorstehenden Uitrrgang der damaligen Welt, folglich auch d«S römischen Reiches. Wer morgen den Untergang der S$Wt erwartet, der aibeitet heute wenig für die Wohlfahrt dieser Welt. 2) Eä>M gw> dauernder hat ein anderer, für dm Staat bedenklicher Charakterzug der christlichm Religion gewirkt, der spiritualistische Zug der Verachtung des Fleische«, die Geringschätzung aier, s. g. irdischm Güter, der Abwendung von dem Di esst Its und der ausschftehlichen Hingabe an das Jenseits. Jur ÜBttelalter wurde diese Geistesrichtung systematisch befördert und- «usgebildet; der müßige Elnsiedter galt mehr als der f ettzige Bürger, der ehrlose Priester wurde höher geschätzt als 1 er verehelichte Laie. Diese einseitige lleberspannung der religiösen Wahrheit, daß das Lebm des Menschm in Gott und r,tt Gott das höchste sei, gehört zwar nicht ganz dem Urchristenthum an, aber sie war dem Staate verderblich und es istgewiß, daS nicht einzelne Sektm, sondern die Gesammtkieche im Mittelalter jene Zrrthümer pflegte und großzog." Ü) Der Aberglaube, besonders der Ttufeksglaube, der noch heute in der katholischm und orthodox«protestantischm Kirche mii zärtlicher Sorgfalt gepflegt wird. Dt« Einheit Gottes wird von dem Bewußtsein der hmtigen Mmschhrit mergischer festgehalten, als in den früheren Jahrhunderten, welche den Einen Gott in drek Personen zerleMt, tydk such wohl eine Gltti» alHGattbb »il» Mutter anMute» «ch den Teufel als eichn, GrgeiWott de» Fivsterniß entMenfetzM" Wir Wftn vo» dom letzten Satz« ab; die übrigen werden. wie man sieht, von Blutschli, einem wirklich Sachkundigm, nur dan Christeuthum zugeschrieba», tausend Andere legen sie ohne Weiteres der Religion schlechchin in den Mund, ja sie machen gar ausdrücklich das Iudenthum für sie verantwortlich, obgleich es mit ihnen gar nichts zu schaffen hat. Wieder eine andere Seite zeigen uns recht schroffe Gegner der Religion, der Bibel, auch speciell des Itrdenthums. Sie gehen in ihrer feindseligen Verblendung so weit, daß sie geradezu als Zeugen für uns angeführt werden können. So Spill er in seinem Buche: „Drei Lebensfragen für Staat, Kirche und Schule." Er sagt selbst: „Der Zweck dieser Schrift bringt es freilich mit sich, daß ich die vielen Lichtseilen der Bibel übergeben muß und nur die Schattenseiten einigermaßen zu beleuchlen unternehme." Das ist denn allerdings offen gesprochen; und welches sind di« Schattenseiten der Bibel? *„DaS überaus klägliche Gewimmer über die völlige Machtlosigkeit des Mensche», wie es sich unter andern durch alle (?!) Psalmen David's in ewigen Variationen dnrchschleppt, ist für jeden verständigen Menschen wahrhaft widerwärtig. Mich hat ein förmlicher Ekel über dieseewige Geheul ergriffen." — Wir verschwenden kein Wort gegen diese seltsaine Geschmacksverirrung, erinnern nicht an den achten Psalm und andere, die Würde und Hoheit des Mmschen preisend« Bibelstellen, fragen Hrn. Spiller auch nicht, ob es dmn um di« Machtlosigkeit des Menschen gegenüber — sagen, in seinem Sinne, nicht: Gott, sondern — den Rätur- Elementarkräftrn, dm Krankheitm und Gchicksalsschlägm wirklich nur psalmodisches Geheul sei; wir lassen dm Mann gewähre», wen« er etwa recht lebenskräftige, machtstrotzmde Kneiplieder dm Psalmen vorzieht, für geeigneter zur Bildung der Jugend hätt, wir meinen nur, daß seine Lehrsätze der Bibel nichtschadm können. Und was schreibt derselbe Autor gegen die Religion? Er zieht gegen ihre Auswüchsezu Felde; gegen Herenglauben» Teuselsaustreibungri,, Unfehlbarkeitsdogma, Fanatismus und Verwlguugssucht, er rechnet , dazu auch Petroleusen und Socialdrmokraten — und darum verwirft er — feie Religion. , Da, erscheinen in der Schweiz kleine Büchlein zpr radskalm Bekämpfung, der Bibel» du; Religion us. w« di« st« namentlich .aus dem Iugendunterrichte ganz verbannen wollen. Cittrcn wir ein Sätzchenz „Per Lehrer fragt, bei jeder Gr» legkstheit Warum? Wie läßt sich, das und jenes erklären? Aber beim Unterricht, der sich., aus die Bibel stützt, ist der»- gleichm nicht möglich,., hier, wird, nur geglaubt." Daß tat; in Beziehung namentlich auf das christliche Grunddogma paßt, ist wahr. Dagegen weiß der Mann nicht, daß die jüdischen ReiigionSlehrbücher, wieder von dm ältesten Halach'a- und Agadawerketr MS "auf den jüngsten kleinm Katechismus, eben beständig fragen:-woher wissen wir das? warum ist daS so? waS ist Grund und Ursache? Wit schließen, nach alter Regel, mit Erfreulichem. Am- Geburtstage deS-'KaiserS hat Professor Ern/t Cürtius zu Berlin in der UnivcrfitätSaula eine Festrede gehalten, derm Thema dir Grußformeln der verschiedene» DSUer bildete», (krzog an» diesen Formeln geistvoll»; treffende

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.