Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 4 (1873)
- Issue
- 4. Jahrgang Nᵒ 18.
- Date
- 1873-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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141 45. Kitter,». Pytper, ©. 6tag<r, ftorf'Kitttr ». Seil. S. Verkhhett«, E. Diener, Ritter ». Welten und S. Pappenheim.^ Lu« dem Inhalt der hier referirtea Ansprachen geht deutlich hervor, daß die Umstände, welche für Oesterreich die -Gründung einer besondere« Allianz räthlich erscheinen ließen, nicht auf Deutschland paffen, daß daher da« Vorgehen der Wiener keine» Stützpunkt für die Bestrebungen in Berlin giebt. <«ewiß ist in Oesterreich noch sehr viel für Bolksunterricht zu thun. dir Juden in Galizien u. s. w. bedürfen in dieser Hinsicht eine« Antriebes, der Hülfe, des Rathe« und der That fast ebenso sehr, wie die Glaubensgenossen in Rumünien, der Türkei u. s. «.. daß aber das Ehrgefühl der gebildeten, geld-, ehren- und einflußreichen österreichischen Juden e« wiederum nicht dulden kann, für solche Angelegen, heitea Leitung, Rath oder Unterstützung von einem ausländischen Eentralcomite anzunehmen, ist klar. Müssen wir nun «och sagen, daß di« Sachen in Deutschland ander« stehen? (.) Ende April. (Or.-Corr.) Mag man auch unserer vielrabbinerischrn Zerfahrenheit in der hkerortigen Synagogenwelt noch so hart an den Leib gehen, ei n Gutes hat dieser faktische Uebelstand denn doch, es werden nämlich in den verschiedenen hiesigen Synagogengrmeinden minornrn gentium die Rabbiner für auswärtige größere Gemeinden mit der Zeit herangebildet;- so hat New-York seinen vr. Hübsch au» der hiesigen Neu-Synagoge, St. Louis seinen vr. Sonnenschein aus eben derselben Gemeinde, Proßnitz seinen vr. Hoff au« unserer PinkaSsynagoge und jetzt wieder Inowraclaw seinen vr. Rohn aus unserer RlauSgemeinde; alle die hier genannten Herren haben, außer Vr. Sonnenschein, hier zum erste« Male die rabbinische Feuerprobe bestanden, haben sich geistig gerrckh gedehnt und gestählt im Ringen um den radbinischen Namen, haben aber auch, da diese hiesigen Synagogenrabbinate wehr „zu Ehren" als „zum Ernähren'' für ihre Inhaber sind mauchen harten Rumpf mit dem „Soll und Haben" auf materiellem Gebiete hier durchkämpfen müssen, hoffentlich haben diese Herren jetzt auf ihren selbstständigen Posten alle reichen Ersatz gefunden. Der Posten in der Pinkassynagoge ist nicht wieder besetzt worden, ebensowenig dürft« die Rlausgrmeind« den nun erledigten Predigerposten . wieder besetzen, es sind ebenso, wie die zwei genannten Neusynagogenrabbiner „europamüde", so die kleineren hiesigen Synagogenoerbände „rabbinermüde" geworden; — und als jüngst ein Mitglied der Pinkasgemeinde scherzend behauptete „man kann jetzt von unserer Gemeinde sagen: ,T7t N "QT1 "ip*", erwiderte ihm ein witziger Nachbar: „dies wäre in keiner Weise richtig, denn übersetzt man „"ts?"' „theuer", so war früher, als der Posten bei uns noch besetzt war, da- Gotteswort erst recht „theuer" — übersetzt man es ,nit „srlten", nun so hören wir doch das Gotteswort selbst jetzt noch aus unserer verwaisten Ranzel nicht gar so selten; in der That habe« wir seit Jahresfrist auf unserer Ranzel den hier domicilirrnden Rabbiner Popper, ehem. Rabbiner in Hohenems, Hr. Rvsenberg, ehem. Rabbiner in Mieslez gehört, und auch Hr. vr. Ehrentheil, Rabbiner in Horie, hat im vorigen Sommer, als >er eben zu einer Trauung hierhergerufen wurde, über Ansuchen de« Borstande« der Pinkassynagoge in derselben eine Gastpredigt gehalten. — Sie sehen man muß hier nicht eben seinen stabilen Rabbiner haben, um dann und wann .auch intra muros seiner Extra-Synagoge eine Predigt zu hören, und einen andern Dirkungskrei« können dir Vorstände «tiserer kleineren Synagogen nun einmal ihren Rabbiner» nicht geben. ^r««Kretch. (Bericht der Alliance Zsr. Uni», für April. Schluß.) Einei, in der Sitzung ausgesprochenen Wunsche entiprechend, registriren wir die Zahl der neu hinzugetretenen Mitglieder der Alliance. Es wurden in der Sitzung vom 8. April angem:ldet 484; wir tragen auch dir Zahlen aus dem vorigen Berichte nach: Sitzung vom 8. Januar — 68, 12. Februar — 268, 12. März — 25, immer au« den verschiedensten Ländern und Städten, zusammen also im ersten Quartal d. I 825, gewiß ein Zeichen stetigen, kräftigen Wachsthum«. Ebenso wird in jeder Sitzung eine Anzahl von neuen, der Alliance als Geschenk eingesendeter Schriften verzeichnet, so >aß sich dort mit der Zeit eine Bibliothek ansammeln wird, deren Werth hauptsächlich darin bestehen würde, daß sie Schrift»» von, für und über Juden au» allen Ländern enthält. Desgleichen wird jedesmal über Gaben und besondere Spenren berichtet. Wir lassen einzel-e Rottzen folgen. Ln Curaxao hat stch ein neues Eomite gebildet und Gelder von dort und au« Coro eingesendrt In Hinsicht auf die mehrerwähnte Berur» theilung einer LSraelittn in Bagdad wird ein Telegramm an Eamondo f. A mitgetheilt, laut welchem der Scheik ul Islam das Uriheil casstrt und telegraphisch da« Gericht in Bagdad angewiesen Hai, den Prozeß zu revidiren. — Die Gemeind« zu Rustschuck will eine Schule einrichten, es giebt dort etwa 3^0 jfib. Familien und 240 schulfähige Rinder; man will eine Schule für 150 Schüler gründen, von denen ein Drittel bezahlen soll«, man bittet um Unterstützung. E« wird eine jährliche Subventto» von 1000 Francs bewilligt. — Ein Schreiben au« Petersburg meldet, daß intolerante Maßregeln iw Gange sein. Man hat stch bemüht, den Unterrichtsminister zu bestimmen, dir Zahl der israelittschen Zöglinge auf den Gymnasien einzuschränken, und ein kaiserliche« Dekret vom 10./22. Der. pr. hat den Verwaltern der Gymnasien da« Recht gegeben, israel. Zöglinge zurückzuweisen, selbst wenn dieselben allen sonstigen gesetzlichen Erforderniffen entsprechen. Herr vr. Lan dsberg bemerkt hierzu, daß die Zeitungen gegenwärtig Mitthellungen au« Rußland bringen, die mit dieser Nachricht nicht übereinzustimmen scheinen, die im Gegentheil auf ein gewisses Wohlwollen Seiten« der russischen Regierung schließen lassen. Herr vr. Treumfel« ist gegen eine Petttton bei der russischen Regierung, die doch nichts nützen würde. Der Eorrespc ndent hat selbst keinen dahin gehenden Antrag gestellt und seine Mittheilung nur gemacht, um eine Thatsache, welche die russischen Israeliten beschäftigt, zu veröffentlichen und dadurch vielleicht indirekt Etwas zu nützen. (Der vor. Bericht hat>r uns dus die Idee gebracht, daß da« Central- Eomite der russischen Regierung durch eine Denkschrift Vorstellungen machen wolle, wir haben davon abgerathen.) — Die Gemeinde in Rom ist fett 1870 zersplittert und in Zerfall begriffen. Es war beantragt, daß die Alliance für einige Jahre das Erhalt für einen Oberrabbiner, der die Gemeinde wieder zu einigen vermöge, bewilligen solle. Herr vr. Landsberg meint, dies liege nicht in der Kompetenz der Alliance. Hr. Costa au« Livorno schildert die Verhältnisse genauer, er glaubt, man solle vor Allem ein bessere« Einvernehmen zwi-