Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 4 (1873)
- Issue
- 4. Jahrgang Nᵒ 18.
- Date
- 1873-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
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140 Pübcc! gelegenen Dorfe wohnenden) Inden im Iah« 1348 gestaltet wurde, nach L. zu liehen, richteten sie sich ein Gebäude provisorisch zur Synagoge »in. Ursprünglich mag dasselbe diesem Zwecke auch genügt haben. Diesel Provisorium dauert jedoch noch bis zum heutigen Tage fort und ist der Zustcnd der Synagoge nunmehr ein unerträglicher geworden. Scho r vor einer Reibe von Jahren projertirte man den Neubau >ün« Synagoge. Zu diesem Zweckt erwarb man damals «in!>azu paffendes Grundstück und begann die zum Umbau nöthizen Geldmittel zu sammeln. Damals schon stellte es sich sehr bald heraus, daß die Gemeinde nicht im Stand« sei, allein die nöthigen Mittel zu beschaffen, und schlug man vor, «inen Aufruf an die übrigen Mitbewohner Lübecks zu erlaffen, um tstse zur Beisteuerung von Geldbeiträgen zu veranlaffen. Dieser Plan scheiterte damals jedoch an d»r Hartnäckigkeit der »orthodoxen Partei, welche zum Cynagogenbau keine Gelder von Andersgläubigen annrhmen wollte, die ganze Sach« zerschlug sich wieder und das unerträgliche Provisorium dauerte fort. Man hat sich nun in diesen Tagen aufgerafft, um den Neulmu einer Synagoge zu Stande zu bringen. Einige der ang« ehensten Israeliten haben zu diesem Zwecke bei den Gem nndemitgliedern eine Sammlung von Geldbeiträgen vorgenonmen und haben bei Allen die opferwilligste Bereitwilligkeit gefunden, indem jeder nach Kräften seinen Beittag gezeichnet hat. Dennoch reichen die von der Gemeind« selbst gezeichneten Bettäge lange nicht aus und wird man deshalb zu außergewöhnlichen Mitteln seine Zuflucht nehmen müssen. AuS diesem Grund« beschloffen denn mehrere hiesige Vereine, au* den zu den verschiedenen Zwecken zu ihrer Verfügung stehenden Mitteln einen Thell zum Synagogenbau herzugeben. Wie war man aber erstaunt, als der hiesige Rabbiner tan letzt«» Sonnabend bei Gelegenheit einevon ihm gehaltenen Bor: rage* von der Ranzel herab entschieden abrieth, Gelder aus den Bereinskaffen zum Synagogenbau herzugeben, da jene Gevier zu den verschiedenen BerrinSzwecken gesammelt, folglich auch nur in diesem Sinne verwendet werden dürsten." Oesterreich. Ph. Mir«, 27. April. (Or.-Corr.) ES herrscht in der hiesigen Gemeind« die vollkommenste Ruhe, aber nicht die der Stogncttion, sondern die der Consolidirung. Nachdem die Rrokehler sehen, daß sie ttotz aller unternommenen Schritte und ttotz aller Versuch« Unruhen zu stiften, absolut nichts gegim die Gemeinde thun können, ziehen sie sich allmälig vom Schauplatze ihrer unrühmlichen Thätigkeit zurück, und überlast m das Terrain denjenigen, welche aufbauen und nicht nielerreißen wollen. DaS Nichtbeachttn ist das beste Mittel um allen den Schreiern das Handwerk zu legen, dort, wo keir Widerstand ist, schwächt sich der starrköpfigste Eigensinn ab. Nur der ruhigen Haltung des Vorstandes sowohl als der gesammten gebildeten hiesigen Iudenschast ist es zu verdat ken, daß wir hier nicht eben solch« Skandalscenen zu verzeichnen haben, wie sie in Ungarn durch die verabscheuungswürdigsten Manövers der „Echomre hadat" herbeigeführt wurden. Die Gemeinde geht immer weiter auf dem Wege, den schon die Altvordern vorgezeichnet, das ist der Weg der forschrittlichen Entwicklung im Sinne unserer Weisen und im Sirn« der jüdischen Satzungen. — Täglich entstehen neue W chlthätigkeitsanstalten, die frühe«» werden kräftigst unterstützt. um theil* di« Wissenschaft, -theik* die Arbeit zu fördern und zu heben, um die Rraaken zu heile» und die verlaffenea aufzunehmen. — Unmittelbar nach den Feiertagen hat sich hier die „Wiener israelitisch« Alliance" constituirt. (Vgl. hierüber die folgende EorreSp.) Leider ist es ttaurig genug, ’ wenn wir in Oesterreich die Gründung eines solchen Vereine* »ö thig haben, allein wir haben Rumänien in unser« Nähe, wo die GlaubenSgenoffen unserer Hilfe dn'ngrnd bedürfen, wir habe» auch noch andere feindliche Elemente in unserer Umgebung, zu deren Abwehr der Verein nöthig ist. Die Herren vr Ruranda, Ritter v. Goldschmidt und Ritter v. Pop' per haben dem Reichskanzler Grafen Andraffy eine Petition überreicht, worin de.selbe gebeten wird, für die Aufhebung deS Spirituosengesetzes in Rumänien zu wirken. Eine Petition deffelben Inhalts wurde gleichzeitig in London von Sir Francis Holdsmid dem Grafen Beust übergeben. Di« „Wimer Alliance" hat leider noch eia großes Terrain und einen ausgebreiteten Wirkungskreis, ihr Entstehen war für Oesterreich eine Rothwendigkeit. — Ueber die bereits kurz erwähnte Constituirung der „Israel. Alliance in Wien" ttagen wir noch einen ausführliche«» Bericht nach. „Montag den 14. d. M. fand im Saale der Handelsakademie die constituirende Versammlung der „Israel. Allianz zu Wien" statt. Hr. Joseph Ritter ». Wertheimer «öffnete als Alterspräsident die zahlreich besuchte Versammlung, «klärte den D«ein für constituirt und v«la* sodann den Rechenschaftsbericht. Die Allianz bezweckt zunächst die Unterstützung d« leidenden Brüder im Orient. Einnahmen an Fonds und Iahresbrittägen werden ausgewieseu bis zum 12. April d Z. 30,500 Gulden in Rente und 33,251 Gulden in Barem. Verausgabt wurden für Unterstützungen in Rumänien 8000 fl., für die Gustentation eine* rumänischen RabbinatScandidattn 150 fl., an 37 zurückgekehrte Auswand«« 1091 fl. 51 kr., für Unterstützungen in Smyrna 2000 fl. Die RegieauSlagen bettugen 281 fl. 88 kr. DaS Gesammtvermögen des Vereins bettägt 30,500 fl. in Rente und 18,010 fl. in Baarem. Hierauf nahm H«r Äuranba als Präsident der CustuSgemeinde das Wort und betonte, daß man vonrst für Hebung deS Volksunterrichtes in uns«e« Battrlande zu wirken habe. (Bravo.) Die» habe durch Gründung und Erhaltung von Schulen in unseren rasch oerarmenden Landgemeinden zu geschehen. Die Allianz üceruehme auf diese Art nicht nur eine externe, sondern auch eine interne Mission. (Bravo.) Anschließend hieran hebt vr. Hönigsmann die Rothwendigkeit der Gründung von Filiale»^ in»besond«e für Galizien hervor, vr. LanoSberger constatirt ebenfalls, daß die Gründung d« Allianz, welche vor Allem die sociale Emancipation anzustreben habe, einem tiefgefühlten Bedürsniffe cntsp«che, und legt der zu wählenden Borstaudfchast ebenfalls aNS Herz, so viele Flliale» als möglich zu errichten. Zum Schluffe wurde zu den Wahlen geschritten. DaS Scrutinium ergab als gewählt in den Vorstand die He«en Gustav Ritter v. Epstein, Moriz Ritter v. Goldschmidt, David Guttmann, Moriz Freiherr v. Königswarter, Joseph Mautn«, Adolph Neustadt, M. Ritter v. Pollak, Felix Roth, vr. Julius Satin, Alfred Taub«, Eduard Freche« v. To» desko und 8. Ritt« v. Wertheimstein; in de»' Beirath die Herren Jacob Brandeis, E. Baumgarten, S. Gottlieb, vr. M. Güdemann, Hildburghäußer, vr. A. Jellinek, > Or. H. Rnepl«, vr. L. Rompert, vr. Z. Ruranda, 8. Ladenburg, -