Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 4 (1873)
- Issue
- 4. Jahrgang Nᵒ 18.
- Date
- 1873-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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fann'fe viollkommen' hergestellt sein '«idi.ßkhiindhdbt werdtn, daß dft hisste Otdnuag regiett, tnib Sesttiöch kan» Mt Anforderung, die'wir gestellt Hab«: Die. Pfiege und Förderung de» RechtSgefühk», ln glänzender Weise mißachtet sein. Gesetz und Ordnung war auch die Leibetgenschaft, der Schutzzoll der Juden und so viele anbG-e Sätze und Einrichtungen einer hinter un» liegenden Zeit, Hi» inik den Anforderungen einegesunden, kräftigen RechtSßtfühl« £1» grauenhaftestem Widerspruch standen. Schädigte der Staat dlo» den Bürger, Bauern, Luden, indem er diese Einrichtungen duldete- Sie warm ein Schnitt in sein eigene» Fleisch, er durchschnitt sich die Sehnen und al» e» galt, pe zu gebrauchen gegm dm äußern Feind, versagten sie den Dienst" Wahrlich, man braucht nur einen Blick auf jene Staaten zu werfm, di« durch Ungerechtigkeiten. durch Inquisition und Berfolgungm Andersgläubiger, dir j« auch „Gesetz und Ordnung" warm, sich selbst dir Srhnm durchschnitten haben, man braucht nur auf Spanim zu sehen und eS gebärt wahrlich nicht viel Divinaüon dazu, um Rumänien ein gleiche» Schicksal in gar nicht langer Zeit zu prophezeihen^ Gr. Brrükerrk im April, D. Oppenheim. (Wir erlauben un» eine Neine Bemerkung hinzuzufügen. Der wahre gottbegnadete Dichter, hat man oft gesagt, hat etwa» vom Propheten; seine poetische Intuition läßt ihnMenschen und Dinge, Eharacrere, Institutionen u. s. w. richtig darchschaum, während gelehrtest« Forschung, tiesflnaige» Grübeln ost nur Verkehrte» an'« Licht bringt. So, dünkt un», hat Shakespeare dir Religionen, welche im „Kaufmann van Venedig" einander gegenüberstehm, intuitiv richtig aufgefaßt, obgl^ch er flcherltch nie tiefegeschiEtliche, ethnographisch« oder rrligionSphtlosophische Studim getrieben hat. Ja da» Iudenthum stellt da» Recht, da» strikte Siecht an die Spitze seiner Forderungen: „Recht thun", dann „Liebe übm." Daher der Satz: „Da» Recht durchbohre den Berg." Mildernd tritt dann dir Lieb« hinzu und mahnt „über da» Recht hinein zu gehen" d. h. etwa» von ihm aufzugeben. S o stellt «» mmschliche» und gittlichr» Recht einander gegm« übm und lehrt, daß manche» nach «rstere« erlaubt oder strafftet sei, wa» nach letzterem verbotm und strafbar ist. Dage- »m »eist da» Christmthum schon in dm seinem Stifter in dm Mund gelrgtm bekanntm Sätzen der „Bergpredigt" di« Forderung de» strmgm Recht» ganz ab, diese Forderung ist ihm an sich sündhaft. Da die Gesellschaft dabei nicht bestehm kann, so nahm man, um Recht und Liebe zu vereinigm, römisch« RechtSspitzfindigkeit zu Hülfe, sowie man z. B., dem Pentateuch zuwider, ZinSnehmm, Pfandrechte und viele» «utdrrt ln der Weis« gestattete. So ist ganz richtig Shylock der fich auf mmschliche« Recht (BIN V7) stellend«, «mn auch nach göttlichem Recht (BW 'in) tadelhafte Jude, sein Richter verhöhnt und eludirt da» menschlich« Recht durch Rabulisterei unter dem „Deckmantel der Liebe." Red.) Berichte und Torrespondenzen. Vtnijchlanö. Kkettl», 27. April. So wie im vorigen Herbst bei dom Ableb« de» Prinzen Albrecht dle Stznagogm ausgesordert ^tdordm sind, den ^Kmtersall abzukündlgm. so ist dir» auch setzt au» Aniasj der Permilhlung de« jüngern Prinzen Albrecht tzeschehm »nd >:rar in derselben Form wie früher. Dgl. unsere Rr. 45'v. I. — e» legt UN« da» „verzeichniß der zu den kirchenpölittschm HesitzeSvorlagen beim Herrenhause eingegangrnm Petitionen" (Skr. 136 de'1872—73) vor. In demselben ist eine sehr große Anzahl von Petitionen gegen die bekannten Gesetzentwürfe mit kurzer Inhaltsangabe registriri und zwar ») von Angehörigen der katholischen, d) der evangelischm Kirche Unter o) tritt dann auch eine Petition „von Bekmnem der jüdisch« Religion" auf und zwar „von 24 israelitischen Einwohnern der Stadt Schrimm: in $. 8 de» Gesetze» einzuscholten 8. 3b de» Iudengesetzr» von 1847 ist aufgehoben. — Rach den Berhandlnngm im Abgeordnetenhaus« soll da» Gesetz nur bei ReligionSwrchsel geltm. ES ist aber dringend nöthig, daß e» auch für da» Ausscheiden au» den iSr. Kultu loerbändm Anwmdung finde, und die Autscheidendim nicht durch die fortdauernde Verpflichtung zu den Last« de» von ihnen verlassenen Kultusvei bände» ruiniit werden." An dieser Petition ist nicht nur der Ausdruck „ruinirt" charakteristisch, indem er von : ornherein zeigt, daß nur Geld- Motive zu Grunde liegen (und zwar recht armselige, da Niemand glauben wird, daß die Eultusfteuern in Schrimm einen Juden ruinireu können) sondern die Sachlage zeigt erst recht, welcherlei Leute im Lande auf TrennungSfreiheit dringen. ES hat sich, w e wir wissen, eine Anzahl von Israeliteil in Schrimm von i»er Gemeind« separirt; aber ihre Motive habm weder init Reform oder Orthodorie, weder mit Eultu» und Ritu«, noih überhaupt mit Religion da» Mindeste zu thun. S» .siebt ja, — wer wollt« da» läugnmk — „ein Streiten um Flotte» willm", so stritt Mose» gegen seine Widersacher; alter e« giebt auch ein Streiten zwischen Korach'» Nachfolger» und Daihan, Abiram und Genossen, und auch solche wollm sth dann „separirm". Dir graiulirm gewissen Leutm zu solch« rdlm Bundesgenossen, und wir würdm dem Iudenthum graiulirm, wenn die genannten Nachfolger und Genossen ebm rur in Schrimm oder doch überall nur selten vorhandm wärm. Leider kinnm wir da» nicht. Magdeturg. Jüngst veranstalteten dir beidm sehr wohlthitig wirkmdm Vereine, der Krank« »Nntrrslüpung»- Pflege- und L«erdigung» - verein, unter großer Betheiligung ihrer Mitglieder eine gemeinschaftliche Chewra-Sude, in welcher der Vorsitz«nde beider Vereine, Hr. A. Guthmann, ein« alle Mitglieder beftiedtgmdm Bericht über die Wirksamkeit dieser WohlthäigkeitSanstaltm gab. Bon ganz besonder« Ersprießlichkeit erwie» sich die Thätigkeit de» jüngeren Verein» der Kranken«n trrstützung, der sein erste» Decmnium zurückgelegt, und der dm Mitglied«« währmd der Zeit, ha sie durch Kraniheit in ihrer gewerblichen Thätigkeit gestört sind, allwöchentlsch eine größere Geldunterstützung gewährt. — Al» Liiriosum sei noch erzählt, daß die Nr. 18b der „Magdeb. Zeit." ein« Steckbrief bringt, in welchem al» Signalemmt „GefichtSbildung: jüdisch", angegeben ist. Auch ein Signalement — unsrer Zettl £61(4, 2b. April. Die ,Hamb. Ref." bringt über dm projectirtm Rmbau einer Synagoge hierort» einm länger« Artikel, dem wi, Folgende» mtuehmen: „Al, e»!m (bi» dahin in MoiSling, '/» Meile von