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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1873-01-01 · 4. Jahrgang Nᵒ 16. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
4 (1873)
Issue
4. Jahrgang Nᵒ 16.
Date
1873-01-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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124 M jLKS der SProU) Wofeti. >nf. April. (Cr Gon.J Al« im ‘üuguft vor. Z. der Kultusminister verfügt hatte, daß der iSrae. Religionsnrllerricht an den Gymnasien ju Schneidemühl inb Inowraclaw auf Staatskosten enheilt werden solle, konnte man glauben, daß diese Angelegenheit nun, als nach lanx en Jahren endlich erledigt, aus de» Blättern verschwinden werde, und daß damit überall, wo analoge Verhältnisse vorliegen, die Pan'tär des jüdischen und christlichen Religionsunterrichtes jugestandeo sei. Es liegt ja, wie auch Sie schon einmal betont haben, auf der Hand, daß der Corporation-»orstand zu Schneidemühl, besten Bemühungen der Erfolg ju danken war, nicht etwa dir Tendenz verfolgt hatte, fünfzig Thaler aus dem Staatssäckel zu erlangen, sondern eben die volle Gleichberechtigung für den Unterricht in der jüdischen Rrllgion, jo lauge rin solcher überhaupt an den preußische» Gymnasien ertheit werden wird. Man müßte nun hoffen, daß dem jüdischen Religions.ehrer alle Rechte ertheitt und alle Pflichten auferlegt werden müßten, welche die Gesetze vorsä>reiben. Besoldet der Cultusminister den jüd ReligionSlehter, so muß er alS Gegenleistung alles von ihm verlangen, rras für andere Religionslehrer gilt, dieS scheint einfachste Tonseqnenz, reine Logik. Wenn zum Beijpiel nach de» Prüf ingSreglement die Abiturienten in Religion geprüft werden wüsten, so müßten von nun ab die jüd. Religionslehrer zu Schneidemühl und Inowraclaw von Staatswegen angehalten werden, diese Prüfung oorznnehmen, ja es hätte sogar ein jüd. Abiturient, der nach Erlaß obiger Verfügung nicht in der Religio» geprüft worden wäre, so behandelt werden wüster, alS ob er den Anforderungen des Prüfungs Reglementi nicht genügt hätte. Sehen wir, wie die Behörden die Sach« anfehen. > Nach dem üblichen Geschäftsgang wird dem Director die Anzeige v m der Anstellung des betr. Lehrers gemacht nird ihm aufgei ragen, denselben feierlich «nzuführen. Diesen Auftrag hat dw Gymn.-Director in Schneidemühl nicht erhalten, sondern nur den, dem Rabbiner Brann die Mittherlung zu machen, daß er sein Gehalt vom 1. Januar 1872 ab aus der Gymm.sialkasse zu beziehen habe. Unter diesen Umständen war dw Director natürlich außer Stande, dem Rabbiner auf Befragen genügenden Aufschluß darüber zu geben, in welches Brrhättnitz zur Schule er durch diese Ministerin!- Verfügung getreten sei. Um ins Iklare zu komme», wandte sich Rabb. B. an das Provinzial-Schulcollegium, setzte auseinander, laß er jetzt volle Gleichberechtigung rrsp. Verpflichtung erwa le und verlangte, daß ihm aufgegeben werde, Prädikate in die Zeugnisse zu setzen, an den Eonferenzeo Theil zu nehmen. die jüd. Abiturienten in der Religion zu prüfen und die im Laufe d«S Jahres durchgenommene Pensa zum Abdruck in das Programm abzuliefera. (Dieses Alles war früher, so lange daS Gymnasium städüsch war, geschehen, und auch alS d e Anstalt königlich wurde, hatte der Director auS eigener Liberalüät dem Rabbiner, der ja ununterbrochen Religionsunterricht enheitt hat, gestattet, Prädikate in die Censur zu s« zen und Disciplinarstrasen zu verhängen.) DaS Pr.-Schulcoll. antwortete durch Mittheilung der unlängst in der Angelegenheit deS Rector Cohn in Rawicz erlassenen Verfügung, dirznfolge der tflenannte das Recht haben soll, sich Religionslehrer zu nennen, an Conserenzen Theil zu nehmen, und Prädr'ate in die Zeugnisse zu setzen. Hiermit konnte sich Rabb. B. nicht beruhigen und wiederholte in einem Recursgesuchr an das Cultutministeriu« seine Forderungen (Schluß folgt.) MjßMnßtt, 6. April. (Or-Corr.) In der heuttgen Sitzung des Curatoriums der Marr-Haindorfschen Stiftung, wurde der Herr Rabbinats - Eandidat vr. Heinr. Zirndorf aus Fürth, zur Zeit in Manchester, zum Direktor und ersten Lehrer des jüdischen Lehrrrsemiuars zu Münster gewünscht. Derselbe ist in Wien, Lipto St. Miklosz und demnächst in England längere Jahre hindurch im Lehrfache thätig gewesen. Die Wahl bedarf der Bestätigung des Rönigl. Provinzial- Schulcollegium« hierselbsk, welch« hoffentlich bald erfolge» wird. Hierdurch ist die durch den Abgang des Herrn vr. Kroiwr eingrtretene Bacanz erledigt. Seitens de» ftultuiai, nisterium» ist der Anstalt ein jährlich Zuschuß au« Staatsmitteln ganz bestimmt in Aussicht gestellt, die dieserhalb in Gange befindllchen Verhandlungen werden ohne Zweifel zu einem günstigen Resultate führen. Endlich sei noch bemerkt, daß der Anstatt der Ankauf des Hause«, in welchem st« sich zur Zett befindet, zu einem sehr billigen Preise vollständig gesichert ist. H K«, 7. April. Auch da» oberschlefische Zudenthum ist von dem Lichte des fortscheitenden Zeitgeistes und de« religiösen Streben« beleuchtet. Einen eelatanten Beweis davon lieferte di« noch ganz junge Gemeinde zu Zabrze bei Gleiwitz, welcher Ort in der oberschlefischen Industriegegend liegt, inmitten des berühmten Berg- und Hüttenwerkes, wo dir dortigen Juden ganz vom Materialismus beherrscht sind. Diese Gemeind« feierte am 2. d. M. das Einweihungsfest ihres im prachtvollsten Styl neugebauten Bettempels. Zu dieser Feier waren die Herren Regierungspräsident von Hag. mrister aus Oppeln, Landrach Solger, Rtttmeister von Blücher, sowie Deputationen der Vorstände und des Repräsentanten - Collegium» vieler israelitischer Gemeinden, di« Spitzen der Ortsbehörden, der Eisenbahn und die evangelische und katholische Geistlichkeit de« Ortes u. j. w. erschienen Herr vr. Landsberg, Rabbiner zu Nicolai und Herr vr. Roseuthal, Rabbiner zu Beuthen, leitete» die würdige Feier. Sehr groß ist dir Zahl der silbernen und goldenen Gerächt, di« für diesen Tempel gespendet wurden. Run ist hierdurch ein neuer Beweis von dem religiösen Streben des oberschlesischeu Iudruthums, das mancher Fanatiker zu verdunkeln und in den Staub zu ziehen sucht, gegeben. L. Kobler. Oesterreich. Ans. April. (Or.-Corr.) Das Osterfest naht heran, und wir können mit Vergnügen constatiren, datz wir mit gchobener Stimmung demselben entgegen sehen. Roch nie ist in unserer Gemeind« der Armuth, insbesondere der verborgenen, in so ausgiebiger Weise unter die Arine gegriffen worden, wie gerade in diesem Jahre, und auch hier zeigte es sich, daß es keinerlei Pression in unserer Gemeind« bedarf, wenn es gilt, das Gute zu fördern, nur müssen fich die rechten Männer finden, die auch die geeigneten morÄischen Mtttel aufzufinden verstehen. So begrüßen wir in dem WohlthhätigkeitSverei» «NVLN ANVp ein« segensreiche Institution, die berufen ist, Tausenden von Armen und verschämte» hilfsbedürftigen Familie» die Sorge um Beschaffung de« Osterbrodes zu benehmen. Dieser Verein, wenngleich er dt« reichste,. und angesehenste» Gemeindemitglirder enihält, besitzt doch

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