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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1873-01-01 · 4. Jahrgang Nᵒ 16. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
4 (1873)
Issue
4. Jahrgang Nᵒ 16.
Date
1873-01-01
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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123 Form Mn gesetzlichen Maaßregeln, welch« tausende von jüdischen Familien ins Elend stürzen. Die rumänischen Lämmern greifen zu gesetzgeberischen Maaßregeln, welch« sp» perfid ersonnen sind, daß fie, ohne ausdrücklich gegen dt« Juden gerichtet zu sein, ihnen die hauptsächlichsten Existenzmittel rauben." S« wird nun dir Fafiung und die Tragweite de« Tabacksmonopolgesetze« vom vor. Jahre und die de» neuen Spi» rituosengrsr-tü besprochen, dann fährt da« I. d. D. fort: „Dieser Artikel (der unfern Lesern nach Wortlaut de« kann» achte de« fragt. Gesetze«) hat ««, in seiner allgemeinen Fafiung doch nur auf dir Juden abgesehen, welch«, dem vertrage von 1884 zum Hohn, immer noch al« Fnnde betrachtet werden, mägen fl« auch don geboren sein, oder ihre Vorfahren schon dort gelebt haben, und denen die Rumänen selbst ihr« bürgerlichen Rechte hartnäckig verweigern. Er stcht in offenbarstem Widerspruch gegen den Vertrag von 1888, welcher alle Moldo-Wo llachen, ohne Unterschied der Religion, al« vor dem bürgerlichen Gesetze gleich erklärt. Er widerspricht ebenso allen völkerrechtlichen Verträgen, denn er trifft nicht nur die rumänffchen Juden, sondern auch die au« andern Lindern in Rumänien Wolmhaftrn, und nicht nur die Juden, sondern auch die Fremden aller Religionen. In ihrem blinden Judenhaffe schießen die Rumänen so über da« Ziel hinan« und treffen die Ungehörigen der Garantiemächte. Man könnte r« nur loben, rocrn die rumänische Kammer den verbrauch geistiger Getränke durch Erhöhung der Steuern beschränke» und die Zahl der Verkaufsstellen vermindern wollte — wie birö auch in andern Ländern geschieht — aber die« ist teineöweg« die Absicht derjenigen gewesen, welche für jenen Artikel gestimmt haben. Da« geht au« i>er DiSeussion über da« Gesetz hervor, welch« 7000 jüdffche Familien, also etwa 20000 Personen, dem scheußlichsten Elend preiSgiebt. Kann Europa diesem gesetzgeberischen Attentate ruhig zufthrn? Wird es den Rumänen gefallen, jene Unglücklichen zu unterdrücken, trotz drS Rechte« der Verträge, der internationalen Berabridungen und besonder« jene« Vertrage« von 1888, dem Ruinänien seine unabhängige Existenz verdankt? Ist e« nicht Pflicht der Regierungen sich solcher, Acten um so energischer zu widersetzen, da fie die« fast geräuschlos und ohne jede Gewaltthätizkrit vermögen? Wir hoffen, daß sie ihre Reklamationen Vorbringen, und daß unsre Regierung die Stimme Frankreich« zu Gunsten der Opfer religiöser Intoleranz vernehmen, laffrn wird." * Berichte und Correspondenzen. VeutschUmb. II Merk«, 10. April. (Or.'-Sorr.) Ich habe Ihnen seit ziemlich langer Zeit nicht« über die Angelegenheit der in Palästina zu gründenden Waisenhäuser berichtet;.! dieselbe ist jedoch inzwischen fortgeschritten, indem da« ursprüngliche Eo, mite sich durch ein« Anzahl jüdischer Rorabilitätrn in Deutschland, Frankreich u. s. w. erweitert hat. Man hat dabei fast überall ein wohlivollende« und oielverherßende« (Entgegenkommen gefunden. Nachdem Sie bereit« im vor. Jahr« (Nr. 30) Au«zug au« dem s. Z. versendeten Eirrulair mitgetheilt haben, wollen Sie nunmehr au« dem Aufruft de« erweiterten Comite'« n ichstehende Progninnnsätze veröffentlichen. (Die Namen sämmtlicher Mitglieder de« Comite'« theile ich Ihne« demnächst mit> „1. Waisenhäuser sollen in Palästina zunächst an den Orten errichtet «erden, wo natff zuverlässigen Ermitteln», gen da« Vedürfniß vorhanden. 2. Die Oberleitung der Waffenhäuser liegt einem in Europa srßhaftm Curatorium ob, welche« ein Localcomite am Orte de« Waismhause« ernennt. 3. Die Erziehung der Waisen erfolgt auf streng religiöser G.-urdlage. Die heilige Schrift, -Talmud und die religio t,«gesetzlichen Bücher werden Hauptgegenstand de« Unterrichte« sein. Außerdem sollen die Waisen mit dcn nothwendigen Kenntnissen ausgerüstet und die Erziehung auch dahin gerichtet sein,*) daß die Knaben nach ihren Anlagen zu einer selbstständigen Stellung im Leben befähigt und die Mädchen für ihren Beruf al« »ereinstige tüchtige HauSftau auSgebildet werden. Zur Erreichung diese« Zwecke« sind bedeutende Geldmittel erforderlich. Wir wenden un« nun an alle Israeliten, welche ein Herz haben für ihre leidenden Brüder, welche mit u»S dahin' streben wollen, da« Elend unserer Glaubensgenossen da zu mildern, wo fie durch äußere, Jahrhunderte hindurch schädlich wirkende Enflüffe niedergedrückt werden. Wir bitten unser Unternehmer in Rücksicht auf das hohe und heilige Ziel kräftigst durch Spenden für den Grundfond, oder auch durch Zuwendung jährlicher Beiträge zu unterstützen. Zeichner von 8V0 Thalein werden al« Fundatoren de« Waisenhause« eingetragen. Oie Namen der Spender von 1000 Thalern auf Tafeln zuai ewigen Aiidenkeu im Lokale de« Waisenhauses vermerkt. Oie Jahrzeiten aller Wohlthäler de« Waisenhauses sollen nach zu erlassenden näheren Bestimmungen gefeiert und ihre Namen bei man erwähnt werden." Stettin, 18. April. Unsre Bemerkung in dem Artikel „Stettin" in Nr. 12, welche die orthodoxe Agitation für die Auflösung tcs SynagogengemeindenverbandeS scharf tadelt, hat einm gewal igen Zorne-auSbruch in der „Jüd. Pr."' und dem „JSraelit" nregt. Nachdem wir daraus ersehen, daß es Herr Rabb. Hirsch aus Frankfurt a. M. gewesen ist, welcher in Berlin persinlich agilirt hat, nehmen wir da« dort Gesagte zurück und sprechen freimüthig unser Bedauern darüber au«. Wir hatten von der Angelegenheit nur gerüchtweift vernommen und hatten einen andern Rabbiner, über den mit besonderer Achtung un« zu äußern wir keine Veranlassung haben, im Siane, können jedoch jetzt nicht mehr bestimmt behaupten, ob die Verwechrlung der Person auf einen Jrrthum unsererseits I»eruht oder von unserm Berichterstatter herrührt. Wir nehmen aber jene Aeußerung nur in Beziehung auf die Person zucück, nicht in Hinsicht auf dt« Dache. Zu weilrrrm Eingehen auf diese fehlt un« heute Muße, auch äußert die „I. Pr." ihre Erörterungen über dir Frage und ihre Polemik in einer endlosen Reihe von „Fortsetzungen", so daß wir scheu au« diesem Grunde grnithigt find, noch ein wenig zu werten. •) Wir oerstehen die ängstliche Vorsicht, welch« die Fassung diese» Satze» dictirt hat, wohl — aber ist da» nicht ein Allzuviel? (Red.) /

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