Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 4 (1873)
- Issue
- 4. Jahrgang Nᵒ 15.
- Date
- 1873-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
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Zürich studirt, so bedaure ich andrerseits die moralisch« Höh« ,n, den Feuereifer jener Orthodoxreformn, die von unberufenen gedungenen Skandakmachern sich abschrecken kaffen,' rin so segensreiche» Werk in Ausführung zu bringen. Vermischte und neueste Nachrichten. WerN». (Orig.-Co«.) Frau vr. Hilde-Heimer und derer Tochter Esther sind für ihre Dienstleistung im Lazarethe während d«S französischen Kriege» mit der Medaille für Nicht- Eon battanten honorirt worden. (I. Pr.) Anomracfa» Hier ist der bisherige Prediger an der Klar Ssynagoge in Prag, Herr vr! Cohn, einstimmig zum Rabmner gewählt worden. ArerSe» Der „Lerwaltungsbericht' der hiesigen Gemein!« pro 1872 ist erschienen. Boran geht die ,^JahreS- Rechnung", nach welcher die Einnahmen (incl. StiftungSzinfm) i.I. 18/2 auf 66,363 Thlr., die Ausgaben auf 50,356 Thlr. sich beliefen. Der vom Vorstandsmitglied! Herrn Advokatm Emil Lehmann erstattete „Geschäftsbericht" kann seiner ganzer Anlage und Ausführung nach größeren Gemeinden gerad -zu als mustergültig hingestellt werden. Er umfaßt folgend« Rubriken: l. Statistik, 2. Gemeindeangelegenheiten. 3. Ir neres, 4. Wohlthätige Vereine, 5. Stiftungen, 6. Schenkungen, 7. Rückblick. (Wir gedenken auf diesen in vieler Beziehung intereffanten Bericht, über ein so wohl geordnetes Gemeindewesen ausführlicher zurückzukommen, und führen heute nur an» der „Statistik" an, daß die Zahl der stimmberechtigten Mitglieder während des letzten DecenniumS von 121 auf 224 gestiegen ist.) Irant^ert «. M Aus dem Osterprogramm derReal- und Bilksschule der israelitischen «Gemeinde erfährt der Rck». dieses Vl. mit Bedauert: den schon im August erfolgten plötzlichen Tod des Herrn Jul. Blumenthal, langjährigen LehrerS an der genannten Anstalt und früher seines treuen Kollegen am vr. Weil'schen Institut. Zum Oberrabbiner von Colmar ist nunmehr Rabbi» n: Isidor Weil erwählt worden. „Die Beziehungen zu der deutschen Regierungen, schreibt „Univ. Zsr." bei Gelegenheit der Installation des neuzewählten Consistoriums, find auf Hö lichceit und Wohlwollen gegründet. Ebenso sind zwei Unterra ibinate (in Schirrhosen und Mutzig) neu beseht worden und zwar durch Zöglingen des pariser Seminars. W r haben uns also nicht geirrt, als wir vor langer Zeit in diesem Blatte vorausgesagt haben, daß die deutsche Regierui g gegen Anstellung französischer Rabbiner im Elsaß nicht der leisesten Eiuwand erheben werde. Zfsri». DaS Cenkralcomitr der All. Zsr. Un. hat einen weiteren anerkennenswerth'n Schritt gethan, um sich mit seinen cu.Swärtigrn Mitgliedern in Verbindung zu erhalten. ES sendet denselben seit dem 1. April einen Bericht über die Tagesordnung der Monatssitzung; dadurch sind die Mitglied« in den Stand gesetzt', ihre Ansichten über die vorliegenden Brraihunzsgegenstände schriftlich einzurrichen. Dir Circulare sind selbswerftändlich vertraulich. Ariiffet. Herr Oberrabbiner vr. Astruc hat auf Wunsch l«s Ministeriums in einem Gutachten die Stellung der Juden resp. des jüdische« Gesetzes zu der beabsichtigte«» Einrichtung allgemeines Friedhöfe ausführlich behandelt.' Wir w«d«n aus diesem' von den „Arch. ISr." mitgrthetltert' nach Inhalt und Ausdruck ganz vorzüglichem Schriftstück ii» nächster Numm« Mehrece« mittheilen. ' Pawcsoi». Die englischen Missionäre haben hier eine Schule eröffnet und einen getauften Juden als Lehrer an derselben angestellt. Dieser suchte jüdische Kinder durch schenke an Geld und Kleidungsstücken in die Schule zu locken, wa« dahin führte, daß die Rabbiner ein Verbot mit Androp hung d«S Cherem gegen den Besuch der Missionsschule «ließen. Hierauf «ließen dis Missionäre ein Rundschreiben, in dem sie den Juden Undank vorwerfrn, und sich nach manch«» lei Tiraden dahin versteigen, falls d« Chrrein nicht zurückgezogen w«de, mit Aufwiegelung de- Volkes gegen die Jude» zu drohen. Auf diese Frechheit hin hat sich eine Deputation angesehen« englischer JSraeliten zu Lord ShafteSburp, Vorsitzendem d« MisstonSgefellschaft in London, begeben und ihn höflich aber gemeffen ersucht, Abhülfe zu schaffen. D« Lord hat seinen Tadel üb« daS D«fahren der Missionäre ausgesprochen. (Z. Chr) Smyrna, 22. März. Je mehr wir unS dem jüdischen Osterfeste nähern, desto mehr steigert sich di« Aufregung der religiös fanatischen Griechen gegen die armen Juden. Bereit» find mehr«e Juden überfallen und schw« verwundet worden. Sureya Pascha ist aber entschloffen, gegen die brutalen Angreis« energisch rinzuschreiten, und hat b«eits sehr strenge Befehle ertheilt. Feuilleton. Unsichtbare Fessel». (Fortsetzung.) Eben trat Bertha h«ein, wünschte ihrem Vater guten Abend und setzte sich mit rin« Handarbeit zu ihm an den Tisch. Doch war D«rmore mehr als einsilbig, er ging gesenkten Haupte» lange auf und nieder, ganz gegen seine Gewohnheit. Bertha wagte es nicht mehr, das Schweigen zu brechen. Zuletzt blieb er vor dem Tische stehen und sagte: „Bertha, mein Kind! Glaubst Du, mich genug zu lieben, daß, wenn mich einmal ein Unglück treffen sollte, auS welchem Du «ich «lösen könntest. Du eS thun würdest?" „Welche Frage! versetzte Bertha frappitt, Du tvrißt ei ja, daß ich Dich liebe; warum frägst Du also? ES ist ja, Gott sei Dank, kein Unglück geschehen, und waS kommen kan», darüb« wollen wir unS nicht im Voran» martern." „Wenn ab« doch «in Unglück im Anzüge wäre, z. B. Dein Vater würde Gefahr laufen, lebenslänglich in da» Gr» fingniß zu kommen, wenn Du nicht ein Opf« für ihn bringst, wie dann?" „Gott steh' un» bei", rief Bertha, entsetzt von ihrem Sitz« aufschnellend und beide Hände de» Vater» «grrifrnd, „ist Dir nicht wohl, Bat«?" Hi«bei sah sie chm ängstlich in die Augen. „Du glaubst, arme» Kind, ich sei »«rückt geworden", sagte Deermoore bitter; „ich wollt' ich wäre r», dann wäre Alles vorüb«. Aber leid« bin ich bei gutem Verstand« und