Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 4 (1873)
- Issue
- 4. Jahrgang Nᵒ 15.
- Date
- 1873-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
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119 wa» ich Dir sagte, steht drohend vor mir. In Deine Hand ist ei> gegeben, ob Dein Bater für den Rest bei Lelien» ein Verbrecher sein soll, oder nicht." Der Ausdruck deS grüßte, Schrecken« malte sich auf dem Gesicht de» Mädchen», sts'ßttrrie'sprachlo» tßten Bat» Äst. * Endlich wagte sie zu fragen: „Ist da» wahr, Vater,? Äann das Schreckliche geschehen? O, treibe keitien "solchen Scherz mit mir! Du könntest mich tidten. Du, ein Ehrenmann, den die Wett achtet, im Zuchthause? Nein da» ist nicht möglich, das ist nicht wahr." „ES ist die rein« Wahrheit, armes Kind", versetzte Deermoore, „und ich bin in der gräßlichsten Furcht, von der >mr Du mich erlösen kannst. Du mußt darum nicht schlecht» von mir denke», ich bin kein Verbrecher, doch der Schein ist gegen mich, die Gegenbeweise fehlen mir. Das weiß ein Mann, der «S so gut verstanden, mich in seine Hände zu bekommen, daß ich ihm^ste Mttung preis zog »beq Eü blmüt jwir nur, «in Ausweg offen, der,' mich' an"Deine''Grötzmuth/ ä,i Deibr' Opferfähigkeit zu wenden. Du kannst Deinen Bater retten."^ „Nenne mir den Mann, Bat», $ef Dich unglücklich ' machen will", stieß Bertha nach Athem ringend hervor. „An Deinen verzerrten Zügen", versetzte D»rmoare traurig, „sehe ich, daß Du ihn ahnst. Es ist Stonehill." Bertha stieß keinen Schrei aus, wie der Bat» »wartete, kein Laut kam ihr auS der zugeschnürten Kehle, sie wankte, schloß die Augen und fiel ohnmächtig in die Arme des Baters. De»morc ließ sie in seinen Lehnstuhl nieder und wusch ihr die bleichen Schläfe mit Essig. Bertha »holte sich nach wenigen Minulet» wieder und besann sich. Dann sprang sie plötzlich auf und ihr Gesicht nahm einen drohenden Ausdruck an. „Bater!" knirschte sie zwischen den Zähnen hervor, „Bat»!" ' Du treibst ein ruchloses Spiel mit mir, Du und jenes Scheusal, ihr habt Euch verschworen, mich durch Vorspiegelungen von Gefahren, ihm in die Arme zu jagen." „Ich will Dir den unpassenden Zorn gegen mich verzeihen", sagte Dttrmoore gelassen, „da Dein Schmerz groß, und Deine Bermuthting Dir nah« liegt; dennoch solltest Du mich besser kennen, um mir solche Absichten unterzuschieben. Hi»!" und mit fieberhafter Hand suchte er nach Stonehills Papieren und nahm den Haftbefehl hervor, „Lies und urtheile selbst." Hastig ergriff Bertha das Papier und las es mit fliegendem Athem, dann ließ sie die Hände sinken, doS Papier entfiel ihr, und regungslos stand sie da. Rach mehr»en Minuten wich bie Erstarrung; ihre Stimme'-'klang bocken, .als sie scharf fragte: ' „Und wefien schuldigt man Dich an?" .„Eine- Berbrechenü, auf dem in manchen Staaten die Todesstrafe steht, deS Sklavenraubes", antwortete Deermoore, die Augen zur Erde gesenkt. „Aanit man Dir dieses Verbrechen Nachweisen?" »aminirte Bertha fort. „ES ist leider vor dem Gerichte beinahe bewies»., obgleich ich unschuldig bin, denn der Raub, besten man mich anklagt, wurde zwar verübt, aber in ganz and»em Sinne, eil» eS die Welt zu nehmen geneigt ist; ich kann mich darüb» nicht weit» auSsprechen", sagte Dttrmoore geängstigt. „Und wem gehörten diese Selaven?" fragte Bertha weit»; „sie konnten doch nur einig« Tausend Thal» wrrth sein und müssen sich ersehen lasten." „DaS ist eben mein Unglück", versetzte d» Bat» leise, rji { „die Sklaven gehören Stonehill und » will sie sich für kein Geld abkaufen lasten. Er will Dich." Bertha verhüllte sich das Gesicht mit den Händen und schluchzte laut. „Bater!" rief sie weinend, „BaterI wenn Du iinlch liebst, wem, D» willst, - daß ich ISe» finde «in Mittel, mich von diesem schrecklichen Loose zu retten. Lerkaufe Alles, ' iöä< wir haben und laß uns fliehen, fort, weit, weit fort — I in den Urwald, — wohin Du-willst — verbergen wir uns in ein» Höhle, — nur rette Dich und mich." Sie fiel vor dem Bater niedei und rang vrrzweiflungSooll die schönen Hände. j ■ Deermore ging hastig auf und ab und vergaß, daß daS \ unglückliche Kind vor ihm kniete. „O", sagte er, wie zu sich I selbst, „wie oft i't mir feit drei Tagen der Gedanke d» Flucht! gekommen, aber «r ist ein Teufel in Menschengestalt, er würde mich überall hin verfolgen und sein elender Neger bewacht .tzüch, und kotzt mir auf Schritt und Tritt. ... ~ Darin ia§ un»'sterben Vater", jammerte Bertha verzweipungsvvll, , laß uns in's Grab flüchten vor den» Menschen; denn ich kann nicht leben mit ihm, ich kann — mcht." „Bertha!" tief Dttrmore außer sich, „Bertha! stehe auf, es giebt nur ein« Alternative, entweder wirst Du Stonehills Weib, oder ich g:he lebenslänglich in die Gefangenschaft, ohne jedoch )ich retten zu können." „Ich will si erben", schluchzte B»tha, „sterben, wenn alle meine Leiden, meine Verzweiflung Dich nicht erweichen können. Toch nein! — verzeih' mir Bat», ich bin wahnsinnig! Du wirft mich retten, Du wirst mich nicht verkaufen, um Dich zu erlösen, Du wirst mich nicht in den Tod jagen. Ein Bat» kann sein Kiud nicht in Jammer und Schmerz sinken sehen. Nicht wahr, Du bist doch mein lieber guter Bater t“ Deermoore« Hirn begann zu fiebnn, und in ein» Art Geistesabwesenheit murmelte er vor sich hin: „Nein, ich bin Dein Bater nichi." Aber die Nerven d» Unglücklichen waren überspannt, und ihr Gehör scharf. Mit ein» raschen Kopsbewegung schleudnte sie di, von Thränen nassen, wirren Locken zurück und fragte: „Bia»? Du bist mein Bat» nicht? Bin ich wahnsinnig od» Du. Du bist mein Bat» nicht?" „Wie? Du hast eS gehört?" sagte Deermoore, ängstlich und verwirrt, „Du hast die mein» Angst entschlüpften Worte vernommen, die Du nie hören solltest. Höre — „Ich will nichts hören", rief Bertha, „ich will itichtS hören. Ach, danim warst Du so hart, weil ich Dir fremd bin, weil Du mnn Bater nicht bist. Öh, da kann man leicht opfern, wenn das Vaterherz nicht dabei betheiligt ist." Plötzlich ruhig werdend trat sie vor ihn und sagte: „Du wolltest also ein Opf» von einer Fremden, das Dir nur die Tochter, wenn auch mit ihrem H»zblute, gewähren konnte. Ich bin Dir Dank schuldig, für All da» Gute, daS Du mir feit meiner Kintheit erzeigt, aber durch diese eine Stunde d«S Jammers und tes Schm»zes sind wir quitt geworden, verzeihe Dir Gott, daß Du mich opf»n wolltest, um d« verdirnte» Strafe für Sclavenraub zu entgehen; da Du da» Eigenthum Stör« Hill» angetastet, ist er im Rechte. Ich gehe vonDir. Al» Dernroore diese höhnischen Anklageworte vernahm, »faßte ihn ein furchtbar» Schmerz; seiner nicht mächtig rief er mit donr.ernd» Stimme: „So wisse, da» Eigenthgm Stonehill», daS ich angetastet, die Sklavin, die ich geraubt, bist Du!"— (rin Schrei und ei« sch«»» Fall erfolgte u. in Deermoore» Zimmer war'» still» — todtenstill. (Ende d. Kap.)