Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 4 (1873)
- Issue
- 4. Jahrgang Nᵒ 14.
- Date
- 1873-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
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110 auch die NichtiSraeliten Erfurt« mit einigen Scherflein bethei'igen; dieser Wunsch ist um so gerechtfertigter, oll ja erwiesenermaßen im großen Ganzen die Juden nie gekargt haben mit Gaben für christliche oder paritätische Zwecke. (Magd. Zeit.) ^jhre*»ea. Seltsamer Weise berichtet „Iew. Ehr?' ausführlich über den Tod de« — Advocaten Emil Lehmann. Möge sich in Beziehung auf diese gottlob falsche Nachricht ein aler Volksglauben bewahrheiten.' Sie beruht nicht etwa auf ei» er Verwechslung mit Zos. Lehmann, vom „Magazin" da dessen Hintritt in derselben Rubrik Erwähnung geschieht. Vielleicht ist die Nachricht, daß Emil Lehmann unlängst au» der Dresdner Stadtverwaltung ausgeschieden ist, bei welcher Gelegenhiit ihm der Vorsitzende de« Collegium» einen sehr ehren« den „Nachruf" widmete, an dem Irrthum Schuld. £«»farg. Der Dirigent der hiesiger jüd.-Knabenjchule, vr. §.:(«, ist zum ordentlichen Lehrer an der städtischen Realschule (Johanneum) berufen worden. Zn Hamburg der erste Kill. AilS Airnüan» wird der „Lolttztg." geschrieben: Die Wahl deS jüdischen Kaufmann» Strich in Birnbaum zum Provinj iallandtage, welche durch den Landrath von Hinckeldey beanstandet wurde, ist unterm IS. d. von der Regierung als gültig «rklir» worden. Nie». Bor einiger Zeit starb hier der al« tüchtiger Hebräifl, Herausgeber der Zeitschrift „Kochbe Zizchak" und vieler a iberen Werke (eigener, wie Uebersetzungeu und neuer! AuSgab« n) wohlbekannte M. E. Stern. Er war in Preßburg; 1811 glboren. | Aarnopok Bei den hiesigen Gemeinderathswahlen be- \ finden fich unter den 36 Gewählten 18 ZSraeliten. , Hti ÜNN. Der Bericht über die Verwaltung de» mäh-! risch-jütischen LandeSmassa-Fond» 1870—72 liegt uns vor. l Der Fonds beträgt ca. eine Million Gulden, ein Erbstück au» j alter, allerdings ttauriger Zeit, um welches aber jetzt wohl! mancher Verband die mährische Zudenschaft beneiden mag.! Wir können nur einige allgemeine Angaben auSziehen. Die! Zinsen werden hauptsächlich verwendet zu Personaluuterstüt- ' zungen (Rabbiner, Lehrer, Canurn) ca. 12000 Fl. jährlich, | Gemeind, Unterstützungen ca. 3500 Kl. Schulsuboentionen J 1200 F., Bildung»- und HumauitätSanstatten 12SO Kl., j Ctipendi, n (seit 1872) 800 Fl. Crfteulich ist, daß die l wohlthättgen Verwendungen alljährlich gestiegen sind. Auch : dadurch, daß ein erheblicher Theil des Fond» auf Hypotheken > gegeben ist, wird — wie au» Andeutungen ersichtlich, manche! Wohlthat geübt; au» einer Beilage ersehen war, daß es in j Mähren 51 jüdische Gemeinden (überhaupt oder nur bei dem! Fond» berechtigte?) gibt, welche in 6 Gruppen zu je 8 ein-; getheilt sind, Naltonitz Der Direktor der hiesigen Realschule, Stepanek (eil Czeche) hat den Schülern streng verboten, ihre Schulbedürfnisse bei Zuden zu besorgen. (St. wurde bereits bei dem nor einigen Jahren hier ausg^rochenen „Judenaufstand" ge ichtlich bestraft.) Sfctis. X)ir Gesetzentwurf über die Armee-Reocganisation nimmt 67 katholische und 12 protestantische Feldgeist-! liche (Xuiuünierz) in Aussicht; von jüdischen ist keine Rede ' (Rev. Zsr.) . 3Pet'r»lnrg. Mandelstamm, ein gelehrter Israelit, hat eine Uebersetzung der Bibel ins Russische vollendet. Bisher hatte man in Rußland nur eine slavische Uebersetzung, welche dem Volke durchaus unverständüch ist. Der russische Clerut widersetzte sich lauge Zeit daher der Berbreitung der Mandelstamm'schen Uebersetzung, der Kaiser hat sich jedoch nun zu ihren Gunsten entschieden, wodurch die Popen anderer Ansicht wurden. Die protestantische Bibelgesellschaft hat die Erlaubniß zur Propaganda für ihre Bücher nicht erlangt. Htukarefl. Wir können heute auch einmal zwei Stattzen erfreulicher An mittheilen. Au» der „Rum. Post" ersehen wir, daß in Bukarest eine „iSraelittsche WohlthätigkeilSgeseüschaft für Darlehen ohne Zinsen" besteht und zwar sttt 18S6. Der Ausweis für 1*72 ergicbt: Capital 42,000 Piaster, Beiträge u. s. w. ca. 4000 P., dgvon sind etwa 43,000 vertheilt und zwar in „Pfändern, Loosen und baar." Ferner hat Fräulttn Hele Costuki Epureanu, Tochter de» Zustiz» minister«, eine Virtuosin, ein Wohlthätigkeits-Conceit gegeben und von dem Ertrage S00 FrcS. auch dem iSrael. Spitale in Bukarest mit folgendem Schreiben übersendet: „Dem geehrten Vorstände de» israclittschen Spilal«! ES gereich» mir zum Vergnügen, Ihnen für die in Ihrem Spitale befindlichen Kranken einen Theil der Einnahme meineam vierzehnten diese» Monat» stattgehabten Soncerte» schicken zu können. Möge er einigen derselben ihre Schmerzen lindern, so wird der Wunsch der llebersenderin erfüllt sein. Gez. Helene Costaki Epureanu." M»st«reß. Der Grundstein zu einer neuen jüdischen Synagoge ist letzten Sonntag durch Herrn Peixotto, amerikanischen Consul» gelegt worden. Da» neue Bethaus wird zwar in bescheidenen Dimensionen, aber in gefälligem Styl gebaut. Jaffy. Ein Jude Namen» Hajim Goldener hatte einen einzigen 18jährigen Sohn, welcher bei der Bahn nach Galacz al» Hülfsmaschinist diente. Al» er seinm rückständigen Sold forderte, schleuderte ihn der Maschinenführer während de» Fahren» von der Locornottve in einen Graben; der junge Mensch ist an den Folgen de» Sturze» gestorben. (Bericht der ». Z. U.) Startet. Die christliche Convention, welche vor einiger Zeit hier tagte, hat sich veranlaßt gesehen, beim Congreß zu pettoniren, den Namen „Gott" in die Constitution aufzunehmen. Diese» sechszehnte Amendement bezweckt weiter nichts, als daß officiell anerkannt werde, daß Amerika ein christliches Land sei. Wie sich denken läßt, hat sich sofort noch eine große Anzahl für die Aufnahme de» lieben Herrgott» in die ameiikanische Verfassung ausgesprochen. Andere, und das keineswegs Juden, Atheisten und sonstige Ketzer, sonderr hochangesehene christliche Geistliche sind gegen diese» Amendement und begründen ihre scheinbar gottfeindliche Haltung. Die bloße Aufnahme de» Worte» „Gott" in die Ver-- fassung bedeute allein noch nicht Christen thum. Die Türken, sagen sie, glauben ja auch an Gott und sind doch keine Christen. Ebenso wird auf die Anhänglichkeit der Juden an den Gott ihrer Väter hingewiesen, ferner, daß viele Stämme eristiren, die vom Christenthume nicht» wissen und an den „ungesehenen großen Geist" glauben. Es würde demnach, wenn Gott in die Verfassung aufgenommen würde, die Frage nach demselben entstehe», ob er „Allah", „Jehova" oder „großer Geist" genannt werde, oder ob er der christliche Gott, wie er in seinem Sohne Christus sich offenbart habe, sei. Diese Fragen hat die gute Convention übersehen, al» sie sich