Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 4 (1873)
- Issue
- 4. Jahrgang Nᵒ 14.
- Date
- 1873-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
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111 -u ihrer Petition zu Gunsten de« außer der Verfassung stehenden Herrgott» veranlaßt sah. .(N. Z.) , . . . . ■ * z f Feuilleton. U«kchtbare Fessel«. sFortsetzung.s Rtnatt» StyittL Mein Herz in btt Brus» War näffmb aus-eschnittr», Qnb tu4 btr Herzen »wunb, hervor Die rothen Dropsen glitte». Hein«. Laubhüttenfest, sonst im Deemore'schen Hause stet» recht heiter gefeiert, war nun. auch erschienen. Moh und Jutta i plauderten viel über Jugend- und Heimathrrinnerungen an | di« ©iiffo* dort im fernen Bayernlande; die Famili, Hütte 1 fröhlicber sein können, al» seit vielen Jahren, aber der Hau»-! beyr war einsilbig, in fich versunken, die heiterste Anekdote j autz den alten Tagen kounte ihm kein Lächeln abgerrinnen. i ©«zgvurden auch die Uebrigen verstimmt, und nur Bertha'» I Naturell ließ keinen andauernden Trübstni« in ihr aufkommen,! besonder» da der Later noch «ehr al» sonst freundlich und liebepoll, gegen sie war und mit keinem Worte mehr der ver- \ haßten Heirath gedachte. So fiel mit dem Feiertage noch I einmal Sonnenschein in ihr Leben, baMcholltt r» sich ja ganz l verfinstern. Doch da kam noch ein anderer hellster Sonnen- J blick. Moriy erschien am zweiten Festnachmittuge freuden-! strahlend, und sobald er mit Bertha allein war, theilte er! seine Reuigkat mir. itr hatte gestern unvermuthet und zum j erstenmal, seit er Amerika'» Boden betreten, einen Bekannten; gefunden, einen Studiengenossen, dieser hatte ihn bei Dr. G., i einem der berühmtesten Aerzte der Stadt, ^geführt, von! dem Moritz al» Assistenzarzt' engagiu worden war, wenn anch 1 vorerst nur aus Probe Doch glaubte er damit seinem Ziele einm mächtigen Schritt näher gekommen, ja er hoffte bald - im Stande zu sein, bei den, Vater um seine Geliebte anhalten . zu dürfen. Die Freud« Bertha'» sollte nur einen Augenblick ungej trüb» sein, denn Moritz fügte bald seinem Berichte noch einen ' Anhang, ein kleines Aber hinzu, „vr. G, hat eine Filiale j in,Philadelphia, so werde ich gezwungen sein, ihn wöchentlich einmal dort zu vertreten und drei Tage in jeder Woche werde 1 ich fern von Dir sei» müssen." I Da» war'», daß Bertha, sonst bei aller Liebe, bei man , chem anmuthigen Zuge von Schwärmerei, so ein durchou» ver-! nünfiige», so praktisches Mädchen, zusammenschrak, daß sie | zitterte, daß ihr Auge sich init Thränen füllte? War'» wieder, ' wie einst als Sto»iehill i» das Zimmer trat, ein dunkle Ahnung? Moritz kam daher nur sehr zögernd zu der weiteren Nachricht, daß er schon heute Abend seine erste Reise antreten \ müsse. Es war Bertha, als redete er von einem Abschied auf > Jahre, auf ewig, sie mußte weinen. War das nicht linkisch? „Bertha, sagte denn auch Moritz sanft verweisend, Mädj chenl was kömmt Dir bei? Willst Du meinen Entschluß wankend macheiz? Willst Du Dich der paar Tage der Entfernung wegen grämmi? Komm! sei gutm Muthe«, es geschieht ja zu unsrer Beider Wohl. Muß ich nicht filr unser Glück artetten? Dorf ich erwarten, ein so herrliche» Mädchen wie Du, zu besitzen, wenn ich mir nicht ein« Stellung! zu schaffen suche?" , J Bertha gab ihm Recht; sie bat ihn wegen ihrer Thorheil u« Verzeihung, sie war auch beim Abschied viel gefaßter, al» Moritz nach der vorhergegangenen Scene erwartet hatte. Al» sie ihm die Straße hinab nachsah, sprach sie jedoch zu sich: Hätte ich ihn nur nicht fortgelaffen. Arme Bertha? Hättest Du ihn nicht fortgelassen.- » » « Dir Uhr auf dem Kamine im Hinterzimmer Deemoore» schlug sieben, Belah hatte Licht gebracht und fich entfernt. Der Bewohner de» Zimmer» ging unruhigen Schrittes, die Hände auf dem Nacken, auf und ab. Obgleich der Festtag vorüber, hatte er l»och keinen Anfall seiner eingebildeten Krankheit gehabt, denn feit dem ersten Heirathsantrag Stonehtll», schien sie ihn ganz verlaffen zu haben, aber er wischte sich von Zeit zu Zeit den Hellen Angstschweiß von der Stirne. Ich kann nicht, idi* kann bei Gott nicht, rief er halblaut; ist sie auch nicht mrit: Kind, sie ist mir an» Herz gewachsen, sie ist mein, und ich habe sie an Kindes statt angenommen, sie geliebt, wie mein Herzblut, und jetzt, da »ch sie hergeben soll, lieb« ich sie um sc mehr. Nein, nein! ich gebe sie nicht. Aber soll ich um einer ganz Femden willen, mein Leben i« Zuchthause verbringen? reflecttrte er weiter — und zwar ohne dem Mädchen helfen zu können, den» sie gehört ihm, und er »vird sie bekommen, er, der Satan in Menschengestalt. Als ich den Eid am Bette eines sterbenden auf die Zehn Gebote in meinem kleinem Buche schwor, dachte ich nicht, daß mir meine gute That so schlecht belohnt werden würde. Aber e» ist Gotte» Schickung, ich kann nicht helfen, und »venn mir da» Herz bricht, es muß seni. Doch der Eid, fuhr er fort, kann ich diesen Eid brechen? Geschworen habe ich dem Kinde ein Bater zu sein. Bin ich ihm nicht ein liebevoller Erzieher, ein Bater gewrser? will ich sie nicht als Erbin meines Vermögens einsetzen? Habe ich meinen Eid denn gebroch»? Ist es meine Cllmld? Ist r» nicht oielmehr di« des Barer»? Warum hat er darr zu thun versäumt, was so nothwendig war, ehe eS zu spät geworden? Aber lieber Gott, fuhr Drermoore " fort, und trocknete sich zn-ei große Thränen, lieber Gott! ich liebe sie doch so ehr. Gieb' mir einen Weg an, Allmächti« ger, daß ich das Kind nicht zu opfern brauche. Ja Gott schw^gt und läßt mich leiden. Vielleicht verlangt er auch dieses Opfer von mir, und was er verlangt können arme schwache Menschen nicht verhindern. Also denn in Gottes Namen! Der Herr hat'S gegeben. der Herr hat'S genommen der Nan»e de» Herrn sei gelobt, sagt auch Hiob schon, und ich bin um kein Haar besser als Jener war. Nachdem Herr Deermoorc also, wie die meisten Menschen, die Schuld von sich abgewülzt ur d Gott damit belastet, wurde er ruhiger und beinahe kalt. Der Würfel war gefallen. Die Angst um das eigene Wohl trug den Sieg über alle anderer» Gefühl, davon. (Fortsetzung folge.) «ö.r Zur gefälligen Notiz. Der bttnh den Detzerfirtk« auch t» «einer Offizin eingetreten« Detzerntangel »ernrsacht, einig« verzvgerungi« Erscheinen der „Wochen sehr tft". U« die «achstcht »er Leser »ährend dieser unouMltn Verhältnisse bittet die Hofbuchdruckerei soon Carl Friese.