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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1873-01-01 · 4. Jahrgang Nᵒ 14. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
4 (1873)
Issue
4. Jahrgang Nᵒ 14.
Date
1873-01-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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108- £>tattg«*t, 27. März. (O. <&.) Sit Sund« von dem hiesigen Iudenkrawall an winistur« hat der Telegraph bereit« i;i alle Wett Hinausgelrogen doch dürften die Notizen eines r.ugenzeugeu den Leiern der „Wochenichlif," gewiß willkomme» sein. 7'iensiag Nachmittag entstand in einem jüdisch. Steider' geschäste zwischen einem (betrunkenen» Soldaten und dem 'Verkäufer Streit; Polizei wurde herbeigeholi und der Widerstand leistrnke Soldat von 3 Polizisten mit Gewalt gebunden und verhaftet. Das gab einen Auflauf (cs war karhol. »Feiertag und sehr viel Menschen ans den ctrajjcii), man deinolirte zunächst die Fenster :c. des belr. Ladens und als nian später den £ »ldaten tobt sagte, »ahm die Menge und die Aufregung einen l>«denklicken «tbaracter an, io daß gegen 10 Uhr Abends die betreffende Straße und der nahe Marktplatz durch Infan terie und Uianeil geräumt werden mußte. In den umliegenden t» »ffen jedoch fand es der Pöbel gerathen, bei mehreren (6—x Juden die Fettster einzuwerfen, unter dem Ru'- Rau« mit den Iud'! und ähnlichen. -- Auch gestern Abend war, trotz dw obrigkeitl. Bekanntmachungen, «ine zweite, vermehrte Auflage der Erzeffe zu erwarten, denn uxrr Ohren hatte, konnte allerlei Redensarten vernehmen, in denen „Iud'" bald! Subject, bald Object war. Rach Einbruch der Rächt wurde j ndeß eine sehr bedeutende Militärmacht entwickelt und die j ungeherre Menschenmasse unter Anwendung der blanken Waffe | zunächjt durch Polizei und Gendarmerie zersprengt, ttlegen > 10 Uhr war es auch in den entfernteren Stadttdeilen ruhig, aber d e ganze innere Stadl von starken Militärposten besetzt' irrt _n bx 8. Soeben höre und sehe ich, daß auch gestern Abend j bei mehreren Juden in den oberen Straße»,' nach welchen die < Menge zurückgedrängt war, Fensterscheiben eingeworfen wor! den sind. Man hat sichere Anzeichen, daß die Socialdemo- I cratie hre sauberen Hände im Spiel bat. Schon vorgestern } Abend wurden der Oberbürgcrvieiftrr und der Stadtdirector! insultiit, gestern Abend einige Polizisten schwer mißhandelt. I S tuttgart, 30. März.sO. E.sNach 2 Tagen schrecklicher Auf-! reguug und wüsten Lcandals hatte es Donnerstag den An-! schein, als ob di« Sache ziemlich vorüber wäre, wenigsten« richtete sich der Haß mehr gegen die Polizei, welche Mittwoch Abend tüchtig drein gehauen hatte, wobei 53 Polizisten zum Theil ehr schwere Verletzungen davontrugen. Man hatte sich aber getäuscht. j Donnerstag Abend, es war noch nicht Nacht, stürzte! plötzlic) eine mir Hämmern und Ltämmeisen versehene Rotte! auf den Kleidrrladen »es Hern, Süßkind in der Markrstraße, > zerbrach und zerschlug Thürrn und Fenster und raubte eine j beträchtlich« Menge Kleider aus dem Lade», ehe di« Polizei gei trügen!»« Mannschaft stellen konnte. Das war der mit einem! Knall«ffecl ausgestanrre Schluß de« famosen Schauspiels! Soj fori nurden Marktplatz und Nachbarschaft wieder besetzt und | seitdeni die Ruhe nicht mehr gestört. In Summa also sind ' 2 Läteir theilweise demolirr und der eine beraubt, in X 10 I Iuder häujern tauch iu 1 christlichen) mchr oder weniger! Scheuen zerstö.t und — die Besinnungen eines großen j Theils unserei Bevölkerung erkannt. —■ Die Behörden haben! ihr« S chuldigkeit in vollem Maße gelhan; «Gendarmerie wurde! aus dein ganzen Lande beigezogen und das Militär auf Perj langet sogleich zur Verfügung gestellt. Ein Arbeiter, der am t Mitln och eine beruhigende obrigkeitl. Bekanntmachung abgerissen batte, tvurde am andern Tage schon zu 2 Monaten Kreisgetängniß oerurtheilt. Die Untersuchung wird eitrrgtsch geführt und fortwibreitd Verhaftungen vorgenommen.' Freitag- und gesteru Abend leisteten die Feuerivebr, Schützrugilde und die Stadtreiter leine Art Bürgenniliz» bis gegen Mitteti nackt Sicherbeitsdienste, nachdeni sie von den städtischen Oolle- I gieu dazu aufgefordert waren, auch heute und morgen werden j diese Eorps sick versammeln und patiouili.cn.-Da« ist 1 die alte, ewig neue beschichte, doch ist uns gottlob das Herz i dabei nicht ent,weigebrocken, vielmrdr ist zu constatirrn, daß! kein einziger Jude auch nur im Geringsten körperlich beschädigt! Ivorden ist. | Leider, leider mußten wir die Erfahrung machen, daß i eine sehr beträchtliche Quantität Judenhaß in noch sehr vielen > Kreisen der hiesigen Bürgerschaft eristin. — Von de» Zri< tungrn beschränkten sich die eineit darauf einfach objectiv und vorsichtig zu berichten, ander (bes. der demokratische „Beobachter^') verhielten sich scharf verurtheilend, nur 2 („Bürgerzeitnng" und „Presse,") reizten öfter direct oder indirect durch ihre Darstellungsweise. Dir auswärtige» .steittuugcn ha en meist übeltrieben, einige konnten ibre ' judet,feindliche Besinnung nicht verbergen, (so die ersten Nachrichten in A. A. .st.) *-«» dr« Ksaaöverschea «ns. März erhallen wir »ock eine ausführliche Besprechung des >xoucsdte»stbesuchzwang- Paragraphen. E» werden Beispiele angefübrl, daß nickt blo« in kleinen subvenlionirlen Stemeindru derartige Strafen a»g« jetzt und riiigezogen worden seien Obqleick der Herr Korrespondent Ramen nicht genannt hat, so erratbeu ivir doch, daß die Data sich auf den Emdeun- Bezirk beziehen, l^s ist uns nicht unbekannt, daß einer der früheren Landrabbiner daselbst ein sehr scharfe» Regimen« geführt hat, obgleich derselbe später, in andere» Stellung, mit möglichster Energie für die unbedingtc Autonomie, gegen jeden Iwang durch Vorsteher, Rabbiner oder '>>emeindeversafsung ringe,relen ist. ES ist eben nicht nur „was zwei thun." sondern auck waS Einer in verschiedener Zeit und Stellung tbut, nicht dasselbe. Eine Disrussion über dir Rechtsbeständigkeil oder Zeilgemäßheit der fraglichen Bestimmung, aus welche die Korrespondenz eingeht, scheint jetzt überflüssig. Sie ist in einer Zeit entstanden, in der kaum Einer sie als Gewissenszwang anstößig gefunden haben mag, sie entsprach altem Herkominen und de,» * Schulchau aruch; jetzt würde sie niemand mehr neu sanctioniren, darüber sind wohl alle ernig. So wud sie unbeklagt „begraben werden," und wir finden eS daher überflüssig, hier zu einer L eichen rckx für den Minjanzwang Material zu sammeln. tttuuänfe«. T. Werts«, 23. März. (».-«> orr.) Der Fürst hat bis heute das Branntweiii-Monopol-Gesetz nicht bestätigt. Daß die Pforte einen Protest dagegen eingelegt oder osficiell dagegen remonstrirt oder abgerathen habe, ist nicht wahr. Welche «Gefahr unS übrigens droht, zeigt das Benehmen mehrerer Beamten, unter andern eines Präfectur - Directors, welcher schon jetzt, bevor daS Gesetz vollzogen ist, Befehl gegeben hat, die jüdischen Sckaukwirthe innerhalb fünf Tagen aus den Dörfern u. s. w. a uszweisen! Ich habe mich heute an den glücklicherweise a»w«senden Minister Epureano gewendet, und dieser hat jene Maßregel inhtbirr. Ich hoffe bestimmt, daß Fürst Earl, au» Rückficht auf dir Beschwerden sehr vieler christlicher Einwohner, da« Gesetz

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