Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 4 (1873)
- Issue
- 4. Jahrgang Nᵒ 13.
- Date
- 1873-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
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ber Harrison-Plaatage. Wir beide, Du und ich, hatten uns ein schöne« Vermögen in kurzer Zelt erspart; meine«, da« ich in der Seqmour-Planrag«, einer sehr kleinen Pflanzung au» legte, brachte gute Zinsen. Du aber hattest Deinem ftrcunbc Harrison die Hälfte Deine« Capital« ohne die geringste Sicherhetk anvertraut. Der alte Mann war nicht allein lief verschuldet. er war auch kränklich, und zwar litt er an ei ner unheilbaren vrustkrankheit, di« ihn oft Wochenlang aus« Lager warf. Der einzige Trost seiner Leiden war in erster Reihe sein kleine« dreijährige« Töchterlein und dann Du, der sich in solchen Zeiten fast nie von der Plantage entfernte. Eine« Tage« nun, der Leidend« konnte sein Lager nicht mehr verlassen, wurdest Du an sein Krankenbett gerufen, da er Dich, wie Du mir selbst erklärtest, bezahle» wollte, denn e« war eine Erekution gegen seine Habe ausgestellt und Dein Freund wollte nicht, daß Du mit andern Gläubigern in die Masse gehen solltest. Roch während Du au seinem Bette saßest, kamen die Beamten und belegten Alle« mtt Beschlag, Land, Gebäude und Neger. Silber, Gold und Zuwelen fanden sie nicht mehr vor, denn dies« hattest Du von Deinem Schuldner al» Zahlung Deine« Guthaben« schon empfangen, und sie waren wohl aufgehoben in Deinem Reisesacke. Abend« wurde viel geschrieben und unterzeichnet zwischen Euch beiden, in Gegenwart eine« Notar». Al» jedoch Herr Harrison, der sein End« herannahen fühlte, da er durch die gehabt« Aufregung de« Tage« bedeutend kränker geworden, al«, merke auf! Harrison nun den Notar aufforderte, einen Freibrief für ein« alte Negerin und noch einige dergleichen Gesindel auszrischreiben, da er diese bei seinem Tod« frei geben wolle, erklärte der Sachwalter, daß cd nicht mehr möglich sei, da Iw» ganze Eigenthum Harrison« Gläubigern gehör« und eine Schenkungsurkunde nach gerichtlicher Auszeichnung der Gegenständ« al« werthlo« zu betrachten sei. Hierauf ersuchte Harrison den Notar, sich zu entfernen und Du hattest ein« lange Unterredung mit dem Kranken. Nach jener Nacht kaust Du zu Pferde auf meine Plantage, mein Aufseher öffnete Dir die Thüre, Du liegest mich durch ihn wecken, und rrzichltest mir Alle«, wie ich« Dir eben vorgettagen und zwar in Gegenwart de« Aufseher« Am nächsten Morgen warst Du au« der Gegend verschwunden, hattest aber die Pretiosen, eine alte Negerin und die Nein« Bertha mit Dir genommen. Harrison selbst wurde tobt in seinem Bette gefunden. Der fürchterlich« Verdacht, der auf Dir, de« schnellen Tode« Harrtsen« wegen lastete, wurde durch eine Obduktton der Leiche zu Nichte gemacht. Trotzdem wurden Haftbefehle gegen Dich ausgestellt, Du warst de« Sklavenraubes verdächtig, sowie de« Diebstahle« von Eigenthum, den gesammten Gläubigern augehörig. Ich schützte Dich durch meinen Einfluß vor gehöriger Nachforschung und Du entkamst glücklich hierher." „Jene Plantage kaufte ich mit allem Inventar, von dem natürlich die Dir bewußten Stücke fehlten. Du bist also mein alleiniger Schuldner; der Berhaftbefehl befindet sich mit dem Originale der Inventur in meinem Besitze. Durch zinen Federstrich ann ich den damals durch Dich geraubten Sklaven die Freiheit geben, Dich auch verhaften lassen; die Requisition des Gouverneurs ist bald beschafft, wir bringen Dich nach dem Süden zurück, sperren Dich lebenslang ein, Bertha besorgen wir auch dorthin, dort ist sie mein, mein Weib, mein Geschöpf, kurz irgend etwa«, da« mir beliebt," schloß Stonehill feine lange Rede. I Deermoorr!»atte mtt größter Spannung zugehört, die sich zu einer tidtlichen Angst steigerte, und ihm fast den Athem benahm. Dick« Schweißtropfen perlten auf seinem Gesichte. „Aber Stonchill," sprach er, „von allen diesen Ding« hast Du mir nie Etwa« geschrieen" „Ich wollt« Dich nicht ohne Grund ängstigen, denn, ich befand mich in sc guten Umständen, daß ich da« bisher entbehren konnte." „Warum aber jetzt?" fragt« Deermoore tonlos. „Jetzt? Do« kann ich Dir erklären: ersten« bin ich bankerott und brauch« Geld, und zweiten» gefällt mir da« Mädel, und die will ich al« angenehm« Zugabe zum Gelbe," entgegnete Stonelill mit höllischem Hohn, der seinem Opfer in» Herz schnitt. „Ich will Dir zwanzigtausend Dollar« geben," sagte D. mit schwerem Athimzuge," wenn Du allen Ansprüchen entsagst. E« ist die größere Hälfte meine« Bermigen«, aber die betreffend«!» Papiere mußt Du mir vorher zeigen, denn ich glaube Dir nicht." „Sieh Freund!" entgegnete Stonehill ruhig, ,cha« ist ein recht schöne« Angebot, und so wahr ich lebe, vor vier Wochen noch, ja noch gestern, so sehr ich da« Mädchen lieb«, hätte ich Deine Offerte angenommen, aber da fie mich haßt, würde ich st« um der Welt nicht bergeden. Uebrigen«," fuhr er freundlich»Fort, „ist e« mit dieser Frau auch etwa« Andere«, al« mit einer gewöhnlichen Dame; wenn eine Frau nicht parirt und ihren Manne da» Leben verbittert, er muß e« ertragen und schweigen, aber meine liebe klein« Bertha wird erst dann recht werthvoll für mich werden, wenn ich fie nicht mehr leiden kann." Deermoore stieß einen schrecklichen Schrei au« und bedeckte mit den zitternden Händen da« Gesicht. Schwere Thränen quollen buch seine Finger, ein Weinkrampf schüttelte den Kopf de« starker Manne«. „Stonehill, Teufel! den ich für einen Freund gehalten," jammerte Deeniwore, nachdem er seiner Thränen Herr geworden. „So wahr wie mir Gott gnädig sein möge tn meiner Srerbestun»«, so wahr ich unglücklich bin! Dich hat keine jüdische Nkutter gesäugt!" Statt aller Antwort lächelte Stonehill und reichte dem Unglücklichen «i nige Papiere. „Lies mein Freund," sagte er, „und glaube." Zitternder Hand empfing Deermoore die Papiere und versuchte zu lesen. Alle« schwamm vor seinen Augen. „Hier ist die Inventur, lie«!" sagte Stonehill, da« betreffende Papii r auseinanderschlagend. » Deermor« versuchte nochmals zu lesen und es gelang ihm einigermaßen. „Barmherzigkeit, um de« barmherzigen Gotte« Willen, Erbarmen, flegle der Unglückliche die Hände ringend. „Nimm da« Geld, unr laß mir das Mädchen." „Narr!' sagt« Stonehill, „das Geld kommt schon, wen» ich das Mädchen habe, denn sie ist Deine Erbin, und Du liebst sie, da liegt eS schon in Deinem Interesse, ihr e« gut gehen zu lassm. Also zum letzten Male: Gieb sie mir zur Frau oder ich- „Halte;in," rief Deermoore verzweifelnd, „sonst werde ich toll, ich kann Alle«, nur diesen Gedanken nicht erttagen. Wenn Du nur da» eine Wort nicht gesagt hättest, wenn Du ihrer > eipft überdrüssig bist... der Gchanke macht mich wahnsinnig."