Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 4 (1873)
- Issue
- 4. Jahrgang Nᵒ 13.
- Date
- 1873-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Vermischte und neueste Nachrichten. 102 St»1t««r1, im März. (Or.-«orr.) Kürzlich hat in der »iesigen Hebammenschule di« Beschneidung eineisrael. KnäbleinS stattg-funden. Einer der anwesenden Lehrer der Anstalt (natürlich ein Mediciner) äußerte sich dabei schr begeisteil über die Weisheit de« israel. ReligionSgesetzeS und sagte „wenn eS in meiner Macht stände, würde ich die Beschneirung allgemein bei unS einführen." Die von ihm da sür angeführten medicinischen Giünde können hier nicht wiedergegebtn werden. Li«z. Dem Geschäftsbericht der hies. CulruSgemeindr für 1472 entnehmen wir folgende Data. Neu zugezogen find 27 Mitglieder, abgegangen 7, Bestand 116 Mtglieder, einschließ ich 4 Beamte. DaS Conto der Gemeindekasie bilancin mit 4552 Kl., dazu kommt noch besonders daS Conto d«S LempelbaufondS (4417 Fl.) und der „Zedoko" (039 Kl.), doch brstehen die Ausgaben letzterer, mit Ausnahme von 46 Fl. für Mazzoth, in solchen Posten, die man sonst nicht zur Zedoko rrchnrt, nämlich Spesen für Synagogenchor u. dgl. K esterreich Eine auf officielle Erhebungen sich stützende Statistik deS Ludenthums in Oesterreich hat sehr interessante Data zu Tage gefördert. Zm Lahre 1*30 lebten in der westlichm ReichShälfte stark 355,000, jetzt, 40 Lahre später, haben vir mehr alS 820,000 Luden, d. h. I Luden auf je 25 Einwohner berechnet, was eine jährlich« Durchschnittszunahme von mehr als 3'/, pCt. repräsentirt, während die Gesamt tbevölkerung nur um jährlich */4 pCt. gewachsen ist. Besonders stark ist (von 249,000 auf 613,000 Köpfe) die Zunah» e in Galizien und der Bukowina, wahrhaft überraschend (von 1500 auf 52,000 Köpfe) in Niederösterreich mit Wtm. Die relativ dichteste jüdische Bevölkerung (auf 1 Luden lommen 9 Köpfe der Gesammtbevölkerung) finden wir in Gal(i n; in Wien ist jeder 15 Einwohner ein Lud«; Krain d »gegen zählt nur 1 Luden auf je 21,000 Köpfe. (Diese Zunahme, für Wien sehr natürlich, ist für die, Gesammcheit weder durch Ueberschuß der Geburten noch durch Einwani erung erklärlich. ES muß in der Vergleichung ein Kehler secken und wir vrrmuthen, daß die Zahlen für 1830 zu niedr g angegeben waren. Red.) Neapel. Der neulich hierher berufene Rabbiner Debenedetti hat an der Univerfität vor einem zahlreichen und gewählten Auditorium Borlesunaen über semitische Sprachen eröstnet. (Corr. Lsr.) N» starrst. Kürst Karl hat das Spirituosengesetz nicht bestätigt. (Hamagid.) Bagdad. Eine» Mordes beschuldigt war rin Lsraelit von der summarischen Justiz zum lode verurlheilt worden, die Hinrichtung sollte baldigst stattfinden. Auf ein an die Alliance zerichtes Telegramm und durch die thätige und warme Lerwendr ng des Hauses Camondo in Konstantinopel ist ein Aufschub von 10 Tagen erlangt worden, der Großvezier hat Befehl zu einer neuen Untersuchung gegeben; mag dieselbe, wie immer, auSfallen, der Beschuldigte wird nicht hingerichtet sein, eh« er ernstlich abgeurtheilt ist.*) Ein Zweig der ge- *) Spricht nun nicht eine einzige solch« Geschichte Bände sür Pari« und gegen alles Zerreißen und Abzweigen? Wo sind denn in Berlin die Fäden, di« solche Nachricht bringen od-r solch« Verwendung vermitteln könnten?! Red. d. I. W. nannten Familie wohnt in Pari« al« streng religiöse Israeliten. Hr. Risfim de Saawnd» feierte jüngst in seinem Hause, in der darin befindlicher! prächtigen Privatsynagoge, dir Bar» mitzwa seine« einzigen Lrohne«; die Anwesenheit de« Urgroßvater«, eines mehr al« 90jährigen Greise-, verlieh dem Acte hohe Weihe. (Arch. Lsr.) Kairo, 1. März. Bor etwa einem Monat »erließ ein junge« jüdische« Mädchen ihre Familie, um einem Muselmann, den sie liebte, zu folgen. Die Polizei legte sich jedoch rasch in's Mittel und wollte daS Paar trennen, worauf da« Mädchen rrkärtr zum LSlam übergehen zu wollen. DaS ändrne die Cache, die Polizei verwies fle nun an di; religiöse Behörde, und der Scheit ul LSlam nahm die Convrttstin selbst vor. Er sagt«: „Du willst also aus Liebe zum Propheten deine Aeltern und au« Widerwillen gegen deine Religion, der Du die unsrige weitaus vorziehst, jene 'verlassen. DaS halte ich für sehr wahrscheinlich, »ud ich will Dich gern aufnehmen. Aber ich knüpfe daran ein« Bedingung: Du bleibst »n meinem Harem, bi« deine Aufrichtigkeit vollkommen erprob« ist. Damit Du mich ferner in einer so wichtigen Sache nicht mißverstehest, belege ich außerdem von jetzt ab mit dem Banne jede gesetzliche »der ungesetzliche Beziehung zwischen Dir und Deinem Entführer; kraft meine« heiligen Amt« und zur Ehre des Z-lam. Ich habe gesprochen. Du hast drei Tage Bedenkzeit." Da« Mädchen war wie vom Blitze getroffen, ihre Hoffnungen waren zertrümmert, kein Muselmann trotzt einem Banne d«S Scheik ul Islam. So dal fi« denn alsbald — zu ihrer Familie zurückkehren zu düifen, und da« ist geschehen. (Arch. Lsr.) Feuilleton. Unsichtbare Fesseln. (Fortsetzung.) „Mein lieber Henry! begann nun Swnrhill, ich hätte Dich gern geschont und ebenso Bertha, dir mir ein geliebte« Weib hätte sein sollen, aber Du willst keine Gnade; Du verachtest den Feind, weil Du seine Stärke unterschätzest, Du glaubst von zwei Nebeln das kleinste zu wählen und bist im Lrrthume, wovon ich Dich in aller GemüthSruhe überzeugen werde. Du glaubst, meine Batterien vernagelt zu haben und ich habe sie noch nicht einmal demaskirt. Ich bin kein dummer Lunge, der sich heute oor.iimmt, morgen seinen Freund durchzuwalken und ihm bei der nächsten Begegnung, auf Drohung mit dem Zorne d«S beiderseitigen LehrrrS, einen Apfel in die Taste schiebt, bewahre! ich bin von dem Schrot und Korn, woraus man Männer macht und von dem Du so verfl .... wenig an Dir hast. Ich, Solomon Stonehill, sage Dir deshalb, Bertha wird meine Frau, oder wenn Du es lieber ivillst, meine Maitresse und Du wirst ihr zwanzigtausend Dollar HeirathSgul geben. Du lächelst? Nimm Dich in Acht, lieber Freund! damit Du heute nicht noch weinst" „Gehen wir um ungefähr vierzehn Lahre in unserer Erinnerung zurück, fuhr Stonehill fort, Du warst damals ein junger lebenslustiger Mann, und da unsere Charaktere in biefer Beziehung ziemlich gleich waren, wurden wir bald gute Freunde. Aber obgleich ich von Deinem Glauben, von Deinem Stamme war, lag Dir doch die Freundschaft eine« Anderen, eines Christen, mehr am Herzen, die des alten Harrison von