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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1873-01-01 · 4. Jahrgang Nᵒ 13. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
4 (1873)
Issue
4. Jahrgang Nᵒ 13.
Date
1873-01-01
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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101 rationell werden den Namen Unselm Freiherr v. Rothschild mit Dankbarkeit und Verehrung aussprechen. /mckrrich. Die neue Synagoge in der Rne de la Bictoire geht endliib ihrer Vollendung entgegen. „Univ. Jsr." liefert eine Bescyreibuug derselben, au» der wir entnehuien, daß der Architekt weder den maurischen noch den gothischen Styl gewählt. sondern eine originelle Verschmelzung de» romanischen und byzantinischen Styl» erstrebt har, und — daß die Synagoge den Alinemor in der Mitte haben wird. Die rituellen Gründe, welche wohl für diese Einrichtung angeführt werden, sind nichtig, dagegen leuchtet ein. daß der Architekt sich für Anbringung de» Almemor in der Mitte entscheiden mag. Es giebt keinen jüdischen Baustyl, der Baumeister müht sich ab, etwa» zu erfinden, was die Synagoge auch architektonisch, und nicht bloß negativ, von einer Kirche unterscheide und greift zumeist zum „Maurischen", weil ihoi jüdisch und orientalisch verwandt erscheinen; warum also nicht das eine architektonische Moment ergreifen, welche» wirklich der Synagoge eigenthümlich ist, den Almemor? Von modernen großen Synagogen hat wohl nur die zu Hannover einen solchen, der Baurath Oppler ist dabei auch lediglich von künstlerischen Mottven, vermuthlich von dein angedeuteten, geleitet worden. — Ein neue» Gesetz verbietet die Sonntagsarbeit von Fraueil und Kindern in Fabriken. Der Deputirte Bamberger bemühte sich vergeblich ein Amendement durchzubringen, demzufolge da» Verbot der Sonntagsarbeit auf Christen beschränkt bleibe. Die Gegner beriesen sich hauptsächlich aas eine im Jahre 1841, bei Diskussion eine» früheren ähnlichen Gesetzes, von Fould gelhane Aeußerung: „daß seine Religion keinen anderen Schutz begehre, als den der allgemeinen Gesetze, daß eine Minorität von 300,000 (??) Personen das Gewissen von 3b Millionen nicht geniren dürfe (!?), und daß obendrein denjenigen unter seinen Glaubensgenossen, welche den Sonnabend feiern wollten, dies unverwehrt sei, sie würden dann eben zwei Ruhrtage genießen." — De mortui» etc. etc., aber den liberalen Juden von dem Schlage Foulds haben wir viel — Uebles zu verdanken. Eroßbritau»te«. «Loudo«. Da» Comitö der Deputio» of theBritish Jens versendet einen Schlußbericht und Rechnungsablage über den Persischen UnterstützungSfonds. Dem prachtvoll gedruckten Hefte, 59 Seiten gr. 8 «., ist sogar eine groß« Karte von Persien beigegeben. Wir haben bereit» vor einigen Monaten au» einem älteren Rechenschaftsbericht Notizen mitgerheilt und begnügen uns hier anzugebrn, daß der Abschluß der Einnahmen und Ausgaben mit ca. 19,000 Pf. Sr. balancirt; 344 Pf. St. sind »och in Cassa. — „Zew. Ehr." macht darauf aufmerksam, daß der Schah von Persien bald nach Europa koinmen und daß es zweckmäßig sein werde, an ihn eine Deputation israelitischer Notabeln abzusenden, welche ihm über die Lage seiner israelitischen Unterthanen und die Verbesserung derselben Vorstellungen machen könnte. Auch möge man erwirken, daß ein mit den Verhältnissen bekannter englischer Jude sich in Persien niederlasie, um für die Glaubensgenossen zu wirken. — „Zew. Ehr.' klagt auch darüber, daß ein Richter einen jüdischen Handelsmann wegen verkaufen» am Sonntage in Strafe genommen habe. Wem da Fall Rvchahmuag finde, so muffe das für die Juden, welche den Sonnabend feiern wollen und sollen, sehr verderblich r»erd«n. Lärkei. « 3*r«r«few, 10. Februar. Der Plan, Zerusaleni mit seiner Hafenstadt Jaffa durch eine Eisenbahn zu verbinden, scheint nun doch verwirklicht werden zu sollen. Die von der türkischen Regierung für diesen Zweck ertheilte (tonccffion ist vor einiger Zeit in die Hände des Engländer» Hugh Forbe» gelangt, der all« Bürgschaften einer rasrhen Ausführurg des Unternehmens bietet. Er hat bereit» Ingenieure abgesandt, welche die Bora «beite» begonnen haben» und denen in diesen Tagen noch einige folgen werden. Diesel nt sind meistr-.theil» Franzosen, die oberste Leitung de» Baue» übernimmt Forbe» selbst. Bis zu End« de» April hofft man mit dem Studium des Terrains fertig zu sein und mit den Erdarbeiten beginnen zu können. Jaffa ist von der heiligen Stadt 75 Kilometer entfernt, eine Strecke, von der ein Drittel auf die Küstenebene kommt. Die Bahn wird fünf Station«n haben, von denen sich eine in Ramleh und eine in Lydda liefinden wird. | Da Jerusalem 750 Meter über dem Meere liegt, so muß die j Bahn einen Uriweg nach Bethlchm machen, welcher Stadt sie bis auf etwa drei Kilometer nahe kommen wird. Trotz jener I hohen Lage Jerusalem« aber werden die Steigungen der neuen! (2 Schienenstraße nirgend» größer als 16 Millimeter sein. Rach dem Ferman, t«r die Concession enthält, hat der Unternehmer das Recht auf Ausbeutung der Steinbrüche und Min?ralienlager, welche sich zu beiden Seiten der projectirten Linie finden, bis auf eine Entfernung von je 10 Kilometern. Unzweifelhaft wird die Bahn den Besuch der heiligen Stätten Palästina» steigern, an eine besondere Rentabilität derselben jedoch kann ich auch jetzt nur in dem Falle glauben, daß man bei der Ausbeutung jener Brüche und Minen aus werthvvlle Erze oder Steine stoßen sollte. Smyrnki, Ende Januar. Ein armer Israelit, Oesterreicher von Geburt, kam vor einigen Monaten au» Alexandrien hier an und »erlangte in die Gemeinde der römisch-katholischen Gläubigen ausgenommen zu werden. In Folge dessen wurde der Neuankörimling — obwohl keineswegs deS besten Leumundes genießend — vom Erzbischof mit Artigkeiten überhäuft und von diesem selbst getauft. Einige Wochrn später verlangte der zu neuem Leben Geborene auch getraut zu werden und zwar mir einer FrauenSp^son, die er bereits aus Alexandrien mitgesührt hatte. Hier intervenirte nun, wir man mittheilt, in unliebsamer Weise für die Betrosfenrn die politische Behörde — das österreichische Eonsulat — welches inzwischen in Erfahrung gebracht hatte, das; der Heirathecandidat in Alexandrien bereits an eine Israelitin verh-iri-thrl sei, un» derselbe kein Dokument aufzuweisen vermochte, welches dessen gesetzlich vollzogene Scheidung von der ersten Frau vorgr schriebenermaßen nachwie» Der Erzbischof kümmerte sich nicht um de» Protest und die wiederholten ernsten Vorstellungen der weltlichen Behörde und vollzog die Trauung. Er be, richtete nach Rom, und seine Handlungsweise wurde gutgeheißen.

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