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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1873-01-01 · 4. Jahrgang Nᵒ 13. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
4 (1873)
Issue
4. Jahrgang Nᵒ 13.
Date
1873-01-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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4 100 Journal! zu unfern Berichten bringt mehrere Leute zu dem Glauben, daß wir Ihre religiösen Ideen zu verbreiten streben und Paitei ergreifen. Diecompromittirt unser Werk und unsre Unparteilichkeit in derartigen Fragen. Ihr Blatt mag gut oder schlecht, emag unsertwegen vortrefflich sein, das kümmert unS nicht. Es genügt, daß eS einige Personen verletzt, urr Sie aufzusorden,. es nicht mehr unserem Berichte beizulegin." „£r. ÄI. antwortete, er habe sein Blatt den Paketen der Alliance nie anderdenn als Papier zur Berpackung beige' legt*), veil aber die orthodoxen Gewissen so empfindlich seien, versprach er förmlichst, sich auch nicht mehr auf Mtf* Weise ins Blattes zu bedienen. Das Centralcomitä bewilligt, ihm vertrauensvoll eine neue Ausgabe eines Ber chts. Unglücklicherweise wiederholten sich dieselben Klagen und noch lebhafter da Hr. Kl. unterdessen Redacteur des „Synodalblattes" geworden war, welches manchen Leuten noch widerwärttger war, als der „Israel. Lehrer". Hr. Kl. hat in einem se ner Blätter zugestanden, daß er alte Nummern seiner Blätter als Emballage gebraucht habe. Die Eorrrfpondrnten de- Eewralcomitä behaupten, daß er seinen Paketen Probenummrru des Synodalblatts beilege; einige haben die Nummern als Ben eisstücke aufgehoben. Wie dem sei, das Eingestind niß des Hrn. Kl. genügt. Der Ehrenmann hat sein Wort gebrochen, und das Centralcomitä hielt sich für verpflichtet, ihm den Druck seiner deutschen Berichte nicht mehr anzuvertrauen. Dies« Maßregel, von religiöser Tendenz, wie dies die Gegner der Alliance behaupten, weit entfernt, war, im Gegenteil von dem Wunsch« eingegebcn, die Alliance von den relt,siisen Fragen, welch« Deutschland spalten, fern zu halten. Wäre Hr. Kl. aus dem Lager der Orthodoxen gewesen, tatt daß er dem der Reformer angehört, so würde da- Verfahren des Eentralcomitä ihm gegenüber ganz dasselbe gewesen sein. Daß Hr. Kl. das nicht begreift, ist kein Wunder, aber daji Andere feine Sache ausgenommen und einen Mann unterstützt haben, der im offenbarsten Unrecht ist, das ist sonderbar; aber wir wissen nur zu wohl, wohin Parteileidenschaften und Religionsstreitigkeiten führen! Die Alliance thut gu:, sich davon fern zu halten, indem sie bleibt, was sie sein soll, und nur dies: israelitisch und allgemein." Si> west die Rev. Zsr. Wir machen noch darauf aufmerksan, daß H. Kl. die Berichte immer zuerst mit demselben Satz in seinem Blatte abdruckte, wodurch entweder eine unzebührliche Verzögerung entstand, oder für ihn eine b^euterd« Ersparniß an Satzkosten für sein Blatt oder — Beide-. Es handelt sich auf Seilen des „Märtyrers de- FortschiittS" also keineswegs um die bloße Ebre. *) Als „Makulatur" sagte er einmal in seinem eigenen Blatte: „Unseliger Teig, von dem der Bäcker selbst bezeugt, daß er ungenießbar sei", sagt ein talmudische» Sprüchrvon. Es ist aber auch die Kl. Behauptung das directefle Gegentheil der Wahrheit. ZmZ. 1868 waren nnserm Pakete ganze Reihen von Blättern des „Israel. Lehrer" nebst Abonnementseinladungen beigelc^t. Die betreffenden Nummern enthielten unter andern die Berichte über die Caffeler Rabbiner-Versammlung. Es ist uns diedarum so genau erinnerlich, well uns damals das ftagliche Blatt iberhaupt znm erstenmale zu Gesicht kam. Zn späteren Jahren habe» wir die Berpackung nicht brachtet und können nicht auSsager, «oea.:» sie bestanden ha». Red. d. Zsr. Wochenschr. Oesterreich. E. Ph. Me», 18. März. (Orig.-Eorr.) Die „Ehewra kadischa" ist der älteste und löblichste Verein des Zudenthums und auch speciell jüdischen Eharakters; die Festlichkeiten dieses Vereins haben deshalb auch immer ein ächt jüdisches Gepräge im schönsten und edelsten Sinne des Wortes. Es herrscht da eine Eordialität, Freundlichkeit und Gemüthlichkeit, daß man versucht wäre, die ganze große Versammlung für eine große Familie zu halten. Das war auch der Eindruck, den das Festbankett der hiesigen „Ehewra kadischa", welches am 10. Adar abgehaltrn wurde, auf mich machte. Was die Wiener Zudenschaft an Wissenschaft und Intelligenz, an Reichthum und socialer Stellung besitzt, war hier vertteten. Die Versammlung bot einen außerordentlich imposanten Anblick. Nachdem vr. Ignatz v. Hvfmansthal Bericht über die Wirksamkeit des Vereins erstattet batte, eröffnet« vr. Kuranda den Reigen geistreicher Tischreden mit einem Toaste auf den Kaiser; es folgte vr. Jellinek, der nur die Lereinsinitglieder, vr. Güdeman», der auf die Räthe der Krone, Ritter v. Goldschmidt, der auf die beiden eben genannten Herren und die Lehrer der Gemeinde toastete. Hieran reihten sich Trinksprüche auf den Gemeindeoorstand und auf den Vorstand der Ehewra kadischa. Herr Jos. Ritter v Werrheimer geoachte der unglücklichen rumän. Juden; Herr Hoftath Ritter v. Weil, erinnerte an einen Ausspruch Gabr. Rießcr's aus den dreißiger Jahren. „Im Prockßlandc Hannover, schiieb dieser, darf kein jüdischer Advocat wohnen. Zn Baieru, wo viel Bier getrunken wird, ist es den Juden verboten, Brauer zu sein und im Krämerlandc Württemberg darf ein Jude keinen Detailhandel treiben." Zn ähnlicher Weise gehe es jetzt den Juden in Rumänien. Beide Redner forderten auf, der Alliance Israelit« beizutteten. Große Freude erregte ein von dem abwesenden Vernnsmitgliede Moritz Pollak eingegangenes Telegramm, das zur Verlesung kam, und worin derselbe mittheilte, daß er zur Erinnerung an den heutigen Festtag 4000 Gulden zur Sffftung eines Bettes im neuen Spitale spende. Am 10. Adar hat noch eine andere Feierlichkeit stattgesunden, die aber — wie es ächter Wohlthätigkeit geziemt — in aller Stille vor sich ging. Au diesem Tage nämlich übergab He-r Nathaniel Freiherr v. Rothschild im Namen seines Vaters, der durch Krankheit persönlich zu erscheinen verhindert war, das auf dessen Kosten erbaute jüdische Krankenhaus der israelitischen Eultusgeineinde. (Tags zuvor hatte H. v. Rothschild dem Gemeindevorstande schriftlich angezeigt, daß er nicht nur die Gesammtkoften übernehme, sondern überdies 25,000 Fl. als Reservefonds überweist.) Das Haus ist zweistöckig und enthält ungefähr 50 gcräuuiige Ziniiuer, im! Vorsaal ist eine Tafel mit folgender Inschrist angebracht, „Zum Andenken an seinen verewigtet' Vater Herrn Salomon Freiherrn v. Rothschild ließ Herr Anselin Freiherr v. Rothschild in den Jahren 1809—1872 das Krankenhaus aus eigenen Mitteln erbauen. In denkzeittger Erinnerung dieses Werkes der Menschenliebe widmet die israelitische Cultusgemeinde Wiens dem edelmüthigen Gründer diese Gedenttasel. Sie soll der Nachwelt Zeugniß geben von dem warmen Mitgefühle des Sttfters für seine leidenden Mitmenschen und seinen Namen verherrlichen für alle Zeiten. So wird der 10. Adar deS Jahres 5633 für die hiesige jüdische Gemeinde ein ewig denkwürdiger Tag bleiben und noch viele Gene-

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