Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 4 (1873)
- Issue
- 4. Jahrgang Nᵒ 11.
- Date
- 1873-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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fichtSvolleren und Bifferen sehen toahi bai Unbegründete und Tadelnswerthe des ganzen Vorgänge-' sehf wühl dft urfb lassen das Act'wnscomstF ruhig grnÄhrtu.Vielleicht roirt sich doch das bessere Gefühl mir der Zeit Bahn brechen and daS bessere Element den Sieg davon tragen, damit die SerLsj^onsgelüste zum Schweigen gebracht werden. Der Vorstand der Muttergemeinde ist beriüht, den Frieden aufrecht zu erhalten und hat selbst in seiner' Aeußerung an die Stätkhaltrrei den neuen Einrichtungen ausdrücklich die Absicht tiefgehender principieller Bedeutung abgesprochen. Den orthodoxen Führern ist danatürlich sehr unangenehm, sie Hütten es lieber gesehen, wenn der Vorstand die Separation^wuth geschürt hätte, wenigstens wären dann die «-.rparatisten um Motive nicht verlegen gewesen. N. H?r«g, 20. Februar. (Or.-Corr. — Schluss.) Die Vereine schießen hier überhaupt seit <»7 wie die Pilze nach dem Stegen aus dem Boden auf, während die aus alter Zeit noch alle weiter bestehen, und es giebt in der jüdischen Gemeinde nur sehr wenig Männer und Frauen, die nicht mlt einem Vereinsamt betraut wären. Der älteste und angesehenste Verein ist die Beerdigungsbrüberschaft, deren Statuten im Zähre 1665 vom hohen Rabbi Lib geschrieben uni» unterschriebm sind. Diese Statuten sind unverändert geblieben, aber schwerlich würde ihr Verfasser in dem hier jetzt üblichen pomp« funebre seine Schöpfung wieder erkennen. lieber Gewissenszwang kann sich hier Niemand beschweren, für Alles, wa» jüdisches Wissen und jüdisches Leben nur wünschen kann, ist in so mannigfaltiger Weise vorgesehen, daß Zeder nach seiuer Faxon jüdisch leben kann, Um auch nicht die blässeste Zdee von. Hierarchie aufkommen zu lassen, ist eine provisorische Rabbinatsverwesung (das Wort klingt „etwas faul", aber ich weiß kein bessere-) aus einein Collegium von 3 Männern gebildet, deren jeder Zede»n bietet, waS er braucht. Für rituell geschlachtetes Fleisch, rituelle- Frauenbad, Ostermehl und Mazzoth, selbst muttt rtJKS ist Fürsorge getroffen. Seitdem verfassung-gemäß Niemand mehr zu einer religiösen Handlung gezwungen werden kann, giebt es auch hier Zuden in der Vorhaut. Eine Zusammenstellung der hier üblichen verschiedenen Liturgien würde ein merkwürdige- Kaleidoskop abgeben. Seitdem die Altschul zum Tempel und ihre Besucher sich zum Verein für geregelten Gottesdienst umgewandelt, hat er für seinen Prediger, zuerst den sel. vr. Sach-, dann besten Nachfolger Prof. -ämpf, die Berechtigung erworben auch gesetzlich gültige Trauungen zu vollziehen. Noch weiter ist der Verein der Meisel-Synagoge gegangen, indem er für seinen Prediger Vr. Stein die Berechtigung zur Vollziehung aller rabbinischen Functiouen kür die Mitglieder der Synagoge bei der Behörde auSgewirkt hat. Aber außer den Trauungen ist die Praxis der übrigen illusorisch geworden, da zur Bildung eine- EollegiumS sich ihm keine College« biete». Die Prediger der übrigen Synagogen bedürfen zur Vollziehe ug einer Trauung einer Delegatiou. Da- Rabbiuat ist leutselig genug, «ine solch« niemals zu verweigern. Der außerordentliche Prof. - Jtftmpf ist auch unter de« neuesten Regime noch nicht ordentlicher geworden. Am 7. Februar wollte vr. Stein sein 25jährige- Skabbinat-jublläum, null er nicht, wie sei» Wiener College, die Feier nach seinem ersten Rabbinat-fitze verlegen wollte, « stillen Famllimkreise begehen; doch tran-pirirte Etwadu^'j-n« wit wli hören, gab emancherlei Ovationen, von Settels seiner Gern, inde einen Pokal,'von einer Schulanstalt eiil^ Äwessk, von Einzelnen mancherlei Aufmerksamkeiten. ‘ Doch gtNug f,r jetzt, weiß ich doch noch gar nicht, ob meine Notizen nicht anstatt in Zhr Blatt in den Papierkorb waitdern werden. Geschieht erstere-, so könne» Sie deren von Zeit zu Zeit mehr haben. (Sehr erwünscht. Red.) '' 9 |l«s Zbtßme«, Ende Februar. (Or.-Cor.) Jüngst trug mich das geflügelte Dampfroß die schneebedeckten Ufer der in schlangenart ger Windung dahinstießenden Zs er entlang — ein gellen»» Pfiff, und der Zug hält am Fuße ein» von einem alterthümlichei, Schlosse gekrönten Berges; „daS »st S. — sagte mein Waggonnachbar — da oben residirt ein jüdischer Gutsherr, und so weit hier ringium Zhr Auge reicht, und n.»ch >oeiter, viel weiter reicht sein Gebiet.^ Ich weiß nicht war'S Ironie, war'» Neid, was seinen Worten einen gewisten herben Beigeschniack verlieh, genug, ich fühlte mich nicht angeregt, weiten Nachrichten über den jüdischen Rittergutsbesier aut! dieser Quelle einzuholen, obwohl ich mir's, wir Sie wissen, zur Aufgabe gemacht, „Land und Leute" in Böhmen kennen zr lernen und in der „Wochenschrift", so gut'es eben geht, ,jU schildern; im nahen T. — dachte ich — will ich im Tchooßr der dortigen Cultgemeinde das Nähere zu erfahren suchen. In T. fand ich Synagoge und Schule, an welch letzterer zwei Lehrer wirken, von denen der Eine von Zeit zu Zeit c uch -anzelredrn hält; von einem besonder!» wohlthätigrn Einflüsse auf Tempel und Schule kann, wie ich hörte, die unmittellmre Nähe des so reichen, wahrhaft gebildeten jüdischen GutsiesitzrrS schon darum nicht sein, weil dieser noch juüge geistreiche Herr bis jetzt auch nur ei» einzigemal feinen Platz in der Synagoge einzunehmen für gut fand — er zahlt nohl, wie man mir versicherte, seinen CultuSbeitrag! ist aber st nst nur dem Namen nach CultuSgemeindemitglied — und doch könnte bei regem Sinne für jüdische- Gemeindewohl ein junger, überreicher und gediegen gebildeter Mann, wie dieser jüdische Ritter, de- Guten und Schönen so Vielewirken rnd fördern in der seiner Burg so nahe gelegenen Cultu-grm rinde; doch ist rS ja, meinen wir, solcher Männer heilige Aufgabe, das in adligen hochariftokrattschen -reisen so ängstlich in jcker Beziehung beobachtete „uodlesso oblige“ auch in jüdisch religiöser und cultueller Beziehung zur Geltung zu birngen. Daß doch unsere jüdischen Ritter und Barone nur ,,ar so selten und ungern den Juden hervorkehren.' und von ihren hohe» Ritter- oder ZinSburgen nur dann nnd wann mitleidsvoll auf ihre jüdischen Brüder herabschauen l Doch idi soll Ihnen ja ReueS berichten und meine Zeremkade ist eben schon etwas Alte-; kaffen Sie mich Ihren gesch. Lesern also nur noch ein Histörchen erzählen, damir auf der Reise vor einem mir wohlbekannten achtbaren Gewähr-manne mitgntheilt wurde, und dadaher nicht etwa wie eine Correspondenz defamosen Wiener .Lsraelit". Correspondeute»! den« oder mal-trornto, sondern vollkommen wahr ist. Der Held de« kleinen Geschichrchens ist wieder ein jüdischer, von frovmen Aelteru abstammender Rittergut-best tzer Derselbe machte im verflossenrn Zahre eine Erholungsreise nach Rom — feine Mittel erlauben ihm dir-. Nachdem er daselbst im Ansch<ruen der -uustschätze geschwelgt, fühlte der jüdisch« Cavalier da« Bedürfntß, um eine Audienz beim belli« gen Vater der Christenheit nachzufuchen, und war so glück, llch' — vorgelaff«» zu werden. Wader Papst dem jüdi-