Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 4 (1873)
- Issue
- 4. Jahrgang Nᵒ 11.
- Date
- 1873-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/5369809-5935020-5935694--1598-5371178- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
- 84 so zu fiu tn, in eine neue Sera ein. Di« hiesige @amnte %. v. bestand bisher reichlich zu drei Fünfteln aus Domicilionteu. Natürlich wird auch unser Kirchenvorsteherami «ine etwas andere Physiognomie erhalten. Cb wir zu hosirn oder zu fürchbn haben —? Zunächst treten drei Mitglieder aus, für welche Neuwahlen vorzunehmen sein »erden. Münch», Anfang März. (Qr.-Corr.) Unter den neuen Erscheinungen, welche die jüngst« Monate unserer! Kunst-Bereins-Ausstellung gebracht haben, nehmen durch die Feinheit hier Komposition sowohl, wie durch die glücklich« Ausführung die Werke S. Hirschfelder's einen hervorragenden Rang ein; namentlich gilt „Die Brotvifitation" als «in äußerst bedeutend«s Kunstwerk, von dem die Gartenlaube in Rr. 8 einen Holzschnitt brachte. Das Bild darf auch den Lesern dieser Zeitschrlst zur besondern Beachtung empfohlen werden» da der Künstler zu den unfern zählt und wir alle Ursache haben mil Befriedigung auf seine Leistungen zu blicke». Zm Gegensatz, zu so manchen seiner Kollegen, die häufig nicht allein all« und jede Verbindung mit dem Zudenthum abbrechen, sondern es auch geflissentlich zu verleugnen suchen, ist H. von warmer religiöser ächt jüdischer Gesinnung, der, um nur eins hervorzuhtben, selten eiuen Sonnabend oorübergehen laßt, ohne den Synagogengottesdienst zu besuchen. — Das erwähnte Bild hat librigens hier bei Laien und Fachmännern gleiches Aufsehen *rwgt. Man bewunderte die wohlüberdachte Anlage des Ganz«», die geistvolle Kennzeichnung der Situation und der einzelnen Personen, namenüich das ungewöhnlich fein« Gefühl fü - die Farben, welches diesen Künstler in hohem Grade am zeichnet. > Nicht minder schön gezeichnet und poettsch gedacht ist ein andere» Bild H.'s, „Die Neugierde in Verlegenheit", da» zu gleicher Z>it mtt dem oberwähnten ausgestellt war und nicht wenig Beifall fand. ES spricht aus tan Bilde, wie überhaupt au« allem, di« dieser Künstler geschaffen, ein frischer gesunder Humor, welcher nur allzusehr mtt den frühen, äußerst dürftigen kebensverhältnissen H.'s contraftirt. Er hatte lange uit Schwiwigkeiten zu kämpfen, denen eine minder zähe und au «dauern!« Natur, ein minder fester kharakter gewiß unterlegen wäre. De» Leben» ernste Seite Hot er in vollem Maße kennen gelernt — nun zählt er allerdings zu den berühmiern Namen der Münchener Künstlergeuosieuschaft. H. ist Autodidakt. gehört keiner der hier scharf getrennten, zum Thell sich auch feindlich gegenüberstehenden Schulen an, den Platz, den er jetzt einnimmt, verdankt er nur seinem eigenen schönen Talent, n>i«enttich aber der rastlosen Energie» der unermüdlichen Stribsamkett, mtt welcher er fein Ziel verfolgte. — Außer ihm (<tai in München noch mehrere bedeutende jüd. Künstler, mt L. Neustädter u A., die sich in ihrem Fa«h« «inen groß» Nuf erworben. Auch auf einem andern Gebiete der Kunst, in der Musik, haben wir hier einen hervorragenden jüdischen Vertreter. Hofcapellmeiftir Levi, Sohn des Rabbiners zu Gießen, hat sich whrend beikurzen Zeit seiner hiesigen Wirksamkett allgemeine Sympathie und Achtung zu erwerben gewußt, nicht minder bei Hof « e beim großen Publicum, welches ihm überall mtt besonder» Wohlwollen, «an darf sagen mtt Enthusiasmus entgegenkiamtt, als bei den unter ihm wirkenden Künstlern. Selbst Wagner, der in seine« Buche „über das Dirigiren" gar seltsame und sonderliche, zu« Thell auch unerfüllbare Forderungen an den Dirigenten stellt und zu der Annah«« geneigt ist, ein wirklich guter Dirigent darf nur — Wagner sein, scheint für Levi .immerhin eine Ausnahme gestatten zu wollen. Er holl «klärt Hab«, L.sei einer der sehr Wenigen, die den Dirigentenstab zu führen verstehen., Merkwürdig ist die Aeußerung einer hiesigen Primadonna: fett L. das Orchester leitet — Hab« ihr iRetcrll einen bedeutenden Zuwachs gewonnen, nämlich in der Kehle, chre Stimm« sei Heller und klangvoller geworden. Wie Levi dieses Kunststück fertig gebracht, vermag ich allerdings nicht einzuschen, ist aber nicht nöthig. — Bedenkt man, daß in München, der Welt der Zukunftsmusiker pur ereUonce, Wagner lange ausschltrßlich das Hest in Händen hatte, so darf man mit Recht die Besetzung dieses wichtigen musikalischen Postens mit einem Zudem als einen Fortschritt verzeichne. Vor wenigen Zähren wäre ein solcher Frevel gegen die heil. Cäcilia im kathol. Baiern undenkbar gewesen. Oesterreich. Wie», 26. Februar. (Orig.-Korr.) Mit der Bildung einer selbstständigen sogenannten „orthodoxen" Gemeinde ist es nun wohl ein für allemal zu Emde. Alle Anstrengungen ta secessionistischen Führer waren vergebens, wohin sie sich wendeten, erhielten sie immer nur abschlägige Bescheid«. Zn der Thal ist da» ganze Treiben nur auf den Muthwillm Weniger zurückzuführen, welch« L taut prir ihre Person in den Vordergrund dräng« wollen, ohne zu bedenk«, wie sehr sie mit ihrem herostratischem Beginn« da» allgemeine Beste schädigen. Di« Muttergemeinde hat, wenn wir auch ihr Vorgehm nicht lob« können, ta, noch niemals Veranlassung ge» grbm zur Ausscheidung eines lheiles der Gemeindemitglieder, sie hat im Gegmtheil immer ihr Augenmerk darauf gercchtn, den Anspruch« aller Partei« gerecht zu werta,; daß dabei nicht jede, Partei ihre volle HRfttedigung sind« kann, lieg' in der Natur der Sach«. Dtts haben auch die Behörtar in Betracht gezogen, indem sie da» Verlangen der Orthodox», ein« eigene Gemeinde bilden zu woll«, mtschichm zurückgewiesm. Zeder gebildet« und tolerante Mensch huldigt wohl dem Grundsatz« Friedrich deS Groß«, der Zeta, nach seiner eigen« Faxon selig werden läßt, wmn nur eine eigen« Foxon vorhanden ist. Bemerkenswerth ist, daß das Ministerium bei dem n«erlichen Recurs der Cecessionisten nicht einmal mehr die Meinungsäußerung des (taneindevorstaudes über dies« Gegmstand forderte. Nun bleibt dm orthodox« Führe« nur noch «in Weg zur sicher« Abweisung off« — nämlich die Appellatton an d« Reichsrath. Der Reichsrath wird aber nach Gründen frag«, toelche dir Ausscheidung nothwendig mach«, und trotzdem dies« gewöhnlich billiger als. vrombeerm find, dürft» sie in diesem Falle nicht so leicht zu Hab» sein. Dir letzt» Reform« soll« angeblich die Veranlassung gewesen sein und di« Ausscheiduugsgelüfte, welche schon fett Zahrm von ta, Heißsporn« gepflegt wurden, zu« Ausbruche gebracht Hab«. Wer diese Reformen kennt, weiß, daß sie die Tradition nicht in eine« einzig« Punkte alterir», daß dieselb«. für die der Vorstand absichtlich nur die Bezeichnung „Modisicattonm" gewählt hat, durchaus nicht die Zerklüftung und di« Zerspaltung einer groß» Gemeiud« recht, fettig» und nothweudig mach». Uebrigeus ist der bei weile« größte Thell, der unter dem orthodoxen Banner stehenden Gemeindemitglieder mtt dem vom Ministerium erfolgt» abschlägig» Bescheid« durchaus nicht so unzufrieden, di« Ein-