Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 4 (1873)
- Issue
- 4. Jahrgang Nᵒ 10.
- Date
- 1873-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
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79 hat, können wir nicht sagen, Loch will tf und so bedünken. Schließlich muß aber die Wahl wiederholt werden. Da sich nämlich unter den Gewählten, gegen den von jeher beobachteten Brauch, kein Mitglied der portugiesischen Gemeinde befand, so haben die Wiedergewählten, an ihrer Spitz« Gust. v. Rothschild, alsbald wieder ihr« Demission eingereicht. So viel wir darüber mittheilen können, ist die Erwählung eine- Sekardi, allerdings eine Forderung der Billigkeit, wohl nicht absichtlich sondern durch die dem Zufall überlasiene Wahl unterblieben. Jndeffen können wir auch unter den in der Minorität gebliebenen Candidaten keinen sefard. Namen entdecken. <£»«)»«. ,Hew. Chron-" hat einen ziemlich ausführlichen Auszug auS einem von Hrn. Marc. Adler (Sohn deS Chief Rabbi, Beamter bei einer Baak) im Jew'S College gehaltenen Dortrag: „daS Licht, welches durch neue Entdeckungen über die Bibel verbreitet wird." Er besprach die Schöpfungsgeschichte in Beziehung auf die Ansicht« der modern« Raturwissmschast, die Sündstuth im Berhältniß zu den Fluthsagen und besonders zu dm neuerdings von Rawlinson entzifferten Keilinschristm, dann die Bölkertafel der Genesis im Bergleich zu neuest« Ermittlung« der Geschichte und Ethnologie und verfolgte dann noch weiter in ähnlicher Weise einzelne Berichte deerst« und zweit« B. Mos. und der BB. der Könige. Linnrn«. bald Nifsim Schemama, gebürtig aus Tunis, welcher vom Könige von Jtalim zum Commandeur und Grafen ernannt war, ist a«, 24. Januar hier gestorben. Don seinem kolossal« Vermögen (ca. 30 Mll. Frcs), welches an ein« Neffen fällt, hat er dm Gemeind« in Paris, in Tunis' ttnd in Palästina bedmtend« Legate auSgesetzt (je >00,000 Frcs., wie man sagt) außerdem vjele andere. Auf seine Kosten hat unter anderm Goldberg das Maaffe Risst« vom Sohne de- Mos. MaimonideS herausgegeb«. — Fast zu gleicher Zeit starb, 84 Jahr alt, der Oberrabbiner von Livorno, I. Alvarmga. (Arch. Jfr.) Serbie». Die Alliance Jsr. Univ. und die Anglo- Jewish Asiociation Hab« an den jung« Fürsten Gratnlattonsadressen gerichtet, worin um Schutz und Recht für die Juden deS Landes gebeten wird. Man erinnert den jungen Milan an seine beiden Borfahren, die Fürsten Milosch und Mich. Obrenowitsch, welche sich stetS wohlwollend über die Juden geäußert und so gegen sie bewies« haben, besonders an ein verbürgte- Wort Michaels, als ihn bei seinem Anfmthalte in Paris eine Deputatton der Alliance um die Zurücknahme jener, fein Land entehrend« Maßregeln bat: „DaS ist eine Verfolgung des Handels nicht der Religion. In Serbe« kannte man keine Berfolgungrn, die Juden verkaufen billiger und beffere Waare, man verfolgt ihre Rechtschaffenheit, welch« den christlichen Kaufleut« eine mächttge Concurrmz bietet." Antaresi. Die Kammer har mit 60 gegen 12 Stimmen das Gesetz angenommen, daS dm Handel mit Spirituosen monopolisirt. Z. 8 schließt die Jubm gänzlich auS und führt dadurch ein« vernichtend« Streich gegen die Existenz von Tausenden jüd. Familim. Schlimmer noch ist die schnöde Anklage auf „Vergiftung" d«S Branntweins rc. durch die Judm, welche hierdurch gleichsam officiell bestättgt wird. Der Dorstand^hat dieserhalb eine Petttion an d« Senat gerichtet. Unsichtbare Kessel». Als es ihm «blich gelang«, in daS Gesicht Berthas zu schau«, schrak er zurück über das veränderte Aussehen des Mädchens. Hier war Einlmken die beste Polittk, das sah auch Deermocre ein, und er faßte den männlichen Entschluß, komme waS da wolle, sein geliebtes Kind nicht unglücklich zu mach«. Dennoch wollte er behutsam sondiren. — „Bertha, sagte er» ist denn daS Unglück, EtonehillS Fran zu werden, so riesmgroß, daß man Sprache, ja fast den Verstand darüber zu verlier«, rr Gefahr kömmt?" „Ja, Beter! sagte Bertha schaudernd, Du sagst es, den Verstand tarn: und werde ich verlieren, wmn Dv mich zwingst, diesen kriechend« und roh« Mmsch« zu heirathen, der Alles gegen und nichts für silch hat, waS ihn einem Mädchen angenehm machen kann. Wie Du, der Du mich so liebst, nur davon sprechen kannst, mich auf ewig an dies« Mann zu kettm, daS ist eS, was mich so erschreckt, mich versteinert hat. Ich fürchte, «I ist eine Nebmabsicht darin verborgen, vielleicht — ich wage es zu sag«, auf die Gefahr Drin« Zorn zu erregen — vielleicht ist es ein Geschäft, ein gewöhnlicher Handelsvertrag zwischen Dir und Deinem Freunde. Doch mag es sein was cs wolle, ich werde mich eher tödtm, alS Stonehill meine Hcmd reich«", setzte sie mit dem Ausdruck deS festen WillenU, den der Vater an ihr gewöhnt war, hinzu. „Zwing« n werde ich Dich nich^ sagte Deernwore schwankend, er wird abgewiesen werden Ünnm, oder sich auf irgend eine Art zum «Kompromiß versteh«", sagte er in Gedanken hinzu. „Gieb ilm Alles, wmn er es verlangt, das heißt, «venn Dich Dein Wort oder sonst Etwas an ihn bindet, ich will für Dich und mich arbeiten, unS zu erhalten, nur mich gieb ihm nicht", sagte Bertha aus- R«e weinend und ihr Haupt an d«S Vaters Brust bergend. „Wer scgt Dir, daß ich ihn abkaufen muß, daß irgmd EtwaS zwisch m mir und ihm besteht?" fragte Deermoore unruhig, sich als der Umarmung loSmachend. .„Ich miß es nicht, lieber Vater, aber es ahnt mir, daß zwischen euch Beiden nicht alles ist, wie eS fein sollte." „Zum Beweist des Gegmtheils, sollst Du Deinen eigenen Mll« Hab«, versetzte Deermoore herzlich, Du brauchst ihn nicht zu heircthm." Er drückte einen Kuß auf di« Stirn« deS Mädchens, besten Antlitz sich sogleich wieder verklärte. „Dank! theurer Vater, Dank!" sagt« Bertha und erwiederte den Kuß. „So, jr>t entferne Dich, laß mich einige Minuten allein, denn dies« Viertelstunde hat mich erschöpft." Bertha ging direct nach der Küche, wo Belah am Tische saß und zufreden ihren Kaffee trank. „Kind! Du hast geweint", sagte die aufmerksame Frau, ich hatte rech:, Vögel, die Morgens so früh pfeifen, freffm am Tage die Katzen." „Dieses Mal hast Du theilweise recht gehabt, sagte Bertha, die verweinten Augen trocknend, denn bald hätte eine Katze den Bogel gefressen, und zwar eine recht häßliche Tigerkahe." „Gott all behüten und bewahren", schrie Bclah auf, „eine Tigerketze sagst Du?" „Du nimmst Alles buchstäblich, versetzte die junge Schöne lächelnd, mit der Katze meine ich Herrn Stonehill, er har beim Vater um meine Hand angehalt«." „Und dirum hast Du geweint? Glaubst Du, ich würde nur eine Th äne vergieß«, wmn er mich heirathm wollte?" „Jeder nach seinem Geschmacke" sagte Bertha, ich überlaff« ihn Di : gern. „Natür ich, entgegnet« Belah, wmn Dir das Gesrestenwerdm deine h« noch lieber ist als das Heirathen, muß er Dir abscheul ch Vorkommen. Ich, für mein« Thril würde ihm die Wa'jl lasten, möchte er mich nun heirathen oder freffm wollet, d. h. vor Liebe, setzte sie hinzu. Doch was* hat denn Dcin Vater gesagt?" „Dem var meine Weigerung unangenehm, aber da er sah, wie unglücklich der Vorschlag mich machte gab er nach und wenn r bei seinem Entschlüsse verharrt, bin ich von dein Verhaßt« b streit." - (Forst folgt )