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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1873-01-01 · 4. Jahrgang Nᵒ 10. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
4 (1873)
Issue
4. Jahrgang Nᵒ 10.
Date
1873-01-01
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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I 78 helung der Taxe betraut war, begab sich zur angegebenm Zet zum Primär des Städtchen«, Namens Scarlat Mighiu, um von ihm die Taxe für die Ueberfahrt seiner Effecten über genannte Brücke zu erheben. Da er denselben nicht zu Hause fand, begab er sich in die nächste Schenke, wo er auch richtig den Primär in Gesellschaft eines Herrn Grigoriu Bolskv (eii rumänifirter Pole) an einem Tische sitzend bei einem Glc.se Rum traf. Der Lud« bat die Herrn für die Störung um Verzeihung und brachte dem Primär sein Anliegen vor. Dieser schien darob nicht böse und bezahlte ohne Anstand die Ta,e. Als David Moses sich entfern« wollte, hielt ihn der Primär mit freundlicher Miene zurück, hieß ihn an seiner Sei:e Platz nehmen, bot ihm ein Glas Rum an, und forderte ihn auf, es auf seine Gesundheit zu leeren. Der Lude, die Einladung zurückzuweisen fürchtend, gehorchte und trank auf des Primars Wohl. Hierauf füllte auch der andere Herr, deffen wir oben erwähnt, ein Glas und forderte nun auch seinerseits den David MoseS auf, auf fein Wohl zu trinken. Der arme Jude, allgemein alSNichttrinler bekannt, und der besonders keinen Rum mochte, entschuldigte sich und bemerkte, daß ihm schon das eine Glas zu viel sei. Da aber beide Herren in ihn drangen, that er sich Gewalt an und leerte auch das zweite Glas. Beide Herren füllten nun nach einander die Gläser und drang« in den Lsraeliten noch mehr zu trinken. Da er sich aber weigerte, wurt en die beiden Herr« böse, sperrten dem Luden mit Gewalt den Mund auf und goffen ihm nacheinander neun ziemlich große Gläser hinein. Das starke Getränk verfehlte seine Wirkung nicht, eine Stunde später erlag der Unglückliche einem schmerzvollen Tode. Am Tage hierauf erschien der von dem Unfall unterrichtete Procuror im Städtchen, um die gerichtliche Untersuchuag vorzunehmen. Ein hiesiger Arzt untersuchte die Leich«, nahm deren Obduction vor und schickte dann die Eingeweide nach Bukarest, damit daselbst eine genauere Untersuch» rg vorgenommen werde. Die beiden Verbrecher aber sind noch auf freiem Fuß und Niemand denkt daran sie zu verhaften; sie leben ungestört im Schooße ihrer Familien. Si: fühlen nicht nur nicht Gewisiensbisie, sondern scheinen im Gegencheil stolz auf ihre That zu sein. Mittlerweile sind die Wittve und die Kinder des Verstorbenen in Verzweiflung und Elend. Wer wird sich ihrer nun annehmen, wer ihnen Brod verschaffen? Wenn die Regierung solche Thaten nicht bestrafen wird, dann wissen wir nicht mehr, an wen uns wenden; dann möge Gott sich unserer erbarmen! Husch, 13. Februar 1873. Vermischte und neueste Nachrichten. cystprente«. Drei kleine Gemeinden der Provinz, Hohc nstein, Wartenburg und Darkehmen haben fast gleichzeitig Aufruf und Bitte um Unterstützung zum Bau von Synagogen versendet. Alle drei haben sich bisher mit gemjetheen Localen, Stuben, beholfen, den beiden letzteren ist auch lies durch die überall sich fühlbar machende Wohnungsnoth erschwert worden, indem ihnen die Stuben mehrfach gekündigt und sie zu wiederholtem Umzug genöthigt wurden. Wir können die Aufrufe nicht vollständig abdrucken, selbst nicht im Znseratentheil; wer indessen Wohlthat üben will, bedarf keiner lang« Rede mit allgemeinen Betrachtungen und Bibelsprüchen. Möge also diese Notiz genügen! Die Adresse, an welche Gaben zu senden gebeten wird, sind für Hohenstein: Comitö für den Syn.-Bau — Z. Lesser. Wartenburg: Vorstand der Syn.-Gem. — M. Grumach. Darkehmen: Comitö für den Syn.-Bau — W.Anders. Karmstatt, 10. Februar. Gestern ist das Urtheil zweiter Lnstanz in Anklagesachen gegen den klerikalen „Starkenburgrr Boten" weg« Beleidigung der israelittschen Religion durch die Preffe verkündigt worden. (Siehe Nr. 48 ». Z.) Das auf acht Tage Gesängniß lautende Urtheil des großhcrzoglichen Bezirksstrafgerichts Darmstadt wurde lediglich bestätigt. Merkwürdiger Weise hatte die Staatsbehörde in beiden Znstanzen auf Freisprechung angetragen, während die Gerichtshöfe in beiden Znstanzen verurtheilten. Bon Seiten der für straffällig erkannten Redaktion ist die Nichtigkeitsbeschwerde eingelegt worden. (B. u. H.-Z.) Leipzig. Hr. S. S. Hcilpern (ein Enkel Rapoports) ist hier jüngst zum Assessor mit der Eigenschaft als Richter für Civil- und StrafrechtSsachen — .in L. der erste Fall — ernannt worden. B. Lemberg, 9. Februar. (Or.-Corr.) Vorige Woche schloß Herr R. H. Bernstein seine irdische Laufbahn. DaS strenggläubige Zudenthum verliert in ihm einen unersetzbaren Anhänger, denn bei allem (auch profanen) Wissen, das er besessen und auch seinen Kindern in höherem Maße zugeführr, trat er mit Feuereifer gegen jeden Versuch der fortschrittlichen Partei auf. Abgesehen von seinem religiösen Parteistandpunkte hat unsere Stadt ein« Wohlthäter, einen Vater der Armen verloren, dessen Mildthättgkeitssinn, selbst al» sein Glücksstern schon zu erbleichen begann, keine Grenzen kaiinie. Daß beim Leichenbegängnisse die Lemberger Gemeinde (auch die Mitglieder der Fortschrittspartei) folgte, daß man die Läden untrrdeß schloß, ist selbstverständlich. Wie«, 21. Februar. Zn der hiesigen Gesellschaft macht eine Verlobung Aussehen. Der Bräuttgam ist Baron Nathaniel Rothschild, einziger Sohn und Erbe des Freiherrn Anselm, des Chefs der österreichischen Linie dieser Gelddynastte. Die Braut ist eine Grästn Messey, Tochter eines Generals und Obersthofmeisters des Erzherzogs Rainer. Der Bräutigam will di« Verschiedenheit der Confessio» durch Uebrrtritt zum Christcnthume auSgleichen, trotz der Einsprache seines hochbetagten Vaters, der diesen ersten Fall eine« Religionswechsel« in seiner Familie mtt aller Zähigkeit perhorrrscirt und dem Sohne sogar mit Enterbung gedroht habm soll. (Eine Londoner Rothschildin hat kürzlich einen englischen Edelmann geheirathet, ohne die Religion zu wechseln) Die Wahlen zum Consistorium haben einige Aufregung hervorgerufen, und es ist zu einem Wahlkampfe, wie es scheint zwischen den Freunden und den Gegnern des bisherigen Consistorial-Regiments, gekommen. Einer der Candidaten der letzteren, ein junger Arzt, Th. Klein, Sohn des sel. Oberrabb. in Colmar, hat eine sehr beträchtliche Minorüät von Stimmen erhalten. Er ist, wie sein seliger Vater, streng orthodox; ob sich der Wahlkampf überhaupt (zum erstenmale in Paris?) um religiöse Parteiung gedreht

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