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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1873-01-01 · 4. Jahrgang Nᵒ 10. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
4 (1873)
Issue
4. Jahrgang Nᵒ 10.
Date
1873-01-01
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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77 Oesterreich. N. |fr«K, 20. Februar. (Or.-Eorr.) Einen Bericht, wie man ihn über ein Ganzes geben bann, erwarten Tie über hiesige jüdische Angelegenheiten nicht, nur Norizen über Einzelnes können gegeben werden; denn hier sieht man vor lauter Bäumen keine,! Wald. Das Prtncip der Trennung der Kirche vom'Staate, das dm Europäischen Staaten als schwer zu lösende« Problem vorschwebt und in Oesterreich noch lange nicht durchführbar sein dürfte, scheint in der hiesigen israelitischen Cultusgemeind«, soweit wie möglich zur Geltung gekommen zu sein. Die Repräsentanz, die Vertretung derselben dem Staate gegenüber, betrachtet sich vorwiegmd als Verwaltungsbehörde und überläßt die religiösm Angelegenheiten dem selfgovernement. Es ist dieses unter den gegebenm Umständm auch das Klügste, was sie thun kann, denn es fehlt an einem Grundgesetze, worauf sie sich stützm könnte. Die alte Kahal-Verfaffung ist seit 1848 in „die Krümpe gegangm"!, ohne daß ein, dm constitutionrllm Staatsverhältnissm mtsprechendes Gemeindestatut an die Stelle getretm wäre. Ein solches zu schaffm ist schon vielfach projectirt worden, aber' bei der Zerfahrenheit aller religiösen Institutionen auf solche Schwierigkeiten gestoßen, daß man sich veranlaßt fühlte davon abzusebm, um so mehr als der Staat selbst, der ein solches Statut mit Gesetzeskraft zu versehen hätte, in Allem, worin Polittsches und Kirchliches zusammen trifft, den Boden unter seinm Füßm schwanken fühlt. Den von polittschen und religiösen Fermentm erzeugtm GährungSproceß abwartend, venvaltet die Repräsentanz das von der alten Gemeinde ihr zugestellte Znvmtar mit dm herkömmlichen, dazu von selbst fließendm Mitteln, schafft snichts Steues, legt kein« neue Steuern auf. Das CivtlstandSregister . der Juden, hier Matrikel gmannt, wird seit dem Tode Rappaport's nicht mehr vom Rabbinate, sondern von einem Gemeindrsecrrtär gefühlt. Wohlthätigkeitsanstalten, fast durchiveg au» Stiftungen herrührmd und der Aussicht der Repräsentanz unterstellt, sind so zahlreich vorhanden, daß die Menge nothwendig der Güte Eintrag thnm muß. Sie verbleiben dem Wesen nach im statu qua ante, nur daß, um sie über- | Haupt verwendbar zu machen, die veränderten ZeitverhLltnifft sehr oft zu einer Berbefferung zwingen Die Gemeinde al» solch« hat weder eine Synagoge, noch ein« Schule, und so kann die schwerste Verantwortlichkeit, welche die Vorstände jüdischer Gemeindm belastet, die hiesige Repräsentanz nicht »reffen. An Gelegmheit zu öffentlichem (Gottesdienste fehlt es aber nichr; in dm 8 Synagogen und 20 Betstätten wird täglich 2,3, ja einschließlich 'D3Wn 4 mal täglich, Gottesdienst gehalten, und mit gottesdienstlichen Functlonärm könnte Prag die ganze österreichische Armee im Felde versorgen. Da das nme Schulgesetz de» Religionsunterricht in allen Schulen für obligatorisch erklärt, so werden Religionslrhrer von der Repräsentanz vorgeschlagm, aber aus der öffmtlichm Schul kaffe besoldet. Einige jedoch erhalten herkömmlich ihre Besoldung aus der Kaffe der EultuSgrmeimde. Das alte Talmund-Torah-Institut, ursprünglich auS einem Vereine hersorgegangen, wird von einem Comitä der Repräsentanz verwaltet und aus der EultuSgemeiud« fubventtonirt. Seit «inlgm Jahren hat der zu Ehrm des sei. Rapaport gegründete Verein Afike-Jehudah sich der Talmud-Torah angeschloffm. Lehrer für da» Hebräische, für Bibel und Talmud und schöne Locale find da, nur Schäler sind sehr spärlich vorhanden. Aus Mangel daran ist di« von vr. «Stein gegründete mit 6 Jahr« hindurch gratis geleitete Talmudklasse seit 2 Iahrru aufgelaflm. Obgleich di« Talmud Torah mehr Lehrmittel besitzt al« Lernbegehr vorhanden ist, hat sich doch . noch ein „Fortbildungsverein" gebildet, der arme Schüler im Hebräischen von einein besoldeten Lehrer unterrichten läßt. (Schluß folgt.) Nvßlaud. R. C. Mo» der russische« chrenze, 11. Februar. Bor einiger Zeit wäre tl unter der jüdischen Bevölkerung von Wilna beinahe zu lensten Unordnungm gekommen, die bei der sehr zahlreichen jüdischm Bevölkerung in jmer Stadt möglicherweise noch «oeitere Folgm hättm haben könnm. Bor etwas über drei Wochen war dort nämlich ein jüdischer Prediger Dainow angekommm, welcher neue Lehrsätze aufstellte und durch daS Feuer seiner Rede in kurzer ZeÜ eine große Berühmtheit « langte. Er hatte sich namentlich unter der jüngeren jüdischm Bevölkerung einen begeistertm Anhang erworben, die älteren dagegm setztm dem Redner alle nur möglichm Hindernisse in den Weg und bemühten sich, die Sympathien der Anhänger Dainoiv's für dm Letzteren zu beseittgen, da seine Ansichtm ganz und ga» nicht den ihrigen entsprechen, denn die lffrden Dainoiv's warm mit Energie gegm den Schacher gerichtet. Er empfahl dm Juden, lieber zu arbeiten, sich dm Behältnissen deS Lande», derm Mitbürger sie sind, anzufchließin und speciell in Rußland der rusflchen Sprache und dm russischen Gebräochm mehr Aufmerksamkeit zuzuwendm, als eS gegenwärtig der Fall ist. Diele Ansichten gefielm den orthodoxen Juden nicht, und alS D. eines Tages wieder in der Synagoge erschien, entstand ein großartiger Krawall. Die Rabbinisten drohtm mit Excommunication und es blieb Hm. Dainow nichts anderes übrig, als die Synagoge wird w zu verlassen. ES wäre indeß wohl zu wünschen, daß Herr Dainow sich dadurch nicht verleiten ließe, von seinen Lehrm zmückzukommen, deren Befolgung nicht nur das Judentum hebin, sondern auch für die ganze Menschheit ein Segen sein würde. (Ar merk. d. Red. Die Ueberschrift dieses Corresp.- Art. bezeichnete D. al» einen Reformator. Dawürde aber irre leite i. Wir kennen D. aus seinen seit Jahren in „Maggid ' veröffentlichten Artikeln. Der Mann hat mit Reformirnm; des IudenthumS gar nicht» zu schaffen, er predigt nur die Rothwcndigkeit vernünftiger Schuleinrichtungen, zeiterforderlicher Kenntnisse und Gewerbe, Aneignuug der Landessprache l . d. m. Daß dies löblich« Sttebeu in Rußland noch vielfach verketzert wird, ist freilich nur zu wahr. Es ist aber in Deutschland vor 70—80 Jahren ebenso gewesen und wird auch in Rußland besser werden.) Numänien. ^t itareü. Die „Rum.-Poft." bringt folgendes Schreiben : „Die sc,merzlich berührt« israelitische Gemeinde vom Huscher Kreist, .'»sucht Sie im Namen der Humanität folgende Be gebenheit, die sich am Abend vom 5. bis 6. d. M. im kleinen Städtchm Bransa, Huscher Distrikt, (Eigenthum des Herrn M. Eogalniceanu) zugettagm, in Ihrem wenhen Blatte zu veröffentlichm. En Israelit«, Namens David Moses, welcher vom Untrmihmer der Taxm für die Ueberfahrt der Brücke über den Pinth beim gmanntm Städtchm Bransa mit der Be- /

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