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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1873-01-01 · 4. Jahrgang Nᵒ 9. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
4 (1873)
Issue
4. Jahrgang Nᵒ 9.
Date
1873-01-01
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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69 Es folg«» verschiedene Borwürfe gegen die Smdener Gemeind«; diese sind durch 'jene Corrrspondenz nicht im Ent» serntesten provoeirt, wir haben daher gar keine Veranlassung sie aufzunehmrn, da wir wohl Rechtfertigung aber nicht Gegenklage zu veröffentlichen haben, sonst würde de« Streite« kein Ende werden. Nur au« dem über die „ostfrirsischen Lamdanim" Gesagten theilen wir noch sehr gern dadem Hrn. Joseph Cohm zu Aurich, al« einem Thalmudkundigen au« der guten allen Zeit und einem in allen Schichten der Gesellschaft, hohen wie niederen, in besonderer Achtung stehende» Manne, gespendete Lob mit, müssen jedoch — um einer Duplik vorzubeugen — bemerken, daß au« der Emdener Corresp. auch durchaus nicht hervorgeht, daß e« gar keine Talmudkundigen in Ostfrie«- land gebe, (Zu dem „von jeher" hatten wir selbst rin Fragezeichen gesetzt, weil e« doch vor Zeiten in Emden gewiß Gelehrte gegeben hat.) Auch die literarische Notiz kann Platz finden, daß in den Novellen von Schiff, Derf. de« „Schtef-Lewinche" sich Schilderungen Emdener jüdischen Gemeindelebens finde». (Wir kennen ebenso wenig dieses, wie jene und müssen überhaupt jede persönliche Verantwortlichkeit für das in diesen Blättern aus und über Emden oder Ostfriesland Gedruckte ablehi.en, da uns alle fragl. Verhältnisse und Personen ganz fremd sind.) Wir enoähnen hier noch eine soeben erhaltene Correspondrnz Aus Ostfriesland, 18. Februar — von einem Kaufmanne. Dieselbe rühmt die geräusch- und selbstlose und dabei überau« tüchtige rabbinische Wirksamkeit deS Herrn vr. Kroner und berichtet dann über die Predigt, welche derselbe am Sab. Ehanucka bei der Inspektionsreise in Norden gehalten hat. Die Synagoge sei überfüllt und die Predigt ein wahrer Kiddusch Haschen, gewesen. Ebenso befriedigt ist der Referent von der am folgende» Tage vorgenommenen Schulrevision gewesen, bei der der prüfend« Rabbiner sich al« Fachmann bewährt habe. — Die Corresp., welche wir auS naheliegenden Gründen auch nur im kürzesten Auszuge geben, nimmt auf unsre Nr. 2 keinen Bezug. Ob sie indirekt dadurch heivorgerufen worden, haben wir nicht zu prüfen. F. 8. Aus Sachsen. (Orig. - Corr.) Eng verknüpft b'eibt der Mensch Zeit seine« Leben« mit der Stätte, an welcher er die Jahre seiner Kindheft verlebt hat, und selbst den gereiften Mann zieht e« mächtig wieder hin zu den Orten, welche ihm die Quelle seiner Iugenderinnerungen sind. So gab auch Einsender dieses, als er nach langen Jahren zum ersten Male wieder die Braunschweigischen Lande berührte, einem längst gehegten Wunsche nach und machte einen Abstecher nach Delsenbüttel, um dort die Samson-Schule, der er seine erste Ausbildung verdankt, zu besuchen. Freundlich ward der ehemalige Zögling vom HauSvater empfangen, und seiner Bitte, die Anstalt besichtigen zu dürfen, auf daS Zuvorkommendste entsprochen. Ordnung und Sauberkeit herrschten wie sonst in den Räumen, aber der strenge Zwang, die fast militärische DiSciplin von früher war ver- Ichwunden und hatte einem milderen Regimen,« Platz geuiacht. Die Kinder selbst hatten ein zwar gesetztes, aber doch -ächt kindlich heitere« Wesen, man sah e« ihnen an, daß sie sich wohl und heimisch fühlten. Den Direktor Herrn vr. Rosenstock traf Ich beim Corrigiren deutscher Aussätze und war überrascht von den vorzüglichen Leistungen und von dem klaren Beisttndniß, mit dem sich die Schüler ihrer Aufgabe entledigt h rtten. Al« ich aber durch die Güte de« Herrn Direktor Gelegenheit hatte, einer mathematischen Lehrstunde in einer Unterklasse brizuwohnen und sah, wie der Lehrer e« verstand, die Individualität eine« jeden Einzelnen zu berück« sichtigen, il« ich sah, mit welchem Interesse di« Kinder dem Unterricht« folgten, wie geschickt derselbe geleitet und der Lehrstoff dem Berständniß der Schüler nahe gerückt wurde, machte mein Erstumen einer unverhohlenen Bewunderung Platz und ich fühle nich gedrungen, an dieser Stelle auf die unter ihrer vorzüglich, n Leitung sich so schön entwickelnde Samson-Schule nachdrücklchst aufmerksam zu machen. Dieselbe gewährt ihren Zöglingen alle Dortheile eines Privatunterricht«, die Fähigkeiten eine« jeden Einzelnen werden in ihr zu.- Entfaltung gebracht und seit der Lehrplan bis zur Ausbildung zum Examen für den einjährigen Militärdienst erweitert ist, wird sie auch in dieser Hinsicht allen Anforderungen ertsprechen. Zudem ist da« Honorar für Unterricht und volle Pension entschieden sehr mäßig. Ein besonderer Vorzug dieser Anstalt, durch den sie sich von ihrer Zwillingsschwester in Seesen sehr zu ihrem Vortheil unterscheidet, besteht darin, daß sie nach jüd.-religiösen Principien geleitet und dem Unterricht im Hebräischen eine entsprechende Sorgfalt zuwendet wird, so daß die ihr anoertrauren Zöglinge daselbst neb:n einer guten wissenschaftlichen Durchbildung, auch eine vortreffliche sittlich-religiöse Erziehung erhalten. Uvbtand. Marschau. (Jüdische Ackerbauer.) Zu den interessanten Selti nheiten hiesiger ländlicher Zustände gehören auch die zwei jüdischen Colonien Labedz und Ksawerow im Gouvernement Kiilcr, Kreis Pimzow, welche den Beweis liefern, daß di« israelitische Bevölterung auch ganz treffliche Landwirthe in sich schlirßt. Tie Colonie Labedz ward im Jahre 1846 von 10 Familien errichtet, die mit dem Besitzer der Güter Chmielnik einen Pachtcontract abschlossen. Ebenso überließ der Gutsherr vor Sancygniow daS Grundstück Ksawerow 1860 an an fünf jüdische Coloniste». In Folge der Umwandlung der ländlich«, Besitzverhältnisse ist jeder dieser jüdischen Landwirthe nun Eigenthümer von 26 Morgen Ackerland und benutzt di: Gemeindehutung. Alle Eigenthümer wohnen beständig aus dem Lande und neun von ihnen bestellen selbst den Ackr, auch ihr Dienstpersonal besteht zun, Theil aus Juden. In Labedz existirt eine Cichorienfabrik, in der 16 Arbeiter. grdßtentheilS Kinder, beschäftigt werdm. Die Cichorie wird von de» Colonisten gepflanzt und jährlich für 9000 S. R. produeirt. Einige Colonisten sind auch Bienenzüchter, und mcncher hat mehr als dreißig Stöcke nach dem,System Dzierzor's. Die in nenn Colonien vertheilte Bevölkerung von La iedz beträgt 10b Köpfe und Ksawerow hat 86 Einwohner in k) Colonistenfamilien. B. 3. Mo« der russische« Kreuze, 7. Februar. Im russischen Ministerium de« Innern besteht ein sogenannte« Deport,ment für die fremden Culte, welche« die Glaubensangeleg mheiten sämmtlicher nicht orthodoxer ReligionSgesellschasten verwaltet. Hierzu gehören Protestanten, römische Katholiken, Reformirie, Ketzer, Mohamedaner, Juden rc. Wie man jezt Hirt, ist im Ministerium de« Innern der Entwurf zu einer Speeialverwaltung der GlaubmSangrlegenheften der Juden auSgearbeitrt worden, und dieser Entwurf dem Mini-

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