Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 4 (1873)
- Issue
- 4. Jahrgang Nᵒ 9.
- Date
- 1873-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Thatsachen einerseits, jotsit an Ignoranz in Betreff der Beurtheilung unserer „Liedertexte" andererseits, so überreichen Leitartikel, dass wir, nicht etwa um uns vor dem „Israelit" zu rechtsertigen, sondern nur um dex^Ehre unseres Vereins willen, die wir als Vorsteher desselben zu wahren haben, uns zu nachfolgender „Erklärung" gedrungen sehen: >) Eonstatiren wir, das, durch unsere Gesänge leiu eiuzigrS hebräische- Gebet verdrängt worden ist. Nach 1 unseres Statuts ist der „Zweck" unseres i. I. 1868 begründeten Verein« die „Pflege und Veredlung des Synagogeu-Gesanges"; es sind in erster Reihe die hrbr. Gebete (darunter auch viele Pijutim), bei deren Bortrag wir nach den besten Werken der jüdischen Liturgie Mitwirken. Deutsche Lieder singen wir nur vor und nach der Predigt, vor Eingang eines festes und bei sonstigen feierlichen Veranlassungen, Konfirmation, Trauung, Geburtstag des Kaisers u. s. w. — 2Lac> in dem Leitartikel des „Israelit" in dieser Beziehung ^egrntheiliges gesagt wird, ist eitel Lüge und totale Verdi e h u n g der Thalfachen. 2) Daß „in keinem der Lieder für den Sabbath eine Spur der jüd. Sabbathidee zu entdecken" sei, ist wiederum eine acht „Israelit" sche, d. h. auf Unwahrheit beruhende Behauptung, wie Jeder, der diese Lieder mit Verständnis liest, sich überzeugen kann. Wir halten das AuSruhen von dir Erdrnlast und Arbeit, die Gewinnung von Seelenfrieden, die Beschästignng mit dem Gotteswort und die erhöhte Theilnahme am Gottesdienste für die ächt-jüdische Sabbathausgabe. 8) Tag das Lies für „Sabbath Nachmu" <oder lichtigcr S. Ehason) „die Wiedcrerbauung des irdischen Jerusalem negirt", behauptet der Schreiber jeneü Leitartikels selbst mit der Einschränkung: „wenn wir es recht vei stehen." — j Wir können ihm zu seinem Eabbath-Nachmu-Troste sagen,! daß er es wirklich nicht verstanden hat. Ebenso, wenn er zu riner Reihe von Liedern die Beziehung zu den betreffenden festen „nicht ahnen kann", so hat das ebenfalls seinen Grund in dem von ihm zugestandenen Mangel an Denk- und 1 Eombinationsvermögen. I 4) Wenn in jenem Leitartikel ferner behauptet wird, ' dag mehrere der von uns gesungenen Liedertexte Nachbildungen! solcher seien, die auch in „Männergesangvereinen" gesungen i wer den, so begreifen wir einen solchen Vorwurf ganz und gar | nicht; wir sind ja rin „Männergesangverein", und suchen das ' Schönste und Erhabenste, das die Tonkunst uns bietet, zur : Verherrlichung des Synagogengesanges zu vrrwerthen, i und so lange es auf diesem Gebiete an Compositionen jüd. ' Meister mangelt, entnehmen wir sie aus den Musterwerken anderer Eomponisten, ohne zu fragen, welcher Religion sie angehören. Daß die Auswahl mit größerem Tact und Derständniß geschieht, als dies seitens vieler (sicherlich frommer) Chasanim der Fall, die ihre Melodien zudenheiligstenGebetstücken aus allerhand Operetten Herbolen (Vgl. die vor. Nr. der „Wochenschrift" unter „Böhmen"), darüber kann das musikalische Gewissen der-Red. deS „Israelit" vollständig beruhigt sein; ebenso auch sein poetisches, denn die in dem Leitartikel angeführten Stylproben enthalten aus dcar Zusammenj hange gerissene, mit absichtlichen oder unabsichtlichen Druck- und Interpunctionsfehlern ausgestaltete Verszei-'rn. (Wir erwähnen des Beispiels wegen nur die eine aus dem Philippson'schen Passah-Liede: vom Himmel her u. s. w., wo statt: (derjenige, welcher) „Sieg dem Rechte eint" citirt wird , „e i n ft"). Daß rran aber die besten Gedichte durch frhlerj haften Abdruck „ llnstnn" sagen lassen kann, bedarf nwhl keine» ErweiseS. i f>j Gegen di« dumm-dreiste Behauptung in jenem Leitj artikel: „daß die für den jüdischen Gottesdienst bestimmte Sammlung fast nicht« Jüdisches enthält, dagegen vollkommen j christliche Begriffe und Lnschauungen zur Geltung bringt" protestiren wir auf's Energischste, wir würden sie, stünde sie | in einem andern Blatte, daö nicht, wie der „Israelit" — I wie mau uns sagt — gar oft mit Lug, Verleumdung und De- . nunciatioK bediert wird*), noch ganz anders abweisen, > so aber genügt die obige Bezeichnung. 6) Was noih einige in jenem Leitarttkel gerügte angeblich relig. Verstüsie in unseren Liederlerten anbetrifft, so ist der Schreiber deselben uns ebensowenig wie in musikalischer und poetischer, arch in religiöser Beziehung maßgebend. Wir! weisen die fanatisch-religiöse Richtung des „Israelit" weit I von uns, und fr« neu uns, daß unser Hr. Rabbiner — der Ehrenmitglied un irres Vereins ist — der in dem betr. Leitartikel des ,^)sra« lit" perhorrescirren „Mittelpartei" angehört, welche in ihre» (Gemeinden das möglichst Erreichbare zur Erhaltung und B-rherrlichvng des ZudenthumS anstrebt. Somit scheidm wir von dem „Israelit" mit dem Wunsche; Aur Nimmerwied:rsehen! Der Vorstand d«S Synagogen-Gefang-VereinS in Magdeburg. Äeks, 13. Februar. (Or.-Eorr.) (Eine Alliance in Rußland, Oesterreich, Preußen.) Am 3. d. Mts. in der Abendstunde stelle sich mir ein israelitischer Schuhmachermeister ans Kempen vor, um mir ein kurzes Handschreiben des dortige» Rabbiners zu überbringen. Diese briefliche Mtttheiliiiig besagte, daß wenige Tage vorher ein junger Mann aus Russ.-Polen sich in Kempen verlobt habe, obgleich derselbe, wie man Iiald da r auf erfahren, seit einem kalben Jahr bereits — zwei ihm angetraute Frauen besitze. - Da nun. in Folge seiner Entlarvung, der polnische „Geselle" (als solcher arbeitete er auc) bei vorerwähntem Meister) ° die Flucht ergriffen, so vern uthe man, daß er auf der St. berührenden Breslau-Warschc.uer Bahn ganz sicher auch nach Oels, den Endpunkt derselben, kommen werde. Im Falle also, daß er beim Vorsteher einer Unlerstützungskaffe oder bei mir vorjprechen würde, sollte er vorläufig festgrnommen und über seine cvent. Ercreiiung nach St. berichtet werden. Mündlich fügte der vom Nabbinen entsendete Bote noch hinzu, daß er im Lause desselben Tages die Spur des Polen bis etwa zwei Meilen vor'hiesiger Stadt verfolgt, so daß Letzterer am folgenden Tage gewiß hier eintreffen werde. Trotz dieser wohlbrgründeten Dermuthung reiste der Ueberbringer d» gedachten Schreibens mit dem Abendzuge nach Hause. Ich aber machte dem hiesigen Gemeindevorstande sofort entsprechende Anzeige, und richtig! am nächsten Vormittage fand sich der Gesuchte behufs Entgegennahme einer Unterstützung 3ei einem Vorsteher ein. Das Bürschchen — ein solches Aussehen hat in der Thal der in Bigamie oder, wie er hoffte, bald in Trigamie Lebende -- wurde unter polizeilicher Uererwachung mir vorgeführt, worauf ich mich, schon aus Besurgniß, daß der „ergriffene Schuhmachergesell" ') Bergt, die <Z«rr. „Wien" in vor. Nr. der „Wochenschrift".