Mannheim
Compact Memory

Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1873-01-01 · 4. Jahrgang Nᵒ 9. · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
4 (1873)
Issue
4. Jahrgang Nᵒ 9.
Date
1873-01-01
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/5369809-5935020-5935692--1578-5371160
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

*, +•«. ' IliTTTT; thun fo04 tamtt er Menschen S «WWnattsche, atUlsireises. es WWftn des 1 sie will uns ^agen, „waS der Mensl lebe", in diHdr' Einsicht isi und *■' die Erde seinGWeky das^Teiittztzm, aber das (LeiMum iftink^pGedMen 2) Im ^udrnthunk^ hat d b Schriftwottes immer nur bei Sectenfplitlertt Platz gegriffen; «»chttnichchrer«', PMlew-chchtztztda,, fßt immer die 'freie'Auslegung und Deutung bewahrt, 'hochgehalrrn und sich an ihr gefreut. Man hat Astronomisches und allerlei s. «. Profanes an die Bibel „angelehnt", aber gerade durch freie, oft überaus freie Deutung. Luther berief sich, den Schweizern gegenüber, auf dm Buchstaben, so thaten die jüdischen Lehrer nicht. Die Bibel redet ja auch von vier Ecken der Erde und von Säulen, auf denm sie ruht. — «er hat das je buchstäblich nehmm zu müsien geglaubt?! 'S) Das Judenthum hat immer den Schwerpunkt de» Forschens und Lehrens sowie deMEinigu ng in daS Gesetz verlegt: was ist erlaubt, was verboten, «bas Recht was Unrecht? — in allem, was man anderswo Dogmatik nennt, herrschte Freiheit und gingen verschiedÄie Ansichten ruhig nebm einander her. Maimonides war es, der eine Dogmatik zu schaffen versuchte und in seiner Systemlust sogi-r eine Kosmologie für Juden codificirte, die uns heute eher ketzerisch (resp. heidnisch) vorkommt, als das kopernikanische System. Es isi ihm gerade in dem Punkte am wmigstm, auch nur vorübergehend, gelungen, wenn auch seine „starke Hand" in einigen andern derartigen Dingen einige Verwirrung angestiftet hat. So hätte man dmn nicht wagen fönntn, einen Koprrnikaner zu verketzern. 4) Was die Stelle Josua 10 vom Stillestehm der Sonne betrifft, so verweisen wir auf mehrere dieses Thema behandelnde Auffätze in der „Liter. Beilage" der Wochmschrift vom vor. Jahre. Zn oerschiedmer Weise ist dort gezeigt, daß jene Stelle nicht gegen das kopernikanische System streite, und daß die Autorität der Bibel durch dieses nicht tangirt werde. Wir fügen nur noch hinzu, daß jüdische Bibelausleger schon im tiefen Mittelaller, ehe man an Kopernikus dachte, die fragliche Stelle nicht buchstäblich genommen haben, zwar nicht aus astronomischm, aber aus physikalischen und allgemein logischm Gründen. Dies Alles ist oft genug auseinandergesetzl und bekannt, dagegen ist ein anderer Punkt unseres Wissens noch nicht erörtert worden, nämlich: 5) Es ist sonnenklar, daß die Grundlehre des Judenthums durch das kopernikanische System gar nicht berührt wird. Immer ist Gott Ein Gott, aller Wesen Schöpferund ^H>e.r, und die Erde und ihre Bewohner. sind dann noch mehr liMp nach dem.antiken Wellsystem „wie Staub auf der Waage." .z,Man gehe in Gedanken die weiteren Lehren des Judenthums, <fc<$WW,, „dreizehn" des „Jigdal" durch — keine hat mit r. djwr Sonnensysteme das Mindeste zu schaffen. ,1, y PHie steht es aber mit dem Grunddogma des Ehristen- 4huiysi?^Gott, oder der Sohn Gottes, Mensch geworden, in .^MMschlichy: Gestalt auf Erden gewandelt, gestorben für die ^,th:ry;ll-W«ajchhell — wie befremdlich, daß solches für die Erde geschehen, die ja nur ein Pünktchen unter Billionen «illianaifachlgrößerer Wettkörver ist?! Man sieht, wie das ^ch>jst)lche.GrLtlddogma die Annahme, daß die Erde der Mittel- — punkt, nicht nur der physische, sondern auch der wesentliche Kern dcs Universums und der Erdenmrnsch der ganzen ft * «* ‘y, ' Schöpfung Hauprftück sei, zur unausweichlichen Grundlage hat.*) Das kopOiikanifche SystOt diese Voraus- IjttzDg chl^untz Mtzzioch rveitert OostseMizen und Fragen LlHie Hchsd. DWs^lass» sich auch m d«r israelitischen lbff<n(>4fuinin Beziehung setzet. Sind auch die and«en Weltkorper Aufenthalt vernünftiger Wesen? Sind letzter« u«ehr<sder weyiger, dem Menschen geistig-ähnlich organiflrt? Hckben auch sie Gottesertenntniß, stiebt es auch für sie eine Lehre und ein Gesetz als Richtschnur ibreS Lebens, sind sie gleich uns dem Jrrthum unterworfen, aber der Belehrung zugänglich, und endlich: hat auch diesen sich einmal Gott offenbart? Man steht, daß man vom Standpunkte des Judenthums alle diese Fragen, als für die Religion ganz irrelevant, auf sich beruhen lasten, aber sie auch iiisgesammt mit eirrem vollen Ja beantworten kann, und daß dies wohl der Vernunft am besten zusagt.' Wie Gott sicherlich aller Wesen, auch de>- auf Fixsternen und Planeten eristirenden, Herr und Vater ist, so könnte er ihnen auch die Zehugebote gegeben haben, insofern diese für sie passen. Religion und Vernunft können a priori nichts dagegen einzn wenden haben, und eine Erfahrung darüber werden wir nie erlangen. Wir brauchen es nicht so zu behaupten, haben es noch weniger zu lehren, aber es steht nichts entgegen. Kann aber auch der Logos, der Sohn Gottes, auf allen Weltkörpern einmal erschienen oder gar gestorben sein, kann er dieselbe — Gastrolle überall aufgeführl haben?' Wenn nicht, dann fragt man wieder, wie oben, wie kommt die Erde zu diesem unaussprechlichen Vorzüge?! Uns dünkt, daß es nicht so sehr der Bibel-Buchstabe ist der die christlich-Rechtgläudigen mit einem Widerwillen gegen das kopernikanische System erfüllt hat und noch beseelt, wie das vielleicht nicht einmal zur Klarheit gebrachte, also instinctive, Bewußtsein von der Unverträglichkeit desielben mit der Lehre von der Menschwerdung Gottes. Wir können also zu der Ansicht, von welcher Kopernikus selbst gesagt hat, daß man sie nicht sein Sy sie m nennen solle, sondern Gottes Ordnung, uns bekennen, ohne auch nur ein Pünktchen unserer Lehre oder unserer heiligen Schrift preiszugeben. — Darum handelt es sich hier, sonst wäre eine Approbation unsrerseits eine Lächerlichkeit.; Ul. Berichte und Correspondenzen. Y . " Deutschland. . .i Magdeburg. 20 Februar. Wir ersuchen Sie. geehrter Herr Redactrur, um Aufnahme der nachfolgenden „Erklärung", die wohl rin weiteres als blos locales Interests haben dürfte. Die Nr. 7 des Mainzer „Israelit" bringt — wie wir durch Zusendung der betr. Nr. von auswärts erfahren, denn hierorts hält kein einziges Gemeindemitglied dieses Blatt, das dem Judenthum so sehr zur Unehre gereicht — einen an Schmähungen gegen unseren „Synagogen-Männer-Gesangverein", und an Verdrehungen von *| Auch kabbalistische Ansichten von der Kraft de« Menschen, durch seine Th-t und sein Gebot auf alle „Sphiren" ,u »irken, unterlitgm diesem Gegensatz. Solche Ansichten find aber eben nicht Zudeiithumt

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.