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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1873-01-01 · 4. Jahrgang Nᵒ 9. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
4 (1873)
Issue
4. Jahrgang Nᵒ 9.
Date
1873-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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»' S. - M7jJ. 4.Jahtgang Nochen-Lchrift für die religiösen und socialen Interessen des Iudeulhmas. B»antw»lUich» Redakteur untrer Lulgede »»scheint jeden Mittwoch. Prrt» vinteljährlich 22'/, Groschen. JifnOraHiMIt ftc tzt» Mfptltigt Petiqeil« «der deren Rau« 2 «v- Rabbiner vr. X Lrenrnfeis in Sftcktin. Magdeburg, 26. Februar 1878. Zu bqiehen durch all« Buchhandlnngm «Nb Postanftalte». Insentleo-Auaah«« ta> Ml Hef-Vuchdrnckerei »«t -arl Fries« in Magdeburg. —————— - - T .■II———— Inhalt. SHttütc Vrttttls Da» «äopernikanische Doste» In seiner Bchietzung zu «hristenthum nnd Judenchu». — Beriecht« nnd Verresoeud«»^,: Deutschland: Magdeburg. Oel». »ul dem Haimiversch». »u» cstsrie«la»d.Mu» Dachsen. — Rußland: «arscha». von der rusfischea Grm»e. — Rumänien: Bukarest. — vermtsecht« »nd n«n«Or Nocheßchten, Min. Düffeldors. «niglberg. «ton,. Wien. London. Pari». — -eullleto«r Unsichtbar« Fesseln. Originak-Ulwelle an» dem jüdisch.amerikanischen Leben von I. kich:enb»g in New-Dord — Inserat«. — ’* schon iosofern |u demselben bekannt, all er einräumt, daß die Erde ch» Stern unter den Sternen mtb daß diese insgffammt (bewoßnie) Welten gleich der Erde seien; er sagt, daß diese Ansicht churchaul nicht gegen jüdische Lehre verstoße, und citirt ein älteres hebräisches Werk, welches es als höchst absurd bezeichnet; daß Gott die Sonne und zahllos« Wellkörper um der Elbe willen erschaffen habm sollte. Heber die Bewegung der Eche um die Sonne und das Stillstehen dieser drückt er sich fröllich mit Reserve aus, aber auf das bestimmteste sagt er, daß'in allen diesen Ansichten nichts Ketzerisches (nwi|pt)MI ,TVO) liege. Ms dann die Juden zu vollem uene»WGeistes leben erwachten, wurde das kopernikanische System von ihren &fi$rtnt angenommen, & ro<rtT^/lt!.JSS>* schweigmd« Dmcesston an die fortgeschrittene Wiffenschaft, Kampf und (sttett darüber hat es nicht gegeben. •) Was noch heute irgend ein polnischer Rabbi »der gar „Rrbbe" darüber sagen mag, ist uns natürlich gleichgültig, die gebildeten Juden, wenn sie auch noch so orthodox sind, z. B. S. R. Hirsch, atopttren das System, suchen und stndrn auch wohl „Anlehn tng" und Andmtung desselben in Bibel und Talmud. Woran liegt es, daß Christenthum und Iudenthum sich so vrrschiedena ttig gegen dal kopernikanische System stellen konnten, gestellt haben und noch stellen? Im Iudmthum hat 1) allezeit der Grundsatz gegolten: „die Schrift redet nach Weise der Menschen.'' Wenn sie also die Erd«, die Menschenwelt, als Mttelpunkt der Welt hinstellt, so ist de« kein Lehrsatz der mathemattschen Geographie, sondern es eirspricht der menschlichen Anschauung und Ausdrucksweis:. So reden wir noch heute und so wird man noch nach Jahrhunderten von Sonnenauf- und Untergang redm und ebenso vin Welt- oder gar Universalgeschichte rc. re.» obgleich wir labet nur an Erd«, Menschenwelt denken. Die Religion, Lehre und Gesetz, über welche uns die Bibel belchren will, hat mit Fixsternen und Planeten nichts zu thun, *) Men »zählt, daß al» »er 100 Jahren et» Pol« et» hetr. werk uit Widerlegung bei Koperniku» geschrieben hatte und t» Berlin Dub< scritente» darauf sammeln wolle, ihm der gute Rach gegeben wurde: „«•• »ollt Ihr der Olam «arisch sein (die Erde — «da di, Leut« — in Bewegung sehen), laßt den Olam gehen!' Das kopernikanische System in seiner Beziehung zu ithriftenthnm nnd Jndrnthnm. j Der Tag, an dem wir dies niederschreiben, Ist der vier- | hundertjährige Geburtstag des KopernikuS; wiffenschaft-! licht Kreise feiern das Jubiläum, alle Journale werden ihre | Leser an Tag und Person erinnern, und die größeren werden ausführliche Artikel über die Bedeutung der kopernikanischen j Entdeckung bringen. Es ist augenfällig, daß und warum j auch ein den religiösen Intereffen d«S Iudenthum« gewidme teS Organ von dem kopernikanischen System zu reden Anlaß* hat, und so mag es denn heute geschehen, und bas Andenken eines großen Denkers in jüdischer Welse dadurch geehrt werden, daß man von den Resultaten seines Denkens spricht. Koperntkus hat nicht nur ein neues astronomisches System aufgestellt, sondern sein« Ansicht von der Weltordnung begründete in ihren unausweichlichen ConsequenM eine durchgreifend neue Weltanschauung. Daher mußte sie auch mit den bisherigrn religiösen Ansichten sich auseinandersetzen, oder vielmehr diese mit jener. Wie die katholische Kirche aber- und abermals das kopernikanische System als ketzerisch verdammt hat, wie ein, wenn auch kleiner, Thetl der protestantischen Orthodoxie noch heute in seinem Widerspruche beharrt, ist bekannt; aber auch viele Andere, welche an die Bibel glauben und das kopernikanische System dabei annehmen, sind der Meinung, daß beide eigentlich einander widersprechen, und suchen sich dadurch zu helfen, daß sie in ihren Köpfen Wiffen und Glauben auseinander halten. Im Iudenthum hat das kopernikanische System gar keine merkbare Revolution hervorgerufen, wir stndrn von Kämpfen für oder gegen daffelbe kaum ein« Spur. Freilich lebten die Juden im 18. und 17. Jahrhundert so von der Welt und der wiffenschastlichen Bewegung abgeschloffen, daß sie von der neuen Ansicht kaum etwas erführet«, daher konnte von Parteiung darüber keine Rede sein; Gemeingut wurde indeflen die neue Lehre überhaupt erst gegm End« des 17. Jahrhundert!, und da hat z. B. David Niets*) sich *) Geb. in Venedig 1Sb4, erst. «I» Rabbiner in London 1721. Dein Werk p niSfi, von dem hier bi« Red«, ist 1710 geschrieben.

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