Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 4 (1873)
- Issue
- 4. Jahrgang Nᵒ 8.
- Date
- 1873-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 89% known words query
- IRI
…/5369809-5935020-5935691--1571-5371154- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
60 unfern Mitte verschwinden, vielmehr durch ihr^ Beispiel und thnlweise auch durch ihre Lebre den Fortbestand „leichgearteter und gleichgesinnter Menschen verbürgeu. In diesen lebt ihr Wesen und Wirken fort und erweist sich der Segen ihre» Andenkens. Und so wird auch das Andenken diese» Gerechten in Lindern und Verehrern sich erhallen und nur -egen genannt werden — N212^> pntfT2T* Vr. Rosin. Aenlße«, 10. Februar. (Or.«Corr.) Bor einigen Tc gen wurden wir durch eine Entscheidung des hiesigen Lreisge ichts sehr erfreut. Dieselbe betraf einen Mortarafall sn rniniatur« In einem kleinen Dorfe nächst Lattowitz verstarb nänlich vor ungefähr einem Jahre ein jüdischer Mann Namens Lihlesinger, und es blieben zurück eine Wiltwe mit einem seelsjährigen Sohne. Die Wittwe hat aber nicht lange nachher ein Verhältniß mit einem Bergarbeiter anglknüpfr und dasselbe dann auch durch Taufe und Trauung in der hiesigen katholischen Lirche zu einem juristisch legitimen gestal et. Den Herrn Clericis trat es aber um die arme Iudenjeele des kleinen Abraham leid, und so wurde denn die Mutter beredet, ihr:n kleinen Sohn mit sich zugleich in den Schooß der „Alleinseligmachenden" hinüberzunehmen. Dagegen hat nun der Bormund des Lindes eine Llage bei hiesigem Gerichte eingereicht. Zum Termine wurden der Bormund, die Mutter und ein Onkel des Lindes geladen, welcher da» Lind zu sich zu nehmen sich berelt erklärt hat. Die Mutter erklärte aber nicht blos mit Freuden einzuwilligen, daß ihr Lind alS Jul« bei seinem Onkel erjogen werde, sondern sprach auch mit ernster Reue den Wunsch aus, selbst zum Judenthume zurncktreten zu wollen. Das Gericht hat darauf in Betreff des Lindes entschieden, daß daS Lind weiter alS Jude anzusehen sei und daß es binnen 14 Tagen seinem Onkel zur Erziehung übergeben werden müsse. LeiPzig. Der in vor. Nr. nach uns gewordener telegrafischer Anzeige gebrachten Notiz über den Tod des Prof, vr. Julius Fürst lassen wir einen längeren, dem „Leipziger Tax ebl." entnommenen Bericht über das ehrenvolle Leichenbegingniß folgen: Leipzig, 12. Februar. Die Stadt Leipzig hatte gestern Gelegenheit, Zeugin eines selteuen, solennen Leichenbegängnisses nack jüdischem Ritus zu werden, einer mehrstündigen Trauerfeietlichkeit zu Ehren eines hochangesehenen Mannes der Wissenschafr, des seit 1839 in der hiesigen philosophischen Faciltät als I-ector pnblicus der aramäischen und talmudischei Sprachen habilitirten Prof. vr. Z. Fürst, Ritter» des kgl. sächs. Alorechts- und des kgl. prenß. Aroneir-Ordens, Inhabers der k. k. österreichischen großen goldenen Medaille für Lunst und Wissenschaft. (F. war seit 1864 Professor.) Im Trauerhause gaben der Prediger vr. Goldschmidt und der Vorsteher der israelitischen Gemeinde, Moritz Löhner, in marmen Worten den Gefühlen der anwesenden Leidtragenden Ausdruck. Der Haupttheil der Feier fand in der Synagoge statt, wohin der Zug mit dem Sarkophage sich gegen 2 Uhr bewegte, geleitet durch studentisches Trauercomitat, bestehend auS Deputationen vieler akademischen Berbindungen, denen die umflorte Fahne der philosophischen Facultät, sodann ein auf weiß.in Listen liegender, von des Berstorbenen Zuhörern dargebr ichler Lorbeerkranz, der die OrdenSinsignien des Entschla men umschloß, sowie ein zweiter vom Echriflstellerverein gesandter Lorbeerkranz vorangetragen wurden. Bon Seiten j der Hochschule waren der üootor maguificua, sowie der kgl. Regierungsdeoollmächtigte erschienen» von der theologischen , Facultät Prof. Vr. Delitzsch» von der philosophischen die Pro- ' fessoren Wuttke, Zarncke und vr. Lrehl. Bo» Seiten der i städtischen Gemeindevertretung und des Rathes der Stadtverordneten-Borsteher, 1 Stadtältester und 1 Stadtrath. Die Dresdener israelitische Gemeinde war vertreten durch den Landesrabbiuer Vr. Landau und Vorsteher Joseph Bondi. Herr Di-. Goldschinidt (Landsmann und Zeuge der Iugcndbestrebungen des Berstorbenen) hielt eine tiefempfundene, weihevolle Gedächtnißrede, in welcher er besonders hervorhob, wie der Berstorbene aus mühevollen Anfängen sich durch rastloses geistiges Ringen und Streben, unbekümmert um äußere Erfolge, emp^rgearbeitet und lediglich in der Liebe zur Wissenschaft sein Genügen gefunden und gelebt. Herr Oberrabbiner vr. Landau (Dresden) sprach ein längeres erhebendes Gebet. Der Zug setzte sich hierauf nach dem israelitischen Friedhof in Bewegung, wiederum unter Borantritt der Studirenden, die erst a:u Ende der Blücherstraße austraten und Halt machend den Trauerwagen mit gesenkter Fahne und gesenkten Schlägern zum letzte» Male salutirten. Auf dem Friedhof angeiangk, ward die irdische Hülle des Verstorbenen durch Oberrabbiner vr. Landau mit einer zweiten Ansprache und unter Ritualgesängen eingesegnet und streng nach dem jüdischen Ritus der Erde übergeben." (§. starb in, 68. Lebensjahre; er hat als Schriftsteller aus den Gebieten der orientalischen Sprachen und der biblischen Literatur eine seltene Fruchtbarkeit entfaltet) X Aus Siidbeutschtaud, 7. Februar. (Orig.-Eorr.) Einer Veröffentlichung des statistischen Bureaus in Larlsruhe entnehine ich für die „Wochenschrift" folgende Angaben über die Ergebniste der letzten Volkszählung im Großherzogthum Baden. Zahl der Bevölkerung 1,461,572. Seit der letzten Zählung (l. Der. 1867) hat sich die Bevölkerung um 26,592 Seelen vermehrt. Das Verhältniß der Consessions angehörigkeit stellt sich so dar: 33,39 pCt. Evangelische, 64,49 pEt. Latholiken, 0,16 pCt. sonstige Christen, 1,76 pCt. Israeliten. Hierbei wgiebt sich eine Zunahme für die Evangelischen von 3,17 pCt.. für die Latholiken von 1,24 pCt., für die Israeliten 0,41 pEt. Die unter der Rubrik „sonstige Christen" Begriffenen weisen eine Abnahme von 7,55 pCt. aus. Als Erllärungsgrund für die geringe Zunahme der Israeliten (die sich übrigen» stark an der Bewegung der Evangelischen vom Lande in die Städte beiheiligten) wird Abzug einer größeren Anzahl in das Nachbarland Elsaß- Lothringen angenommen. A. Ans Hstfrieskand, 7. Februar. (Or.-Corr ) In Betreff Ihrer Erörterung hierländischer Gemeindeverhältniste im Leitartikel der Nr. 6 der „Zsr. Wochenschr." gestatte ich mir noch Folgendes hinzuzufügen: Ganz richtig wird dort bemerkt, daß der von Laster angeführte Fall nur in Miniaturgemeinden statthabe. Dabei handelt es sich aber durchaus nicht um religiösen oder staatlich geübten Zwang, sondern um eine civilrechtliche Verpflichtung. Alle diese klemm Gemeinden werden nämlich auf Antrag des Landrabbiner» vom Provinzialronds suboentionirt zum Halten eines LehrrrS, CantorS, Schächters und zur Einrichtung eines Betlocalsl Als „Gemeinde" kann aber nur die Bereinigung betrachtet werden, welche am Sabbach und Festtagen gottesdienstliche Versammlungen hätt. Dazu muß sich also eine jede verpflicht