Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 4 (1873)
- Issue
- 4. Jahrgang Nᵒ 8.
- Date
- 1873-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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59 durch Aufnahme dies r Zeilen «inen Pricendenzfall statuiren. Berichte «erde» immer tum irgend einem Br- Iheiligtrn in irgend einem Nrbrnpunkte bemängelt, ja sogar berichtigt oder vervollständigt werden können, Tischreden find selten so wichtig, daß man sie stenographisch aufzeichnrt; die Redaction eine* Blatte* würde zur Unmöglichkeit werden, wenn jeder Berichtigung" Raum gegeben oder jede inhaltlich erwähnte Rede nachher wörtlich abgedruckt werden sollte. Urmfau, 6. Februar. (Or.-Corr. *) Die jüdische Gemeinde in Berlin hat eine* ihrer wackersten Mitglieder, da* Judenthnm einen seiner wärinsten Anhänger verloren. Harry Jacob ist im 65. Lebensjahre in Oberitalien, wohin ihn seine Aerzte zur Linderung eines hoffnungslosm Herzleiden* gesandt hatten, am 22. Januar d. I. verstorben. Geboren in Berlin im Jahre 1809, Lohn de* noch in gutem Andenken stehenden S. L. Jacob, war eS ihm vergönnt, eine für den KaufmannSstand mriir al* hinreichende Ausbildung de* Geistes zu erlangen und zugleich an dem Beispiele der trefflichen Akltern und mancher hervorragenden Freunde de* gastlichen Hause* zu derjenigen Höhe sittlicher Reinheit, Wahrheitsliebe und Lchter Religiosität emporzuwachsen, welche er bis an sein Lebensende bekundet hat. Leine .Intelligenz und Gewandtheit, verbunden mit unerschütterlicher Rechtschaffenheit, erhöhten seinen Wohlstand und verschafften ihm Ruf und Ansehen im Kreise der BerufSgenossen. Gereift an Erfahrung und in der Bollkrast de* ManneS wendete er sich den Angelegenheiten seiner Glaubensgenossen mit ganzem Herzen zu, al* er im Jahre 1648 zum Aeltesten der jüdischen Gemeinde in Berlin gewählt wurde. Da zeigte sich die ganze Energie und ttefinnerliche Begeisterung de* seltenm Manne* für Wahrheit und Recht und für den Glauben der Bäter. Wo er Mißbräuchen begegnete, trat er denselben mit einer Entschiedenheit entgegen, dir alle Schwierigkeiten überwinden mußte. Mit besonderer Borliebe nahm er sich de* in Verfall gerathenen Schulwesen» an, entdeckte und beschaffte neue, tüchtige Lehrkräfte und bewirkte theil* verbessernde Umgestaltungen, theil« neue Schöpfungen. In ersterer Beziehung ist vorzüglich die Gemeinde-Knabenschule zu nennen, die von völliger Verkümmerung zu nie geahntem »uffchwunge am «neisten durch da* Verdienst Jacob'* geführt worden ist. Neu entstand auf seine Anregung die Religion»schule, deren dringende* B-dürfniß sich bald an deren starker Benutzung und allmählicher Vergrößerung zeigte. Auch in anderen Zweigen der Gemeindeverwaltung zeigte sich Jacob rastlo* thätig in Gemeinschaft gleichgesinnter Männer. Leicht ist ihm seine Wirksamkeit als Aeltester nicht geworden; er hatte schwere Kämpfe mit Einzelnen, die sich benachcheiltgt fanden., und mit den widerstrebenden Elementen in der Gemeind« zu bestehen, ließ sich aber nicht irre machen, sondern verfolgte seine Ziele bi» an'* Ende se'.ner Ainttthättgkeit. Ein Uebergewicht jener Opposition verdrängt« Jacob und die Männer seiner Richtung au« dem Borstandscollegium. In späteren Jahren nahm er noch längere Zeit an der Verwaltung de* Lehrhause« für Talmudstudium (Beth* hamidrasch) Theil und war der Erste, . ' *) Stekrologr über Privatpersonen zu bringen haben wir bisher au* dm naheliegendst« Gründm unterlaffm; wir mach« hier eine Ausnahme, theil« um dem Wunsche de» geehrt« Her« Einsender« za genüg«, theil« um manch schöne» von demselbm auSgefproch«« Wort «nsern Lese« »«»zuleg«. (Red.) welcher dcffelbe zu einer dm gegmwärtig« Bedürfniffen entsprechend« Bildungsanstalt für jüdische Theologen umzuwandeln kestrebt war. Seine Bemühungm scheiterten an dem Widerstand de* dermaligen Gemeiudeoorstandes, welcher bei dieser Gelegenheit die Selbstständigkeit drS Institut«, jedoch in dies eia Punkte ohne Erfolg, bedrohte. Inzwischen halt« tieffchmerzende Todesfälle in seiner Familie die Kraft de* sonst so starken Mannes gebrochm, und hinzuttetende eigene Körperleiden nöthigtm ihn, sich ganz in'S Prioatiebm znrückzuziehen. Doch hörte er nicht auf, im Still« Gute* zu stiftm un» zu fördem und Werke großherziger Wohlthätigkeit zu ülien. Sparsam hinsichtlich seiner eigen« Bedürfnisse, gab er mit vollen Händen, wo e* galt, fremde Roto zu lindern, i.nd gab doppelt reichlich und gern, wenn ein seinem religiöse» und humanen Sinn zusagender Gedanke zu verwirklichen war, oder wenn strebsame Jünglinge in ihren wissenschaftlichen Studien oder in ihrer Vorbereitung für ein jüdische* Lehramt zu unterstützen waren. Hierfür war ihm keine Zuinuthung zu hoch; selbst die regelmäßigen Stipendien für Schüler und Sludirende erreichten monatlich eine ansehnliche Summe. So bekundete er seine Menschcnliebe und Fröininig!eit unmittelbar durch die Tha«, und da« inußtc man sehen un!» wissen, um die Gediegenheit seiner edlen Sinnesart ganz zu würdigen und hinter der schmucklosen, Manchem rauh erschein«-« Außenseite das warme, liebreiche Herz eines mitfühlenden, begeisterung »fähigen Menschen und GlaudeuSgenossen zu erkennen. Jene Geschmeidigkeit und Gefügigkeit, die e* Allen recht niachen und All« gefall« will, war und blieb Jacob fremd. Er war gut in seinem Grmüthe, gut in seiner Handlungsweise; die äußere Form, die begleitende Rede schim ih», unerheblich zu sein. <£» kannte kein Falsch, sein Wort war stet* gnetde und off«, sein Unheil streng, aber nicht str Niger gegen Andere al* gegen ihn selbst. Wa* er im Benich« der Wahrhaftigkeit, Rechttichkrit und Religiosität sich selb t nie erlaubte, glaubte er auch Andem nicht immer nachseheir zu müssm. Harry Jacob war im vollen Sinne de« Worte* «in Mann von Eharakt«, er war ein Mann au« einem Guffe. Fest und standhaft behauptet« und bewährt« er sein« Gesiimung in jeder Lage, in jeder Stellung; wa» er für gut erkannte, da* liebt« und wollt« er, und wa* er woll e, da* führt« er au*. Dabet war er in all den Entschlüsser und Maßnehmen seiner öffentlich« und gemeinnützcgm Wirksamkeit von einer rührenden Selbstlosigkeit; sogar di« Eiblkett, d« üblich« Rest de* Egoismu* auch in besseren Mrnschm» schim ihn völlig unberührt zu lassen. Ihn trieb z« angkftrrngter Thittigkett und zum Kamps« da* Interesse der jediümaligen Sache allein, di« «r vertrat; ihr wollte er gerecht «oerdea, unbekümmert um dm Dank »der die Abneigung der Mrnschm. Darum erwarb tr sich, auch bei Gegnei n, hohe Achtung und bei dm«, die chm näher ttaten, Liede und Bewunderung. Harry Jacob gehört zu den«, bet deren Hingang eine fühlbare Lücke sich zeigt, für di« man nach lirsatz vergeblich umschaut. Der alte Schmerzen«ruf ist hier ain Orte: „Wehe um dtt un* verlor««, nicht wieder zu Firdmden!" Da» wiederholte Gefühl solcher Verlust«, die immer rrnmerb! Veranlassung zu jener Klage müßt« un« zur Verzweifle ng treib«, läge nickt gerade in dieser Wiederholung dem» lisch da» Zeichen^ - daß die Gut« und Edl« zuweilen sich zrxrr ,u verringern schcknen, niemal» aber ganz an«