Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 4 (1873)
- Issue
- 4. Jahrgang Nᵒ 8.
- Date
- 1873-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Wie, so nzst die moderne Ethnographie, kann uian so verblendet sein, darin einen Borzug zu erblicken? Die Juden morden einfach darum nicht, weil sie zu feige sind. (So zu lesen „im Ausland" 1872*). Vielleicht wird man in Zukunit nach dieser Weltanschauung die großen Räuber cllS Helden dekoriren! DaS Pröbchen beweist genug! Daß «S die Pflicht besonnerer und ehrlicher Forscher ist, ihre Stimme gegen solche Schändungen der Wisienschaft schon aus Gründen der Menschlichkeit zu erheben, versteht sich hiernach »on selbst. Durchaus abzuweisen ist die Bedenklichkeit, ob >oir Juden selber hier das Wort ergreifen dürfen. Wir sind!»azu berechtig», wenn je einer berechtigt war, seine eigene Haut zu schützen. Woher nehmen auch, wen» die Kluft zwischen arischem'und semitische« Wesen so unüberbrückbar ist, unsere Gegner, vor Ällen §er Arier Renan, wie Grätz ihn einmal treffend genannt hat, das Berständniß und '"das istecht her, über unser Wesen zu richten? Was weiß ein ilußenstehender über ein Haus zu urtheilen. auS dem er hier »nd da einen herauskommen sieht oder in dem er einen Lärm ader eine Bewegung zu hören glaubt? Darum ist es «in« »ankrnswerthe Thal de» Prof. Ehwolson in St. Petersburg, raß er „als Semite" in einem UniverfitätSvortrage, der nun n einem leichtzugänglichen Schriftchen**) vorliegt, es ur.terlommen hat, die Eigenchümlichkeiten seines Volkes in'» rechte Sicht zu setzen. Ehwolson unterstützt in der Bedeutsamkeit 'eine» Auftretens da» Schwergewicht feine» wiffenschastlichen stufe», und darum ist seine Thal doppelt dankenSwrrth. Es genügt der Hinweis auf diese Erscheinung, der Inhalt der Schrift selbst ist so kernhaft und knapp, daß Auszug Verstümmelung wäre. Nur sei noch ausdrücklich erwähnt, daß maßvoll und würdig, wie es der Wahrheit geziemt, die leider mit Wisienschaft nicht mehr ideutffch ist, Abwehr sowohl als Aufstellung in dem kleinen, aber inhaltsvollen Schristchen oorgetragrn werden. Jene bequeme und böswillig« Vermischung von Juden und Semiten, durch die unsere Verdienste geschmälert und fremd« Sünden und Fehler auf un» gewälzt werden, wird darin vermieden, wie r» di« Wahrheit erfordert. Jener groß« stladderadatschbereicherer, der in der preußischen Kammer da» Wort von den „semitischen Herren" von sich •) «ufgewärmt au««weiland Bruno Bauer'« „Judenfragr^. (Red.) **) D. Ehwolson, die Semiten, Verlin, Dnncker 1872. ekennzeichnet; Iten ganz ineinlich und arg, uden oder „Selichkeit ihnen zugegeben hat, hat di«»« Vermischung wu> W* eie» MjDthüHlWkeil» ünrljtir' zukäme, als irl kqznmt» was fojatt daraus: Soll wirklich die einzige tsntuprh fd'te ',/die tzrdße deufjch, -Wiffs,ßtzltft" auf d«fr sehr bt> rechtigle Frage gtcbi, ein anderer Ausdruck für Rückfall in Rohheit und Barbarei fein, Austreibung oder Knechtung der Juden lauten? Traurige» Zeichen der ZeitI Einst-hat man ein andere» Lied von der Aufgabe der Wissenschaft zu singen gewußt. Da war sie die hohe, die himmlische, die Friedenjüsttria, di« beglückende, vülkereinend« Macht. Mit Ranonalitäienhader und Raeenhaß beginnt der Entwicklungsgang der Menschheit; sollen aus dem Höhenpunkte des Fortschritts in den späten Enkeln der Bäler niedrige Trieb« »och gepflegt und genährt werdrn? Kann e« die Ausgabe der Wisjeujchaft lein, Vorurtyeile zu hegen und zu hüten, die Vereinigung und vervrüderung der Menschen zu verzögern, oder gar sie zu treiiiien uno wider einander zu Heyen? 'Mögen tausendmal in der Wissenschaft solche Eigenthüm uchteiien von Vöikenndividuen behauptet werden, wo in aller Wett giedt es aber ein Recht, sie sür di« Praxi» au»zubeuten und die friedliche Gestaltung der Dinge zu stören und zu verhindern? Ist e» beim im Leben de» Einzelnen ander« mit den Eigenthümlichkriten, wie beim ganzen Stamm? Auch jener hat Kanten nnd Ecken in seinem Wesen, die abgerieien werden im Verkehr mit der Gesammtheit oder ihn schädigen, wenn er sie nicht beseitigen will. Für das staatlich« Leben haben sie gar keine Bedeutung. Der Staat verpflichtet in gleicher Weise alle seine Unterthanen, an ihre „berrchtigten Eigenthümlichkeiren" kehrt er sich nicht. Darum sind alle diese mic so viel Wichligthurrei oorgetragenen Eigenthümlichkeitc» der Juden für ihre Stellung in der Gesellschaft und im Staate völlig bedeutungslos, nur der Haß und die BersolgungSsucht kann mit freventlicher Absicht auf sie Hinweisen. Die Forscher hören so gerne mit den Bergen sich vergleichen, über denen der junge Tag der Erleuchtung erglänze, wenn die Menschlein drunten noch da» Dunkel drückt. Wollen sie auch darin den Bergen gleichen, daß daS Eis der Unduldsamkeit noch auf ihren Scheiteln lastet, wenn schon im Thalgrund unten die Keime der Versöhnung an der Sonne des Fortschritts sich erheben? Berichte und Correspondenzen. Deutscht»«-. •ijfcui»NT. In Beziehung auf den in unserer Nr. b enthaltenen Bericht über die Jubelfeier de» Iünglingboerein» erhielten wir («. ä. 7. d. Mt«.) ein« Zuschrift von Herrn Hirsch, worin derselbe berichtigt, daß seine in einem Toast ausgesprochen« Anerkenn»g nur dem Wirken deS Hrn. LandrabbinerS für dea fraglichen Verein gegolten habe. Wir geben dies« Berichtigung, weil wir gerade in vorliegendem Fall« jeden Schein von Parteilichkeit vermeiden möchten, könne« jedoch ««der da» den vollen Wortlaut der betreff. Tischrede enthaltene Schreiben de» Herrn H. abdrucken, noch