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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1873-01-01 · 4. Jahrgang Nᵒ 8. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
4 (1873)
Issue
4. Jahrgang Nᵒ 8.
Date
1873-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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8. - 1873. # ZsrHMLsch» > Jahrgang. für die religiöse» u«d sociaM Jutereffen des Zudenthums. Erscheint jeden Mittwoch. Vn» vierteljährlich 22'/, «röschen. Inferttonvgebahk fttr Mi dreispaltig« Petitzeil« oder deren Raum 2 Sgr. Brrannoortlicher hllüdkteur und Hen udgeder Rabbiner vr. A.^Ure»e»frl« üt Stettin. -i4k-< Magdeburg, Februar -1873. Zu beziehen durch all« Buchhandlungen und Pvstanstalle». Inserat««»«»nahm» . » tot Hof-Vuchdrucker» von üarl Friese in Magdeburg. Inhalt. Leitend« Artikel» Da» Iudenihum und die EthtsMaphie. Ban D.—d. K.—nn. — Berichte und borrespondenzr»! Deutschland: Hannover. Bretl-Ni. Beuthen. Leipzig. Sn» Süddi«schland. Aul Oftskieiland. — Oestjerreichr Wien, ilu» Böhmen — Der«ischt« und neueste Nachrichten» Stettin. O-denburg. lpari». Bzcknest. — stzeullletoEr Unsichtbare Fesseln. Original- Novelle au» dein jüdisch-amerikanischen Leben von I. N. Achtende»^ in New-Yort. — Inserat«. — Briefkasten. Das JuLtnllium und die Ethoogrnpljie. Bon O—d. K—nn. Man hat in Deutschland allezeit von der unbestochentn s und unbestechlichen Wahrhaftigkeit der , deutschen Wissenschaft viel Aufhebens gemacht. Stoch jüngst dar man Frankreichs » Verfall nicht schwärzer kennzeichnen zu können geglaubt, als - durch die falsche Richtung und Verlogenheit, die durch polt diese Hoffnung dahin wenigstens verwirklichte, daß er mit seiiiem Ab iall auch jen. bedenklich erschüttert hat, Renan ist es, der mit seiner Geschichte der semitischen sprachen den 'modernen Spuck von Ariern und Semiten und ihren Verschiedenheiten angeregt odrc erweckt hat. Mit maßloser Kühnheit hat tr darin Behauptungen über die Eigenart der Semiten vorgetragrn, die lächerlich wären, wenn sie nicht eine ^bedenkliche Tragweite hätten Renan gilt als eine große »chig tische Voreingenommenheit und Leidenschaft in die französisch« Hjjilutoriläl. und so hat man es denn von gelehrtrr Seite für Wiffenschaft hineingekommen ist. Man hat aber in,Deutsch' land durchaus keinen G«md, über solche WohrhestSp wie über etwas Unerhörtes sich zu entrüsten, braucht man doch nur auf die neue, mit Vorliebe in Deutschland gepflegte Wissenschaft der Elvnographie zu sehen, um Entstellungen und Verdrehungen zu begegnen, den aus der trüben Quelle leidenschaftlicher Verblendung quillend, wahre Verunglimpfungen der reinen Wissenschaft bilden. Daß die Ethnographie, die eS sich vorgejctzt hat, die Eigenthümlichkeiten der Volkscharaktere nachzuspüren, die Juden nicht übergehen werde, ließ sich um so eher erwarten, alS dieses Volk in seiner überwältigenden Unverwüstlichkeit von jeher den Blick de» Forschers auf sich gelenkt hat. Und wie erhaben ist hier gerade die Aufgabe der Wissenschaft, die ja ihre höchsten Triumphe feiert, wo sie mit der Fackel der besseren Einsicht die Schatten deS Wahnes und Vorurlheila verscheuchen kan»! Und wo gäbe es ein Volk, daS unter der Wucht blutjaugender Vorurtheile mehr zu leiden gehabt hätte.und zum Theil noch har, als eben die Juden? Da hat sich denn das Unerhörte begeben, daß die Wissenschaft sich dazu hergiebt, dem schwindenden Wahne eine behagliche Heimstätte einzurichten und Ansichten, die kein Gebildeter noch vorzubringen sich erkühnen möchte, »it gelehrter Ernsthaftigkeit deS Breiteren auseinanderzuseyen. Sprenger in seiner genial-ungebundenen Weise desinirt einmal Metaphysik als die Kunst, Unsinn ohne Erröthen zu sagen. Von einem Zweig« der modernen Ethnographie kann man es kühnlich behaupten, daß er die Kunst treibe, Unsinn und Unverschämtheit ohne Erröthen vorzutrageu und auf de» Markt zu bi ingen. Erirrst Renan, von dem man in der Jugend hoffte, er werde eine Säule der katholischen Kirche werden und der ..gesuden, seine Aufstellungen mit einem Ernste zu b«- ^Mi sie du»ch lriekffenigg tHhnheü kau» verdient haben, Cr hat sie' auc^ spfst^ inSdkfirtrt, sogar sehr^veseutlich geänb:rt, aber der große, allezeit bereitwillig» Troß der Judenfeinde, so sich Ethnographen nennen, behandelt seither seine Fabeln von semitischem Charakter als unumstößliche Heilswahr heile». Bekannt ist, um nur eine Lächerlichkeit anzuführen, wie er die Enggeistigkeit und niedrige Begabung der Semit:» aus chrer größten, dankenswer-hesten Errungenschaft, de» Monotheismus — wobei er übrigens Juden und Semiten mit unbewiesener Behauptung zusammenmischt — ableitet, ter der Idee des Polytheismus gegenüber eine Beschränktheit sein soll. So gerechte Entrüstung auch Renan's Verfahren verdient und bei ehrlichen Leuten hervorruft — sonderbar bleibt es allerdings, daß Prof. Spiegel noch jüngst Renan's Ansichten theilweise Anerkennung und Würdigung zollte — so hat er doch den wissenschaftlichen Anstand bewahrt un!> den Stachel des Judenhasses nicht deutlich durchblicken lassen- Das kann man seinen deutschen Nachtretern und Fortl'üdnern nicht nachsagen. Das enge Kleidchen der Wiffrnschc ftlichkeit, das sie ihren Lügen umhängen, platzt in allen Nählen, und heraus dringen die vollen Formen üppigen Judenhasses, oft ist da? Gewebe der Gelehrsamkeit so dünn und weil» aschig, daß man der ganzen Niedrigkeit, die es bedecken soll, beqm m bis an'S Herz hinan sehen kann. Die Gefahr, die in der, Umsichgreifen solchen Verfahrens liegt, ist nicht zu verkennen. Wohin, z.. B. soll es führen, wenn der tausendfach wird, rlegtr Unsinn, der Jude habe kein Vaterland, in wiffenscha tlicher Gewanduag als pu unbestreitbarer Charakterzug der Semite» vorgesührt wird, wenn man Wuchkr und

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