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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1873-01-01 · 4. Jahrgang Nᵒ 7. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
4 (1873)
Issue
4. Jahrgang Nᵒ 7.
Date
1873-01-01
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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54 Persönlichkeit mosaisch« Religion (z. v. «in Rabbin«) findet, und wollen wir in solch« Fällen einen bezüglichen Antrag >-rwarten. Im Uebrigen «leiden die den Provinzial-Borleherämtern in Ansehung de« israelitischen Schulwesen» ringeäumten Befugnisse hindurch kein« Veränderung" (vi»h« tand die Inspektion üb« jüdisch« Volksschulen in Hessen den >Semeindevorsteh«n zu.) Meikl«r§ (Nassau), 22. Januar. Zwischen dem hiesi-;m Rabbin« und dem israelitischen Rrligton»lehr« ist ein Streit entstanden, woran viele and«e Mitglied« der betreffen- »en SultuSgemeind« mehr od« mind« lebhaften Antheil nehmen. <W handelt sich hi« nicht um de« ÄaiferS, sondern um de« Religionslehrer« Bart. Bor einig« Zeit erliest näm> lich der Herr Rabbin« an den ReligionSlehrer ein Schreiben, worin gesagt war, daß schon seit, läng«« Zeit von erstrrem an letzterem dt« Entwicklung de« Barte« verfolgt worden sei. Im Anfang« Hab« man glauben können, eö würde ein Bollbart darau« entstehen, und dagegen sei nicht« zu erinnern gewesen; nunmehr sei ab« „eine Schnurre" darau« geworden, und da« sei an einem Mann«, welch« gottesdienstliche Handlungen vorzunehmen habe, störend, weshalb besagte Schnurre zu verschwinden habe. Da d« Gemahnte nicht sogleich Folg« leistete, wurde d« Rabbiner bei hiesigem Amte klagbar. Die meisten hiesigen Israeliten stehen auf Seiten de« ReligionSlehrer«, und da d« Herr Rabbin« al« solch« bekannt ist, welch« im Kampfe für das von ihm als Recht Erkannte nicht eicht nachgiebt, dürfte daS hiesige Amt vielleicht noch nicht die letzte Instanz sein, welcher dieser Streit zur Entscheidung oorgelegt wird. (M. Z.) SPe|t Am 28. December v. I. starb, wie der „P. L." berichtet, in Siroka ein Israelit NamenS Samuel Lüwy im 109. Jahre seines Lebens. Derselbe hatte nie einen Arzt gebraucht. In seinem 102. Lebensjahre legte « Strecken von ein« Meile zu Fuß zurück. Erst vier Wochen vor seinem Tod« bekam « Abneigung gegen Fleischspeisen und seine Kräfte fingen an, immer schwäch« zu w«den. Sein heller und klar« Verstand »«ließ ihn bis zur letzten Minute nicht. Als ihn die Umstehenden kurz vor seinem Tode fragten, ob « das Sündenbekenntniß sagen wolle, antwortete er: „Daran brauche ich nicht erst erinnert zu w«den. Wenn ich so lange in Gottesfurcht zu leben wußte, so weiß ich auch, so zu sterben, und sehr gut weiß ich, daß die Gelegenheit zur Uebrrfahrt bereit steht!" Aus Jlngar» wird der Tod zweier Rabbiner, welche als bedeutende Talmudisten galten, gemeldet: R. Fonfed« in Tokay und der Rabbiner in SaroS-Patak. (I. Pr ) 'Start». In Frankreich haben Neuwahlen für die Eonstftorien stattgefunden, in den Departements am 26. Januar, in Pari» am 2. Februar. Zn Paris haben.diese Wahlen eine Agitation hervorgerufen, welche indessen nicht sehr tief zu gehen scheint. ES sind mehrere neue Name» als Candidatrn ausgestellt, da« Resultat ist uns noch nicht bekannt. Zn Betreff der isr. Consistorirn in Algerien hat ein neues Drcret bestimmt, daß die Mitglieder nicht mehr von der Regierung «nannt, sondern lediglich von den Israeliten erwählt werden sollen. Skari» „Arch. Isr." besprechen ziemlich ausführlich ein neues Theaterstück von Al«. TumaS je. ,.la komme de Clande“. Nicht mit Unrecht, denn „wohl zum erstenmale, heißt e«, ist das Zudenthum von einem b«ühmten Cchriflftell« nicht in beleidigend« Weise od« um e» läch«lich zu machen, in Scene gesetzt, sondern um ihm zu huldigm und Ehre zu bereiten. Al« vri lenhändl« od« al« Shylock, so ist d« Jude bi« jetzt auf :*r Bühne ob« in Romanen erschienen; Drrma« hat mit dieser traurigen literarischen Uri«« lteferung gebrochen, « führt in Io komme de Claude israelitische Personen und Ideen in ein« edlen Rolle vor." D« Herr Redakteur d« Arch. Isr. muß die ftanziflsche Lit«atur best« al« wir kennen, hat n ihr «st Duma« die bezeichnete neue Bahn gebrochen, so steht sie in dies« Beziehung weit hinter d« deutschen zurück. An Lesstng'« „Juden" und ,,Nathan" zu erinnern ist ja überflüssig, und in neuer und neuest« deuffchen Bühnen« und Romanliteratur fehlt i« keineswegs an Beispielen von Gerechtigkeit gegen den jüdischen Eharakter, obgleich da« G«gentheil allerdings auch diesseits de« Rhein«, ich wollte sagen d« Vogesen, häufig« vorkommt. Htntarefi Wa« wir unfern Lesern fast allwöchentlich au« Rumänien zu berichten haben, ist -doch nicht immer tra, gisch; e« ist auch mitunter recht «götzltch durch den Blödsinn, den der dorttge Judenhaß in der Presse, in den Kamm«n u. s. w. entfaltet. Ein kleine« Pröbchen auch heute aus einem Artikel der „Zukunft", natürlich ohne jeden Commentar. ,,ES heißt, daß die Inden, infolge d«S BeschluffeS der Brüffeler Conferenz einen neuen Angriff, durch eine Petition, worin sie die Ertheilung politisch« Rechte fordern, zu mache» beabstchttgen. Zn unserem Lande weilen 300,000 Juden, so daß ein« auf 6 oder 7 Rumänen kommt; sie klagen täglich und all« Welt, daß sie bedrückt werden, und betteln auf Hinterwegen um Zulassung zur nationalen Tafel; hint« ihnen lauern noch einige and«e Millionen Juden, die Alle unter der Maske ihrer Ieremiaden, hi« ihr Reich wied«herstellen wollen!" „Europa ab« kennt sie. ES braucht nur die Geschichte aufzuschlagen, um sich zu er nnern wie es genöthigt war, dieses vagabundirende Geschlecht in Ketten zu schmieden, wie es die Juden in Ghettos einschloß, wie sie aus England im Jahre 1270, aus dem Süden Frankreichs im Jahre 1472 oertrieben wurden, wle sie zu Hunderttausend«» getödtet und vnjagt wnrdru, und wenn Frankreich ihnen 1791 Rechte gewährte, so wird ihnen auch ein großer Theil der Unglücke Frankreich« zugeschrieben." Zteaandrie«, 3. Januar. Eine neue, auf Kosten de» Herrn Iacob-Levi MenaSee «baute Synagoge ist eingeweiht worden. Sie kostet vem edlen Spender 300,000 Frc« und ist sehr prächtig. Der Dicekünig ließ sich bei d« Fei« durch den Marineminister u id den Gouverneur vertreten und »«lieh dem ältestm Sohne »es Hrn. MenaSce den Medjidje- Orden. — Die Regierung dcS Kedive hat kürzlich mit dem Hause Menrscr rin Anlehen von einer halben Million Psd. Sterl. abgeschlossen. (Arch. Isr.) Sa« Ara»cisco. Der Direktor dcS hirstgen deutschen TheateiS, Fritsch, wurde unlängst von der Polizei mit einer hohen Geldstrafe belegt, weil r> am Sonntag hat Theater spielen lassen. DaS Gesetz verbietet dirS nämlich am „Sabbath". Herr Fritsch weigert sich, die Strafe zu bezahle», weil nicht der Sonntag, sondern der Sonnabend der eigentliche und rechte, in der Bibel vorgeschriebene Sabbath sei. Da« Gericht wird demnächst üb« diese Frage zu entscheiden haben. (Israel.)

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