Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 4 (1873)
- Issue
- 4. Jahrgang Nᵒ 7.
- Date
- 1873-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
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ö2 <S:t ist eine höhne Bürgerschule mit 9 Jahrescmsen. Das Schulgeld zwischen 40 Mk. und 100 Mk. richtet^ sich aussckiließlich nach den Iermögmsverhältniflm der Aelter». Kreist, llen werden aus dem Stiftungsvermögen (für christliche und co tfessionslose Schüler besteht seit 1871 ein Separatfonds) bisher nur an solche Knaben vergeben, deren Vater oder Mutter Mitglied einer hiesigen jüdischen Gemeinde ist. Zn al em Uebrigen, auch rücksichtlich des Religionsunterrichts, ist di>! Anstalt eine Simultanschnle. Sie bestand am 8. April 1872 aus 14 Klaffen, 19 Lehrern (incl. Lehrerinnen) — 642 Schülern, nämlich: 335 christlichen, 295 jüdischen (unter ihnen 161 Freischüler) und 12 confrssionslosen. Kamlurg. Die Eduard Kley-Stiftung für alte wohlverdiente und unversorgte Lehrer und Lehrerinnen bat ihre Airechnung für das Jahr 1872 der Oeffentlichkeir übergeben. Ti ergiebt sich aus derselben, daß die Einnahme am Schluffe des Jahres 29,283 Mk. Crt. 8 Sch. betrug. Ausgegeben find an lebenslänglichen Unterstützungen 900 Mk. Ert., an teinporiren für 1872: 1350 Mk. Crt., diverse Spesen 103 Mk. Crt., belegte Eapitalien 25,246 Mk. Ert. 9 Sch. Zusammen 27,599 Mk. Crt. 9 Sch., so daß sich also ein Urbersä uß von 1683 Mk. Crt. 15 Sch. ergiebt. W. Stuttgart, Ende Januar. (Or.-Corr.) Am 23. December v. I. starb hier plötzlich in Folge eines Schlagar falls Herr Eh. M. Hcnle, Mitglied der isr. Oberkirchenbehörde. Der Verstorbene war ein Mann, wie mir in unserer G'meinde keinen zweiten besitzen. Ursprünglich für das theol Emdium bestimmt, „lernte" er bis zu seinem 18. Lebensjahre in seiner Heimat und dann in Fürth, wo damals noch di? Z ffchibah in Blüthe stand. Familienverhältniffe nöthigten ihn denn, die Geschäftsbräuche zu ergreifen; seit 12 Jahren etwa betrieb er sein Geschäft hier und war als Bürger und Kaufmann allgemein hochgeachtet. Was ihn aber für uns unersetzlich macht, war sein bedeutendes jüdisches Wiffen! Trotz seiner angestrengten Geschäftsthättgkeit, ttotz vieler Sorgen für seine sehr zahlreiche Familie hat er Talmud-Thorah nie aufgegeben. Alle seine freie Zeit — wenn auch wenig — vnweiidete er auf die Beschäftigung mit Bibel und Talmud. Sein scharfer Verstand und seine Gemüthsttefe fanden in dieser Beschäfttgung eine angemrffenr Nahrung. Selten machte er hiervon Anderen eine Mittheilung; wem eS aber gelang, ihn zur Erklärung eines Psalmes. oder einer Stelle aus dm „ Sprüchen der Väter" zu bewegen, der konnte eines herrlichen Genusses sicher sein. Diese Erklärungm warm wohl wiffenscjaftlich nicht unanfechtbar, aber es lag eine Wärme und innige Begeisterung darin, die ich nie sonst gesehm habe. So ist der Hingang dieses Mannes ein schwerer Verlust nicht nur fiir di« Familie, sondern auch für weitere Kreffe. Zum Mitglied der gen. Behörde wurde (auf Vorschlag derselbm) Herr Kaufmann und Gemeindevorsteher Mos. Neumann ernannt. Diese Wahl hat besonders bei dm orthod. Israeliten deS Jagst-KreiseS Befriedigung und allgemeine Zustimmung gefundm, weil Herr N., wmn auch nicht zu ihrer Partei, aber doch zu dm sehr wenigen Kauflmtm gehört, die ihr Geschäft am Sabbath und an Feiertagm geschloffm habm. — In Betreff unserer Personalstmerftage ist dieser lllage von 2 Gemeindm, dmm sich wohl noch andere anshließm dürfm, eine Vorstellung an die 2. Kammer gerichtet norden, worin dieselbe um soforttge Aufhebung dieser mtt Recht mißliebigm Stmer angegangm wird. ES soll hierdurch wohl eiu Druck, auf das zuständige Ministerium geübtwerden, welchem die Sache längst zur endgültigen Entscheidung vorliegt. — Auch unsere Doviicilantenfrage scheint endlich entschieden zu sein; wenigstms sind die auf December anstehenden Wahltermine zur Ergänzung der Kirchenvorsteherämter im ganzm Lande dis auf Weiteres venagt wordm. Ich glaube zu wiffen, daß dem Berlangm der städtischen Gemeinden nachgegeben werden wird, so daß die Domiciliantrn an ihrem Wohnsitze volles Wahlrecht erhalten und ebendahin ihre volle Steuer zahlen werden. Einige der kleineren Landgemeinden werde» in Folge dieses Sleue.ausfallcs nicht mehr lebensfähig sein, andere werden von der Erntral-Kirchrnkasse llnterstüyungeu erhalten müssen, um lebensfähig zu bleiben. K. Stuttgart, 4 Februar. (Or.-Corr.) Ein unter Israeliten wohl jetten vorkommendcs Ereigniß bewegt seit vorgestern hier alle Gemüthr r. Ein Herr A., der lang« in Amerika lebte, kam Freitag mit seiner jungen Frau hier an und verlangte von einem Bckaunten in auffallender Form die sofortige Einräumung eines .Zimmers für sich und seine Frau. Nach einigem Widerstreben willfahrte man ihn«, und er bezog sofort das Ziinmer. Nach kurzer Zeit hörte man Wortwechsel, einen schrecklichen Hulferuf und als man eindrang, fand man die Frau mit einer breiten, liefen Wunde in der Brust, dem Tode naht, der auch nach wenigen Minuten erfolgte. Herr Ä. selbst, der sich einige Stiche in die Seite beibrachle und die Pulsadern am linken Arm durchschnitt, liegt unter Bewachung im Hospital; die Verwundungen sind übrigens nicht lebensgefährllch. Untersuchung ist natürlich im Gange, die Thal und ihre 41 otive noch nicht völlig aufgeklärt. Man nimmt an, daß Eifersucht (die eine fixe Zdee des Hern, A. tu sein scheint) diese schreckliche That veranlaßt hat. — Da die Eonfession der Frau nicht feststand (sie war als Katholikin geboren), so wollte das Rabbinat die Beerdigung nicht vornehmen, bis Herr A. selbst darüber bestimmte Angaben gemacht hätte. Diese erfolgten denn auch in Gegenwart oon Zeugen dahin, daß die Frau in New-Dork förmlich zum Zudenthume übergetreten sei. — Ich erfahre nachträglich, daß Herr A., nachdem er 7 Jahre Wittwer gewesen war, die Getödtete in einem Bade, wo sie Dienstmädchen war. kennen lernte, sich in sie verliebte und daun heiraihete. (Wir glauben aus einem anderen Schreiben des Herrn Correspondenten noch die Notiz hinzufügen zu sollen, daß A. wahrscheinlich als unzurechnungsfähig zu betrachten sei. Red.) Oesterreich. Mle». Uever die Petition galizischer Juden in Betreff der Wahlreform, von dener. unser Eorrespondent im vorigen Blatte berichtet hat, schreibt di« „N. Fr. Pr." unter der Ueberschrift „Polen und Juxn": Dem Abgeordneten Di. Kuranda sind zur Uebermittlung an den Reichsrath 30 Petitionen israelstischer Gemeindm GalizimS für die Wahlreform übergeben worden. Ob dieser reichSttmen Manifestationen der jüdischm Bmölkerung erheben die polnischm Blätter ein Zeter-' mordio. Natürlich wird dabei wieder das Paradepfrrd geritten, daß das Volk Israel im ganzen Verlaufe seiner fast zweitausmdjährigm Diaspora sich nirgmdS einer so gastlichm und duldsamm Aufnahme zu erfrmen gehabt habe, wie in dem welland polnischm Reiche, und daß eS deshalb dm Polen zum Danke verpflichtet sei. Der.Effect ist, wie jene Petitionm zeigm, rin verzweifelt geringer, zunächst «eil die Voraus-