Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 4 (1873)
- Issue
- 4. Jahrgang Nᵒ 6.
- Date
- 1873-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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45 feem st« jedrm Anwesenden bei einem solchen Gottesdienste gleich in die Augm fallen. Wir würden uns aber auch damit schon zufrieden stellen, wenn wir wenigstens die Genugthuung Hütten, daß ein« schin«, inhaltsreich« Predigt uns und die anwesende Jugend, welche das korrupte Prominkiren des Hebräischen nicht versteht, für den mangelhaften Gottesdienst entschädigte und uns belehrte, welche Bedeutung der betreffende außerordentliche Sabbath habe, und welchen Inhalts der eben »erlesene Wochenabschnitt sei. Doch mit Nichten I Denn das wäre ja eine Reforni, die hier zu Lande durchaus nicht geduldet wird*), und außerdem würde die Frage eine offene bleiben: „wo die geeignete Persönlichkeit hernrhm n, die im Stand« wäre, einen gediegenen Vortrag zu liefern? Au» diesen Gründen nun geht allelieber den gewohnten Schlendrian, und je mehr Pijut und SingSang, und je weniger Predigten und Belehrungen, desto — eher bleibt Alles beim Alten. So mag wohl das Gros hier zu Land« denken, dem jede höhere Auffassung de» Iuden- Ihum« fremd und unbekannt ist, wer aber einen offenen Blick und ein befferes Derständniß für jüd. Interessen hat, wer sich bewußt ist, daß die Heranwachsende Jugend nur dann dem Iudenthume mit Leib und Seel« treu bleiben wird, wenn sie testen hohe Aufgabe und Misston begriffen und erfaßt hat. was freilich nur durch Belehning und Unterweisung geschehen kann, der wird nicht ohne Desorgniß in die Zukunft blicken, der wir unter besagten Auspieien entgegen gehen. WaS un» vor Allem Roth thut, da» ist eine Anzahl pebildeter Lehre» und Prediger, die, in verschiedenen Städten des vereinigten Königreichs angestellt, dahin wirken würden, baß in der Mitte ihrer resp. Gemeinden ein neuer Geist entstehe, und rin Streben wachgerufcu werde, in unfern Gotteshäusern wahre Andacht und ächte Frömmigkeit vorherrschen zu lasten. Diese werden sich dadurch nicht allein um die jetzige Generation, sondern auch um die spätern Geschlechter große Verdienste eiwerbrn und zugleich unser Ansehen bei unfern Mitbürgern erhöhen, die hier mehr als in jedem andern Lande für's Indenthum sich interejstren und sehr oft unsere Synagogen besuchen. Solcher und ähnlicher sDorthei'le würden wir theilhastig werden, wenn nur die Hälfte der Summen, welche unsere Grineindevorstehrr zur Herbeischaffung von ungebildeten Chasanim jährlich ausgeben, zu oben angedeuteten Zwecken verwendet wären, und sicherlich würden die Früchte solchen Vorgehen» nicht lange auf sich warten lasten. Die Wissenschaft des Zudrnthunis, die glorreiche Geschichte unserer Vorjahren und die erhabenen poetische» Stücke unserer Dichter und Sänger werden sodann nicht länger, wie rS jetzt hier Aiber meist der Fall ist, ein „versiegelte« Buch" bleiben, sondern vielmehr Allen erschlaffen und zugänglich geinacht werden. Aber auch unsere alten, ehrwürdigen Bräuche, die man jetzt nur mechanisch und ohne Derständniß auSübt, werden bann erst neu« Frische und neues Leben gewinnen, wenn ihr Zweck und ihr« Bedeutung erklärt und verständlich gemacht wird, kurz, wir werden in jeder Brziehung Fortschritte zum bessern eizielen, und daS ist e» ja, wonach wir Alle streben sollten. *) Kbrr Hr. Dr. >»ler predigt ja selbst sowohl in London, wie gelegentlich ln anderen SiädUnl »denso find« in mancher engl. S,na> ••ge regelmäßige Predig» statt; für Belehrung durch jlid.-religiäse Vorlesung« geschieht tn London u. a. gräßeren Städten recht oiel. (Sied.) Oesterreich. S. <£mler|, 22. Januar. (Or.-Eorr.) (Die direkten ReichSrathswah len und die Juden.) Das polittsche Räthsrl, die isterrelchisäien Dilkersplitter in ein konstitutionell«» Volk von Oesterreich ern zusammenzuschweißen, scheint seine Lösung in der Börlas« der direkten Reichsrathswahl gefunden zu haben. Für rns österr. Juden ist jene Vorlage, so sie zum Gesetze erhoben wird, «in Paladium unserer Rechte, ein Hort unserer so humanen Derfaffung. Kein Wunder, daß die österreichischen Juden die wärmsten Anwälte dieser Vorlage und die innls sten Verbündeten der Verfaffungspartei sind. Unsere GlaubetSgenossen, denen das nicht sehr neidenSwerthe Glück zu Thei! geworden, unter Plast» edlen Sprossen ihr Dasein zu frif en, jenen, denen unter Hohenwart'» unseligem Regiment schier eine verjüngte Auflage einer leibhaften Regierung Waschlaptki's und Krapulinski's gedroht halte, ist die Wahliesorm «ine Erlösung in optiw» korma und eine Befreiung auS einem unserer harrenden Getho de» 19. Jahrhundert». Wenn anderSwo in unserem Kaiserstaat« die Gleichberechtigung der Inden markante LebenSzüge angenommen, wenn in and:rn Provinzen die Juden in allen Volksvertretungen ihre Sitze einnehmen, bleiben die schönen Siaa;sgrundgesetze, a »gehaucht vom polnischen Geiste und beleckt von unsern lichtscheuen und freiheitSfeindlichen Tendenzen — ein todter Buchstal e. Der Jude wird vom ReichSrathe kraft de» Macht- oder eigentlich de» Nachtspruches der polnischen Majorität in» Landtage fern gehalten, im Landtage sank die Vertretung de« neunten Theiles der Bewohner Galiziens auf das lächerliche Minimum von einem Abgeordneten (unter 150) herunter. Mcn wird e» daher begreiflich finden, mit welcher Spannung me n dem Resultate der directeu ReichsrathSwahlrn entgegensteht, unbegreiflich hingegen ist die seichte dumpfe polittsche Gährung, welche in unsern jüdischen Kreisen Galizien» herrscht, ohne den Muth zu besitzen, ihre ganze Kraft im Kampfe für ihr gute» Recht, für ihre polittsche und social« Befreiung einzusetzen. Ei» schüchternes und tieftrrschleierte» Zeichen für die Gefühle, die die Juden in ihrem tiefsten politischen Innern bewegen, gab der „Schomer Israel" in seinem jüngsten Leiterttktl. Dieser Benin Galizier, der sttnem Stamm nach tie „Wache der Juden" sttn soll, muß viel von seiner politischin Aufrichtigkeit und seinem politischm Muth« aufgebm, den» ihin hängen eentnerschwere Blttglieder von Natlonaischach rern und siniulirendei: Polenschmarozern an und geht jeder selbstbewußt« politische Gedanke von uninteresstrten Geschäftsminner in Debatten und Phrasenschaum auf. Da» Petitum für >ie direclen Reichsralhswahlen wird daher al» eine Herbstzeitlose Spätgeburt durch da« Fegefeuer jmer Maulhelden gcheit, um erst, wa» vorauszusehen ist, oerstttckt u. zugeknöpft am Bestimmungsorte anzulangen. Herr vr. Ign. Knranda soll der Mann sein, der diese Petition dem hohen Abgeordnetenb lus« zuführrn wird. Ueber den Ausfall der Debatten in ler Generalversammlung nächsten«.*) Ariti, IS. Januar. (Or.-Corr.) Der hiesige Magistrat hat di» Elementarschule, welche^bis jetzt auf Kostm der Iudengemeind: bestand, da die alten Schulloealitäten ungenügend geworden und die Einkünfte derselben nicht auSrrichten, um nme zu miethen, zu ttner Haupttchule mit polnischer •) LSir bringen im nächsten Blatte «u»,ug -u« einem benselb« Gegenstand behandelnden Artikel btt ,.R. Fr. Pr."