Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 4 (1873)
- Issue
- 4. Jahrgang Nᵒ 6.
- Date
- 1873-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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43 Drittel der (Gemeinde aufnehmen mußten, blieb nichtübrig, aiS euren Neubau aufzuführen. Die leider noch berechtigten, aber sehr unangenehmen Eigeiithümlichkeiten der hiesigen Festung »lachten es unmöglich, eine» anderen Bauplatz zu erwerben, und da die heutigen Architekten von der rituellen Bauregel, die neue Synagoge um dif alte herum zu erbauen und diese dann aus jener hcrauszubrechen, nichts wissen wollen, auch obenvrein für den Neubau eine veränderte Slraßenfrontlii.ie vorgcschrieben ist, so blieb nichts als totales Niederreißen übrig. Für dir Bauzeit sind wir auf höchst mangelhaften Nothbehelf angewiesen, da selbst für die Errichtung - einer provisorischen Synagoge nirgends ein Platz nnerhalb der Stadt zu haben ist. Wir hoffen jedoch in r.wa 1'/, Iahten die neue Synagoge fertig zu stellen und verzichten gern auf die Errichtung eines PrachtgebäudeS. Die neue Synagoge ist auf ca. 1600 Plätze und eine Bausumme von 80,000 Thlrn. veranschlagt. Aresta«, 24. Iannar. (Orig.-Corr.) Das jüdischtheologische Seminar beging gestern die neunzehnte Gedichtnißfeier zur Ciinnerung an seinen Stifter, den verewigten Commerzienraih Jonas Fränkel, mit welcher die solenne Entlaffung der zu Rabbinern auSgebildeten Hörer verbunden war. Nachdem Herr Director vr. Z. Frankel die Nothwendigkeir der von dem Wesen der jüdischen Religion bedingten und geforderten Bereinigung von Fühlen und Denken, von Glauben und Wissenschaft in einer längen, Ansprache entwickelt hatte, hielt Herr vr. Adolf Schwarz die Festrede, welche das Leben und die „Bedeutung des Rabbi Mose den Nachman für seine Zeit" zum Gegenstände harte. Herr Director Vr. Frankel überreichte hierauf die Entlassung», urkunde, indem er in herzlichen, warmempfundenen Worten Kennte, wie in der Gegenwan jedes geistige Streben, besoud rS auf religiösem Gebiete so sehr erschwert sei, und den jungen Rabbinern Muth und Ausdauer als hülfreiche Waffen gegen die feindliche Ctrüniung empfahl» um das Lehramt in Israel würdig und erfolgreich aufrecht zu erhalten und der Lehre alS den« Lebenselement des Zudenthums dauernden Bestand zu sichern. Den Schluß der erhebenden Feier, zu der sich zahlreiche Gäste eingefunden hatten, b.ldete das von einem Ehor vorgetragene Gebet für Kaiser und Vaterland. — Dem aus Anlaß des Stiftung-festes ausgegebenen Jahresberichte geht eine wiffenschaftliche Abhandlung von Hrn. Prof. vr. Graetz voran: „Der einheitliche Eharakter der Prophetin Joels und die künstlerische Gliederung ihrer Theile." *) Außer dem genannten Herrn vr. Schwarz auS Level in Ungarn sind noch die Herren vvr. Moritz Beck auS Papa (Ungarn), P. F. Frankel auS Ung.-Brod (Mähren) und Siegmund Flaschner aus Böhmlsch-Leipa enttaffen worden, von denen der letztere in Folge ehrenvoller Berufung schon seit mehreren Monaten in seiner Vaterstadt als Rabbiner fungirt. Außerdem führt der Jahresbericht die Namen mehrerer ehemaliger Hörer de» Seminar» auf. die im letzten Jahre An- •) Wir können es uns nicht versagen, hier auf eine einschlägige verdienstliche Arbeit aufmerksam zu machen, die unter dem titel: „Joel, Arnos, Obadja qua aetate et qtribns de robas lint locati. . . auetor ljalowo Lussnitrlci" vor Kurzem erschiene« ist und höchst beachtenswerth« Resultate aufweist. (Wir kommen auf Beides im „Lsteraturblatt" zurück, das auch dir Festrede des Hrn. vr. Sch. bringen wird. Red.) stellunqe» als Rabbiner oder ReligionSlehrer erhalter., und erwähnt zum Schlüsse die mehlfachm Beweise der Anerkennung, welche von Snteu Einzelner oder von Gemeinden durch Stiftungen und Stipendien an der. Tag gelegt wurden Der Lehmann sche Preis wurde Herr» vr. Porgr» aus Proßnitz für die vor ihm gelieferte Abhandlungr „Uebersicyt und Charakteristik der jüdischen Ereges: in Deutschland und Frankreich während »es Mittelalter»" zuerkannt. Kirfchbeg (Schlesien). (L)r.-Corr.) Die hiesige Gemeinde ist in religiöser Dezichunp nicht gut beleumnndtt, aber mit Unrecht, vie diese Zeilen zeigen wollen. Wohl haben hier bei der zahlreichen christlichen Geschäftsconcurrenz am Samstag die Meisten (eine klein«: Minorität abgerechnet) das Geschäft geöffr et, begiebt man si«h aber in den Tempel, so ist der größere Theil der Männer- und Frauenstellrn allsabbathlich besetzt. 3)er Gottesdienst darf entschieden weihevoll genannt werden, er erhält durch die eingeführte Gebet- und Synagogenordnung einerseits, scwie durch den schönen Chorgesang und Predigt seine vollkommene Erhöhung. Unser Rabbiner, Herr vr. Joel, isi. bemüht, uns die herrlichen Lehren des Zudenthums zu predigen und Angriffe, t>i« gegen daffelbe leider noch Vorkommen, gebührend zu geißeln und abzuweisen. Die Einführung bei, Chorgesangs bei uis datirt zwar schon aus früherer Zeit, eine durchgreifende Reorganisation hat derselbe erst vor einigen Jahren durch den hierher berufenen Contor Ruzanowski (ehemal. Schüler de» Obrrcaniors Hrn. Deutsch) erfahren Auch aiif anderem «Gebiete wird das Zudenthui» hier gepflegt. Es fehlte an einem geselligen Leben in der Gemeinde und hat abermals Herr Cantor R. dem Betürfniß abgeholfen. Bor etwa 2 Mo iate gründete er einen israel. Männer-Gesungverem „Psalteron", und haben sich bei dessen Constituirnn» sofort 18 Sängi-r, darunter auch ve> heirathrte Herren, gen eidet. Zweck des Vereins ist, nicht allein im Tempel an den hohen Festtage» und bei Familienfesten (Con« firmaiion, Trauung u. s. w.) den Chorgesang zu unterstützen, sondern aucden Mitgliedern der Gemeinde durch Gesang und instrumentale Vorträge genußreiche Abende zu bereiten. Zu welchen Leistungen dieser noch junge Verein es schon jetzt gebracht hat gab die am verfl. Sonnabend Abend stattgehabte Aufführung ein schönes Zeugn.ß. Vor einer zahlreichen israel. Versammlung (über 100 Personen waren auf Einladung erschienen) er.iffnete der Dinge,t dem Programm gemäß nach einer Ansprrche, worin er die Tendenz d«S Vereint, schilderte, die Gesangsaufführungen. Es folgten hierauf instrumentale Vorträge, Chor- und Solovorträge und theatralische Vorstellung, nnlcheS alle» auf die Zuhörer einen recht cagenehmen Eindruck machte. Die Mitgliederzahl hat sich inzv'ifchen verdoppelte und haben wir vom „Psalterion" zu Purim wieder eine musikalische Aufführung zu erwarten. — Herr Bankier Hugo Schlesinger Hierselbst (in Firma Abraham «Schlesinger), rin allseittg hochgeachteter Mann, ha» den Künigl. Kronen-Orden erhalten. Don den Repräsentanten wurde er einstimmig zum Vorstandsmitglied gewählt, und würde rS allen Gemeindemitgliedern sehr erwünscht sein, wenn dieser Her: , welcher einer der ältesten Hlrschbergn: Familien angehört, Sie Wahl annehmen möche. M. z-««t»rg, 19. Januar. (Or.-Corr.) Schluß Bekanntlich ist durch da» Gesetz vom 7. Novrmbe: 1864, betreffend die Verhältnisse der hiesigen israel. Gerieinde, eine