Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 4 (1873)
- Issue
- 4. Jahrgang Nᵒ 5.
- Date
- 1873-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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88 Niemand danach! Ader der Schulsond« sollte doch seiner Bestimmung zngeführt werden. Weder Rechnung noch sonst eine öffentliche Kundgebung ist seit Jahren ersolgi — und dir» ist doch nicht in der Ordnung! Für die Rabbiner und deren Interesse, für eine Stiftung für Raddinerwaisen und W it twen, ein Gegenstand, der mehrmals angeregt wurde — ist nicht da» mindeste geschehen. Eine solche Stiftung ist für Rabbiner, diese Paria» in Ungern, ebenso gerecht und nothwendig, al» die für Lehrer. Die Lehrer werden so ziemlich von dem Schulgesetze geschützt, und find dieselben nicht auf Rosen gebettet, so find die Rabbiner wahrhaft vogelftei. Kein Mensch kümmert sich um dieselben, wenn sie von de. Laane de» Borstande» um Amt und Ehre gebracht werden. Zn Wien, Pest «. s. w. finde» fie genug Exrabbiner, und diese könnten Ihnen diesen Gegenstand hinreichend beleuchten. Vermischte und neueste Nachrichten. Brest»»» 28. Januar. (Or.-Corr.) Heute ist der 18. Jahresbericht de» jüd.-th«»l. Seminar» auSgegeben worden. Zch komme auf den Inhalt, .besseren, sowohl auf die »orangehend« gediegene wissenschaftliche Arbeit de» Hrn. Prof. Dr. Srätz: „lieber den einheitlichen Charakter de» Propheten Joel", al» auf di« zahlreichen Beweise de» Vertrauen», die ter Anstalt wieder Leiten» vieler Gemeinden rntgrgrngebracht rrurden, nächsten» zurück, und habe heute, nur zu berichtigen, daß in dem Berzeichniß der im vergangenen Zahrr von Gemeinden berufenen Rabbiner der Name de» von der Syoag »gengemeind« zu Kozmin zum Rabbiner erwählten Herrn Ir. Adolph Lewin durch Versehen des Setzer» auSgefc llen ist. Arautfurl a. M. Zn der „R. F. Pr." macht ein .^frankfurter Zude" — so unterschreibt er sich selbst — gelegentlich der Erwähnung der vom preuß. EultuSministrrium bemilligten Unterstützung von 200 Thlrn. (nicht „Fl.", wie «» dort heißt) zu einer wiffenschastlichen Steife nach Ztalirn, auf.eine andere Großthat aufmerksam, „die bis jetzt noch nicht io die jüd. Literatur-Geschichte einregistrirt worden ift", daß nämlich i. Z. 1741 in Homburg v. d. Höhr, der jüd. Rechtscotex, ein umfangreiche» Werk von 300 Bogen, nur dadurch edirt werden konnte, daß Ludwig, der Erbprinz und Landgraf zu, Hessen-Homburg, sowie zwei christliche Kaustrule, Gel» uul> Glarn», dem Herausgeber Aron-Dessau die Geldmittel dazu heigaben. Kamdurg, .den 12. Zanuar. Da» Testament de» im diojan Monat verstorbenen Samuel Lewisohn wurde vor. Woche publieftt. Er vermachte der Armenanstalt der deutschisra:litischen Gemeinde, dem allgemeinen Krankenhaus«, dem Berein zur Uoterstützuug armer israelitischer Wöchnenunen, dem israelitischen Mietheverein von 1828, dem israelitischen Fraren-Berein von 185b und dem Verein junger israelüischer Aro enfreunde zur Bertheilung von Brod und Suppe — jedem dieser Institute — eia Legat von 2000 Mark Beo. Aamburg, 15. Zanuar. Derhiesig« verein zur iSt. iörd«rung nützlicher Gewerbe unter den Israeliten, dessen. Lhätigkrit seit dem Aufhören der Zünfte weniger in Anspruch J genommen worden ist, hat lei Revision seiner Statuten am' 22. September 1872, in Berücksichtigung der zunehmenden, ErwerbSthätigkeit der Frauen, seine Wirksamkeit auf da», weiblich« Geschlecht auSgedehnl und da», Statut,hahh» erweitert. daß iusoweft die Mittel e« gestatten, seine Lhätigkrit. sich auch auf die weibllchr Zugrad erstreckt. E« hat sich zu solchem Zwecke dir Direktion durch zwei weiblich« Mitglieder vrrstärkt. Ka»»«rg, 20. Januar. Zn den hiesigen öffentliche» Blättern befand sich am 5. und 7. Zanuar folgende» Inserat! „Bei Gelegenheit der Ankündigung de» Eonrert« von Richard Wagner verfehlen wir nicht unsere Glaubensgenossen auf Wagner'» Broschüre „Da» Zudenthu« in der Musik" aufmerksam zu machen. — Di« Schlußfolgerung rrgirbt sich von selbst. Mehrere Juden." Am 18. Zanuar war daselbst zu lesen: „Zstaelitev Richard Wagner ist hier, um seine Eompositionen unter seiner Leitung zur Geltung zu bringen. R. W. ist der Verfasser der Broschüre: „Da» Zudenthu« in der Musik" — in welcher er da» Zudenthum al» solche» zu verunglimpsen und in den Staub zu ziehen sucht — da» Zudenthu«, dessen Fundament , die Sittlichkeit, dessen höchste» Gesetz da» Sitteogesetz ist — da« Zudenthum, welches lehrt: Du sollst kein« Begierde haben nach Deine» Nächsten Weib. — Israeliten, macht Euch würdig de« Namen« „Israel". Kämpft in Euch nieder da» Verlangen, diesen Aufführungen beizuwohnra; zeigt, daß Ihr Selbstgefühl besitzt, mehr Selbstgefühl, al» Eure Glauben«, genossen in der Metropole der Zntelligenz. — Achtet Euch, selbst, wollt Ihr von Euren Mitbürger» geachtet werden. Jacob Türkheim." . JUtMM, 21. Zanuar. Das älteste weibliche Mitglied der hochdeuffch-israelitischen Gemeinde, die Wittwe Warburg. Hierselbst, ist gestern Abend im 103. Lebensjahre gestorben. Sie war bi» Beginn dieser Woche noch wohl und rüstig. Zvaag-Me« stabt (Ungarn). Unser« Gemeind« hat dieser Tage einen Beweis von seltener Hochherzigkeit und Humanität erfahren. Herr Adolf Baiersdorf in Wie», Schwiegersohn de» vor einiger Zeit dort verstorbrne» Herrn Eman. Biach, widmet« den Betrag von 5000 Gulden zur Errichtung eine» israelitischen Hospital» in seiner Batergemeinde, zu dessen Erhaltung er di« Zinsen von weüern 5000 Flbestimmte. Varl», 19. Zanuar. Da» Eentralcomitö der Alliance Zsr. Univ. macht daS Resultat der Wahlen zur Ergtuzuag bekannt, nachdem die Stimmlisten au» den überseeischen Ländern eingelaufen und zusammeagestellt sind. Da di« vorgeschlagenen Personen gewählt sind, so hat da» Eentralcomtt» ihnen die» mitgetheilt und um Erklärung über Annahme der Wahl gebeten. — Professor vr. Oppert hat in einer seiner jüngst ge» haltenen Vorlesungen im Eollögr de France di« Entdeckung betreffs der Erwähnung der Sündfluth in der Keis» schriit, von der man iu England so großes Auffehen macht,, wissenschaftlich gewürdigt. Diese Inschrift,st ein Bruchstück einer alten Epopöe, deren Held rin GrniuS de» Feuer» ist, der sich von dem babylonischen Roah (Luit) di« Geschichte der Sündfluth erzählen läßt. Nach Oppert ist die Erzähhmg ,n Betreff der literarischen Form und der chaldtischm Mythologie von hohem Werth, hat aber für, di« Bibel keiue»» wego das Znterejje, welche» ihr di« Engländer beilegen, da man die in Wirklichkeit viel substantiellere babylonisch« Legxulst über.die Sündfluth seit Jahrhunderten kennt. vr Oppert